Eigentlich meint Melanie es beim Treffen des örtlichen Tennis-Clubs nur gut, als sie vorschlägt, aus Rücksicht auf das einzige türkische Mitglied einen zweiten Grill anzuschaffen, damit er seinem Glauben gemäß eben Würstchen essen kann, die nicht aus Schwein sind und nicht neben Schweinewürstchen liegen mussten. Das ist die Ausgangslage von „Extrawurst“, der Verfilmung des erfolgreichen Theaterstücks, dessen Schöpfer Dietmar Jacobs und Moritz Netenjakob auch selbst das Drehbuch geschrieben haben. Herausgekommen ist ein Film mit spritzigen Dialogen.
Über den Film
Originaltitel
Extrawurst
Deutscher Titel
Extrawurst
Produktionsland
DEU
Filmdauer
90 min
Produktionsjahr
2026
Regisseur
Rosenmüller, Marcus H.
Verleih
STUDIOCANAL GmbH
Starttermin
15.01.2026
Die Sitzung im Verein soll vom Vorsitzenden Heribert (Hape Kerkeling) beendet werden, aber einen Punkt gibt es noch auf der Tagesordnung. Die Anschaffung eines neuen Grills, weil der alte in die Jahre gekommen und wacklig ist und Kohle sowieso krebserregend ist. Als Melanie (Anja Knauer) anregt, einen zweiten Grill für das einzige muslimische Club-Mitglied Erol (Fahri Yardim) anzuschaffen, eskaliert die Situation zusehends. Geht es doch schon bald nicht mehr um Schweine- und Knoblauchwürste, sondern um den Islam, „den Türken“ als solches, braune Vorurteile und Gesinnungen und mehr. Es fliegen die Fetzen…
Für das Theater ist das ein dankbarer Stoff, weil Leute einfach nur reden. Im Film ziehen sich die Hauptfiguren in die Tennishalle zurück, um zu einer Einigung zu gelangen, aber ein Wort führt immer zum nächsten, eine Beleidigung folgt der nächsten, und einer Lösung des Problems kommen die Club-Mitglieder keinen Schritt weiter. Das ist mit knackigen Dialogen erzählt, die mit viel Spielfreude dargeboten werden. Hape Kerkeling ist der Pedant, der alte weiße Mann, der sich gar nicht als solcher sieht, aber ständig seinen Türkenwitz an den Mann bringen und die Diskussion mit einem „Basta“ beenden will.
Fahri Yardims Figur will nicht anecken, wird aber solange drangsaliert, bis auch Erol nicht anders kann, als auf den Grill zu bestehen. Friedrich Mücke spielt den zweiten Mann im Club, schon ewig mit Erol befreundet, aber vorurteilsbeladen, und das so sehr, dass der von Christoph Maria Herbst gespielte Thorsten ihn alsbald in die Nazi-Schublade steckt. Dieses Ensemble hat es in sich, und ist so gut, dass nie einer ausschert und versucht, die anderen an die Wand zu spielen. Sie werfen sich gegenseitig die Bälle zu und glänzen damit allesamt.
Die Kunst einer solchen Geschichte ist es, sie am Laufen zu halten. Stillstand wäre der Tod, ein Erlahmen der Konfliktsituation das Ende des Films, aber die Autoren setzen über die gesamte Laufzeit immer noch mal einen drauf, und Marcus H. Rosenmüller inszeniert das mit Verve.
Das Finale mag ein wenig überzogen sein, die letzte Einstellung entschädigt dann aber noch mal vollends. Ein vergnüglicher Film der stakkatoartig kommenden Pointen, immer zielgenau, durchaus auch frech und derart, dass von den Pedanten über die Woken und Toleranten bis zu den Integrierten wirklich alle ihr Fett abbekommen.
Peter Osteried







