Falco – Verdammt, wir leben noch

Regisseur Thomas Roth inszenierte ein Biopic über den Aufstieg und Fall des vor zehn Jahren verstorbenen Ausnahmekünstlers aus Österreich. Wie im Leben des „Falken“ steht die Musik auch im Zentrum der Filmhandlung. Das Ergebnis ist eine persönliche Annäherung, die sich um Authentizität bemüht.

Webseite: www.falcoderfilm.at

Österreich 2007
Buch und Regie: Thomas Roth
Darsteller: Manuel Rubey, Nicholas Ofczarek, Christian Tramitz, Patricia Aulitzky, Susi Stach, Arno Frisch, Markus Mössmer, Martin Loos, Grace Jones
Bands: Excuse me Moses (als Drahdiwaberl), Mondscheiner (als Hallucination Company & Falco-Band)
Laufzeit: 109 Minuten
Verleih: drei-freunde Filmverleih/Filmwelt
Kinostart: 22.05.2008

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Es war um 1957 und es war in Wien. Die Welthauptstadt der Musik, in der die größten Komponisten der Wiener Klassik sich einst die Klinke in die Hand gaben, sollte um einen Virtuosen reicher werden. Doch noch wusste niemand davon. Wenngleich sich die musikalische Begabung des Johann „Hans“ Hölzl schon früh zeigte. Ebenso wie seine Arroganz. Bereits in der Schulzeit ein musikalisches Wunderkind, welches im Alter von sechs Jahren den Donauwalzer vor Publikum spielte, wusste Hans genau, was er einmal werden wollte. Kein Musiker etwa, nein. Er wollte Popstar werden.

Eine abgebrochene Lehre als Bürokaufmann, eine Stippvisite beim österreichischen Bundesheer sowie drei Semester beim Wiener Jazz-Konservatorium später, war es dann auch tatsächlich soweit. Als Teil der Hippie-Musiktheatergruppe „Hallucination Company“, frisierte er sich seine Haare mit Gel nach hinten, schwang sich in einen silbergrau-schwarz gestreiften Anzug samt Hut, setzte eine dunkle Brille auf und betrat erstmalig die Bühne mit neuem Look und neuem Pseudonym. Falco war geboren.

Was folgte, war die steile Karriere eines Ausnahmekünstlers. Mit seinen polarisierenden Texten, die er in einer Kunstsprache aus Hochdeutsch, Wienerisch und Englisch hervorbrachte, galt er als erster weißer Rapper. Songs wie „Der Kommissar“, „Rock Me Amadeus“ und „Jeanny“ wurden zu Meilensteinen der Musikgeschichte. Er selbst, Stilikone einer Generation und schon zu Lebzeiten eine Legende, erfuhr nebst beruflichen Höhenflügen aber auch die dazugehörigen Abstürze. Den Misserfolg zu verkraften, fiel ihm dabei ähnlich schwer, wie seinen Wunsch nach einem bürgerlichen Leben voller Liebe und Geborgenheit, mit seinem Anspruch ein Weltstar zu sein, zu vereinen. So führte er ein viel zu kurzes und viel zu exzessives Leben, in dessen Zentrum immer die Musik stand. Sie ist sein Vermächtnis, welches mehr noch Zeugnis über ihn ablegt, als es ein Film je vermag.

Nichtsdestotrotz kann auch ein Film eben dies versuchen. Auf Fakten basierend, erzählt Regisseur Thomas Roth die mitunter fiktive Lebensgeschichte des Falken. Eine persönliche Annäherung, ohne Diffamierung, aber auch fern davon, dem Musiker posthum ein Denkmal zu setzen. Wie in dessen Leben, geht es auch im Film vorrangig um seine Musik. Eine Aneinanderreihung seiner großen Hits, durchzogen mit Einflüssen aus seinem Leben. Teilweise an Originalschauplätzen gedreht, bemüht sich das Biopic um Authentizität. Ein Vorhaben, das häufig, aber leider nicht immer gelingt. Beides ist nicht zuletzt dem Hauptdarsteller zu verdanken bzw. anzulasten. Einerseits schafft es Manuel Rubey, der sich als gebürtiger Wiener und Frontmann der Band Mondscheiner in besonderer Weise für die Rolle des Falco qualifiziert, die gespaltene Persönlichkeit sowie die dramatischen Wendungen seiner Filmfigur glaubhaft zu vermitteln. Andererseits wirken speziell die zentralen Momente des Films, in denen Konzertauftritte und Musikvideos mehr oder weniger nachgestellt inszeniert wurden, geradezu gekünstelt. Rubey zugute halten muss man in diesem Zusammenhang wiederum, dass es denkbar schwierig sein musste, eine Kunstfigur ungekünstelt darzustellen. Auf jeden Fall haben jene und andere kleine Schwächen des Films nicht verhindern können, dass „Falco – Verdammt, wir leben noch!“ zu den erfolgreichsten Produktionen in Österreich zählt. Und auch hierzulande dürfte der Film sein Publikum finden. Schließlich macht er wieder Lust auf die Songs des berühmtesten Musikexports Österreichs – zehn Jahre nach dessen mysteriösen Tod.

Gary Rohweder

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Mit dem richtigen Namen hieß „Falco“, dessen Musikerbiographie in diesem Film dargestellt wird, Hans Hölzel. Schon früh fiel seine musikalische Begabung auf. „Popstar“ wollte er denn auch bald werden.

Zuerst spielte er in kleineren Bands, bis er die Erlaubnis bekam, einen eigenen Titel zu singen. Dann folgten die ersten Verträge vor allem durch die Vermittlung von Manager Horst Bork und bald, mit Unterbrechungen und großen Rückschlägen, die Hits und Chartssieger wie „Ganz Wien“, „Der Kommissar“, „Jeanny“ und das berühmte „Rock me Amadeus“, das in der halben Welt Erfolg hatte und sogar in den Vereinigten Staaten zur Nummer eins wurde. 

Insgesamt war sein Leben eine fast unvorstellbare Achterbahn: Erfolge und Pleiten, Jubel und Verurteilung, Zuhörermassen und Einsamkeit, Hochgefühl und Verzweiflung, Freundschaftsbeweise und Auseinandersetzungen, immer wieder und übermäßig Alkohol und Drogen, die schicksalhafte Liebe zu Isabella (im Film Jacqueline) und mehrere Male die Trennung von ihr, schließlich, halb im Delirium, in der Dominikanischen Republik der Autounfall, der ihn mit nur 41 vor zehn Jahren das Leben kostete.

Das ist das eine. Das andere ist der Film. Mit riesigem Aufwand, zahlreichen charakteristischen Situationsspots, Massenszenen und ausgewählten Locations hat Autor und Regisseur Thomas Roth versucht, die Person Falco und das Ambiente von damals herzustellen. Und soweit das im nach hinein beurteilt werden kann, ist ihm das auch sehr gut gelungen. Jedenfalls hat er damit verblüffende Wirkungen erzielt.

Wichtig war natürlich, die fragile Psychologie des Sängers zu treffen: den Umgang mit dem Erfolg, die durch diesen entstandene Eitelkeit, das Fertigwerden mit den erfolglosen Zeiten, die flatterhafte Liebe zu Jacqueline, den unmäßigen Alkohol- und Drogengenuss. Geglückt ist das vor allem auch durch die hervorragende Falco-Darstellung von Manuel Rubey. Patricia Aulitzky als Ehefrau Jacqueline sowie Christian Tramitz als Manager und Freund Horst Bork arbeiten ihm bestens zu.

Wirklichkeit oder Fiktion? Das ist hier die Frage. Thomas Roth entschied sich für die Fiktion mit Realitätseinschüben. Spiel und Biographie ist daraus geworden. Ansehnlich – und mit Maßen auch glaubhaft.

Nicht nur für Falco-Fans eine Schau.

Thomas Engel