Fences

Ein vielfach ausgezeichnetes Drama, einer der angesehensten Schauspieler Hollywoods führt Regie und spielt die Hauptrolle, ein gesellschaftlich relevantes Thema: Das sind die Zutaten von „Fences“, der dementsprechend auch als Mitfavorit auf die Oscars gilt.

Webseite: Fences-Film.de

USA 2016
Regie: Denzel Washington
Buch: August Wilson, nach seinem gleichnamigen Drama
Darsteller: Denzel Washington, Viola Davis, Stephen McKinley Henderson, Jovan Adepo, Russell Hornsby, Mykelti Willamson
Länge: 138 Minuten
Verleih: Paramount
Kinostart: 16. Februar 2017

FILMKRITIK:

1983 schrieb der amerikanische Dramatiker August Wilson (Kind eines Sudeten-Deutschen Einwanderers) sein Stück „Fences“, das mit dem Pulitzer Prize und dem Tony Award (dem wichtigsten amerikanischen Theaterpreis) ausgezeichnet wurde. 2010 feierten Denzel Washington und Viola Davis in der Wiederaufführung einen großen Erfolg und übernehmen nun auch die Hauptrollen in der Verfilmung, bei der Washington nach „Antwone Fisher“ und „The Great Debaters“ zum dritten Mal Regie führt.
 
Wie Washingtons erste beiden Regiearbeiten ist auch „Fences“ ein durch und durch wichtiger Film, der keinerlei Versuch unternimmt, seine relevanten Themen, sein soziales, gesellschaftliches Anliegen zu kaschieren. Denn auch wenn Stück und Film in den 50er Jahren spielen: Die Position und Rolle der Schwarzen in der amerikanischen Gesellschaft ist damals wie heute ein brennendes Thema, das aus vielerlei Gründen in den letzten Jahren besonders intensiv diskutiert wurde.
 
Trotz des ersten schwarzen Präsidenten, obwohl schwarze Künstler vor allem die Musikszene dominieren, Millionen (auch weiße) Amerikaner schwarze Sportler bejubeln: Die zahllosen Fälle exzessiver Polizeigewalt, denen oft Schwarze zum Opfer fallen, die frappierend überproportionale Inhaftierung schwarzer Männer, Lohngefälle und andere soziale Benachteiligung zeigt, dass die Rassen zwar auf dem Papier gleichgestellt sein mögen, die Realität aber ein anderes Bild ist.
 
Und genau um diese Themen geht es auch in „Fences“, der eine – man muss es so nennen – typische schwarze Familie zeigt: Im Zentrum steht Troy Maxson (Washington), der einst ein talentierter Baseballspieler war, jedoch als Schwarzer keine Chance hatte, in die weiße Profiliga zu kommen, und nun als Müllmann ein Auskommen findet. Mit seiner Frau Rose (Davis) hat er ein Kind, Cory (Jovan Adepo), ein talentierter Football-Spieler, dazu einen älteren Sohn von einer anderen Frau.
 
Der dramaturgische Kniff der Geschichte ist nun, dass es nicht offensichtlich das weiße Amerika ist, das Troys Träume zerstört hat, das ihn und seine Familie zu einem Leben nur knapp über der Armutsgrenze verdammt hat, sondern Troy selbst. So verinnerlicht hat er den Gedanken, dass er als Schwarzer in Amerika nur ein Mensch zweiter Klasse ist, dass er diese Prophezeiung durch sein Handeln selbst erfüllt. Mit seiner Larmoyanz, seiner Selbstgerechtigkeit, seinem Trinken und Ehebruch, agiert Troy gerade so, wie die weißen Vorurteile es von ihm erwarten und reißt damit sich und seine Familie ins Unglück.
 
Mitte der 80er muss dieses Stück visionär gewirkt haben und hat auch heute wenig von seiner gesellschaftlichen Relevanz, seiner hellsichtigen Analyse subtiler Unterdrückungsmechanismen verloren. In seinen deutlichen Metaphern und allegorischen Bildern ist es allerdings auch durch und durch ein Theaterstück, was Denzel Washington als Regisseur nicht verhehlen will, vielleicht aber auch nicht kann.
 
Kaum einmal verlässt die Handlung die Räume des Hauses, lange Dialogpassagen inszeniert Washington in einfachsten Schuss/ Gegenschuss-Einstellungen, was in mancher Theaterverfilmung wie „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ gut funktionierte, hier auf Dauer etwas zäh wirkt, zumal die Inszenierung das didaktische Element der Vorlage noch zusätzlich ausstellt. Der Thematik, vor allem aber der Schauspieler wegen lohnt sich „Fences“ letztlich, wegen Washington selbst, dem es gelingt, seine an sich unsympathische Figur dennoch ambivalent und nachvollziehbar erscheinen zu lassen, vor allem aber wegen Viola Davis, die einmal mehr zeigt, warum sie als eine der besten amerikanischen Schauspielerinnen der Gegenwart gilt.
 
Michael Meyns