Feuer bewahren – Nicht Asche anbeten

Der Schweizer Starchoreograph Martin Schläpfer steht im Mittelpunkt von Annette von Wangenheims Dokumentation „Feuer bewahren – Nicht Asche anbeten“, einer bisweilen klassisch-konventionellen biographischen Annäherung, die vor allem in den Momenten auch filmisch überzeugt, in denen nicht das Wort im Mittelpunkt steht, sondern der Tanz.

Webseite: http://feuerbewahren.de

Deutschland 2015 – Dokumentation
Regie, Buch: Annette von Wangenheim
Länge: 85 Minuten
Verleih: Real Fiction
Kinostart: 11. Februar 2016
 

Pressestimmen:

„´Feuer bewahren – Nicht Asche anbeten´, ein Zitat des Komponisten Gustav Mahler, gelingt so manches: ein Künstlerporträt und zugleich ein Glücksfall von Kunstvermittlung, dabei aber ein ganz und gar eigenständiges Werk, das sich nicht in Dienst stellen lässt, sondern etwas anzubieten hat. Famos!“
Filmdienst

„…setzt dieser Film mit langsamen ausgeruhten Bildern und Schnitten und mit einem sehr persönlich daherkommenden Martin Schläpfer ein Statement für die Tanzkunst.“
SWR 2

„Annette von Wangenheims Dokumentarfilm `Feuer bewahren – nicht Asche anbeten´ ist nicht nur ein Tanzfilm über Schläpfers aufregende Verbindung von Tradition und Moderne im Tanz, sondern auch ein sehr persönliches Porträt.“
dpa

„Zu dem begeisternden Reichtum dieses außerordentlich dichten Films gehören auch Bilder des vertrauten Fotografen von Schläpfer. Großartige Kunst für Kopf, Augen und das Herz.“
Aachener Zeitung

FILMKRITIK:

Legt man die zahlreichen Szenen zu Grunde, in denen Regisseurin Annette von Wangenheim ihren Protagonisten Martin Schläpfer zeigt, wie er in seinem Haus in Düsseldorf kocht oder sich von den Strapazen des Berufs erholt, wie er Hasen füttert oder Steine in den Rhein wirft, wie er auf seiner Almhütte sinnierend in die Ferne blickt und mit größter Gelassenheit über sich und sein Metier Auskunft gibt, hat man es mit einem grundsympathischen Menschen zu tun, der mit sich und der Welt im Reinen ist. So angenehm diese Wesenszüge in einer persönlichen Begegnung auch sind, für einen Dokumentarfilm sind sie nicht unproblematisch: Denn ohne Ecken und Kanten, ohne Reibungsflächen stellt sich schnell eine gewisse Beliebigkeit ein, zumal Schläpper in seinen Versuchen, seinen künstlerischen Ansatz in Worte zu fassen, eher auf Allgemeinplätze zurückgreift.

Aber warum auch nicht, schließlich ist sein Metier nicht das Wort, sondern der Tanz, drückt er sich nicht verbal aus, sondern mit den Bewegungen, die er selbst vollführt, wenn er auftritt, oder die er mit den Tänzern seiner Compagnie einstudiert. Es wäre also die Aufgabe der Regisseurin dieses biographischen Porträts, visuelle Mittel zu finden, um die Kunst und den Ansatz Schläppers in Bilder umzusetzen. Annette von Wangenheim versucht dies nur in Momenten.

Oft ist ihre Dokumentation ein eher konventionell anmutendes Porträt, lässt sie Schläpfer oder dessen Wegbegleiter, Freunde und Kollegen direkt in die Kamera sprechen, biographische Fakten aufzählen oder lobende Sätze sprechen. Das ist zwar durchaus informativ, aber auch etwas trocken. Wesentlich interessanter und aufschlussreicher sind solche Szenen, in denen Schläpfer bei der Arbeit beobachtet wird. Mal sieht man ihn da selbst die Rolle des Tänzers einnehmen, der mit seinem niederländischen Kollegen Hans van Manen  ein speziell für ihn entwickeltes Stück probt, mal sieht man ihn selbst bei der Arbeit: Sei es mit Tänzern seiner Compagnie, seiner Dramaturgin, dem Orchester oder einer Komponistin. Zu beobachten, mit welcher Konzentration und Akribie Schläpper agiert, wie er und seine Mitstreiter Stücke entwickeln, Ideen haben und verwerfen, bis sich schließlich ein Teil zum Anderen fügt, ist faszinierend.

Und vor allem dokumentarisch im besten Sinne des Wortes: Die Kamera als Auge des Zuschauers, die einen Blick in eine sonst verschlossene Welt wirft, Arbeitsprozesse aufzeigt, Handlungen, ja, Handwerk beobachtet, ohne das mit eineschobenen Interviews oder einem allzu sehr erklärenden, allzu vereinfachenden Voice-Over-Kommentar der Magie des Momentes ihr Geheimnis genommen wird. In solchen Momenten ist „Feuer bewahren – Nicht Asche anbeten“ eine starke Dokumentation und mehr als nur die bloße Aneinanderreihung biographischer Informationen.
 
Michael Meyns