Flash of Genius

Basierend auf einer wahren Begebenheit erzählt „Flash of Genius“ von dem zermürbenden Kampf eines Erfinders und Universitätsprofessors gegen den mächtigen Ford Motor-Konzern. Bob Kearns (1927-2005) entwickelte Ende der 1960er Jahre den Intervall-Scheibenwischer, der heutzutage zur Grundausstattung jedes Autos gehört. Der etwas zu brav inszenierte Film lebt vornehmlich von der glaubhaften Darstellung Greg Kinnears und der Widersprüchlichkeit seiner Hauptfigur.

Webseite: www.flashofgenius.kinowelt.de

USA 2008
Regie: Marc Abraham
Darsteller. Greg Kinnear, Laren Graham, Dermot Mulroney, Alan Alda, Jake Abel, Mitch Pileggi
Laufzeit: 119 Minuten
Kinostart: 25.6.2009
Verleih: Kinowelt

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Genie und Wahnsinn liegen bekanntlich sehr nahe beieinander. Diese recht triviale Erkenntnis wird auch durch die wahre Geschichte des Bob Kearns (Greg Kinnear) wieder einmal belegt. Der engagierte Universitätsprofessor und Hobby-Tüftler versetzt Ende der 1960er Jahre mit seiner Erfindung des Intervall-Scheibenwischers die Entwickler der großen amerikanischen Autokonzerne in Staunen. Ihm gelingt, was Ford, GM und Chrysler trotz millionenschwerer Forschungs-Etats bis dahin nicht zu Stande brachten. Als Bob glaubt, seine Erfindung werde ihm Anerkennung und seiner Familie ein zumindest finanziell sorgenfreies Leben bescheren, erliegt er einem Irrtum. Nur wenig später zieht sich Ford ohne Angabe von Gründen aus dem gemeinsamen Projekt zurück. Bobs Enttäuschung hat sich noch nicht ganz gelegt, da muss er mitansehen, wie Ford den neuen Mustang mit dem von ihn entwickelten Intervall-Scheibenwischer der Öffentlichkeit vorstellt.

Wo andere vor der Macht des Giganten aus Detroit längst kapitulieren hätten, entscheidet sich Bob zu kämpfen. Er will, dass die Öffentlichkeit erfährt, dass Ford sein geistiges Eigentum gestohlen hat. Für diese Wahrheit ist er sogar bereit, großzügige Offerten von am Ende mehreren Millionen Dollar auszuschlagen. Er lässt es auf einen Prozess ankommen – mit ungewissem Ausgang. Sein über zwei Jahrzehnte andauernder Kampf für Gerechtigkeit droht unterdessen sein gesamtes Leben zu zerstören. So verbringt er nach einem Nervenzusammenbruch nicht nur einige Zeit in einer psychiatrischen Anstalt, auch seine Frau Phyllis (Lauren Graham) trennt sich von ihm, da sie für Bobs verbissen geführten „Kreuzzug“ keine Kraft mehr aufbringen will und kann.

In seinem ersten Spielfilm erzählt der bislang als Produzent in Erscheinung getretene Marc Abraham („Spy Game“, „Children of Men“) eine geradezu klassische David-gegen-Goliath-Geschichte. Obwohl Bob unserem Empfinden nach jedes Recht der Welt auf seiner Seite hat, scheint sein Ansinnen angesichts der finanziellen wie personellen Ressourcen des Gegners doch nahezu aussichtslos. Interessant ist, dass der Film, der zweifellos eindeutig Partei ergreift, seinen Don Quijote keineswegs idealisiert. Bob war ein schwieriger Charakter, bisweilen regelrecht verbohrt in seinem Streben nach Anerkennung und Gerechtigkeit. Und genau so portraitieren ihn Abraham und Drehbuchautor Philip Railsback. Über Bobs Kompromisslosigkeit mag manch einer gar den Kopf schütteln, wenn dieser wieder einmal ein millionenschweres Angebot des Autoriesen ausschlägt, das seine Familie finanziell abgesichert hätte.

In der Vergangenheit arbeitete Greg Kinnear oftmals Stars wie Jack Nicholson oder Pierce Brosnan zu, in deren Schatten er sich dann bewegte. „Flash of Genius“ bot ihm endlich Gelegenheit, einmal eine komplexe, schwierige Hauptrolle selbst auszufüllen. Kinnear ist es dann auch, der den in seiner Dramaturgie und Konzeption recht zahmen Film vor Schlimmerem bewahrt. In seiner Darstellung des passionierten Erfinders Bob Kearns werden sowohl dessen innere Unruhe als auch Anspannung sichtbar. Manchmal ist er voller Tatkraft und Energie, dann wieder wirkt er ausgebrannt und leer. Dieses emotionale Auf und Ab vermittelt Kinnear über wenige, im ersten Moment recht unscheinbare Gesten und Blicke. Er ist darüber hinaus ein Schauspieler, der die eigene Eitelkeit mit Beginn einer Aufnahme problemlos zurückstellen kann.

Ansonsten hat „Flash of Genius“ leider nicht wirklich viel (Neues) zu bieten. Die guten Absichten sind zwar jederzeit unverkennbar, allein das nützt wenig, wenn selbst die als Klimax inszenierte Gerichtsverhandlung sich nur allzu brav in das erprobte Schema vergleichbarer David-gegen-Goliath-Dramen wie „Erin Brokovich“ oder „Insider“ einfügt. Abrahams Regiedebüt mangelt es somit vor allem an Eigenständigkeit und Wagemut. Beides Dinge, für die Bob Kearns Zeit seines Lebens stand.

Marcus Wessel

 

Eine wahre Geschichte, in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts in Detroit spielend.

Robert Kearns lehrt Ingenieurwesen. Er ist ein glücklicher Familienvater – Frau Phyllis und ein halbes Dutzend Kinder – sowie ein großer Tüftler. Eine Augenverletzung bringt ihn auf die Frage, warum Scheibenwischer an einem Auto nicht so hergestellt werden können, dass sie sich einerseits schwachem Regen und andererseits strömendem Regen anpassen – also Scheibenwischer mit Intervall-Schaltung. Er findet die Lösung. Er und kein anderer. Ein Geistesblitz.

Vielversprechende Verhandlungen mit dem Ford-Konzern zerschlagen sich, obwohl Kearns dafür schon viel investierte.

Geraume Zeit später traut er seinen Augen nicht: Ford-Autos fahren mit Scheibenwischer-Intervall-Schaltung, mit seiner Erfindung also. Die Ford Corporation hatte zwar an dem Problem schon gearbeitet, die Lösung jedoch nicht gefunden. Die haben sie dann ganz einfach Kearns geklaut.

Der Kampf beginnt. Ein einzelner Mensch gegen einen riesigen Konzern, der über Anwälte, Geld und Zeit genug verfügt. David gegen Goliath.

Nicht weniger als zwölf Jahre muss Kearns kämpfen. Er verliert seine Familie, seine Gesundheit, oft auch die nötige Kraft. Aber sein Gerechtigkeitsempfinden funktioniert. Bestechungssummen von Ford lehnt er ab. Er will die gerichtliche Feststellung, dass der Konzern sich das entsprechende Patent widerrechtlich aneignete – und damit viel Geld machte.

Die Chancen sind minimal, denn Kearns vertritt sich vor Gericht selbst. Gut, dass seine inzwischen groß gewordenen Kinder ihm jetzt zur Seite stehen und ihm helfen.

Und was geschehen musste, geschieht. Kearns bekommt recht. Ford und später Chrysler müssen Millionen zahlen.

Inmitten einer Menge von Täuschung, Betrug, Diebstahl und Korruption siegt nach langer Zeit doch die Gerechtigkeit.

Kearns starb 2005. Phyllis allerdings hatte er nicht mehr zurück gewonnen.

Chronologisch, linear, nüchtern, wirklichkeitsnah und glaubwürdig ist das alles nacherzählt. Zahlreich sind die Rückschläge, schmerzlich die Emotionen, verhalten die Freude über den Triumph. Das geschilderte Milieu, etwa privat oder vor Gericht, überzeugt.

In jeder Szene ist Greg Kinnear präsent. Er spielt diesen Robert Kearns leidenschaftlich, nuanciert, mit frappanter Sicherheit. Eine denkwürdige Leistung.

Ein Gerechtigkeitsdrama von hohen Graden, in dem ein einzelner Mensch gegen einen Riesenkonzern steht.

Thomas Engel