Following Habeck

Abseits das Zentrums der deutschen Politik, im ländlichen Schleswig-Holstein agiert der Grünen-Politiker Robert Habeck. Doch Habeck will in die Bundespolitik und bewirbt sich um den Posten des Spitzenkandidat seiner Partei. Wie er unermüdlich Wahlkampf betreibt und dabei auch noch Umweltminister in seinem Bundesland ist, zeigt Malte Blockhaus in „Following Habeck“, einer mit geringsten Mitteln produzierten Dokumentation, die dennoch viele Qualitäten hat.

Webseite: www.habeck-film.de

Dokumentation
Deutschland 2018
Regie & Buch: Malte Blockhaus 
Länge: 79 Minuten
Verleih: imFilm Verleih + Agentur
Kinostart: 30. August 2018

FILMKRITIK:

Im Rahmen seines Studiums lernte Malte Blockhaus den Umweltminister von Schleswig-Holstein, Robert Habeck, kennen, dessen Offenheit ihn auf die Idee zu dem nun vorliegenden Film brachte. Über einen Zeitraum von drei Jahren begleitete Blockhaus den Politiker immer wieder, beobachtete ihn bei Sitzungen und Treffen mit Bürgern, bei Reden und Bahnfahrten, beim Händeschütteln und Debattieren.
 
Während dieser Zeit füllte Robert Habeck nicht nur sein Ministeramt in der rot-grünen Regierung aus, sondern kämpfte auch noch bundesweit um das Amt des Spitzenkandidaten zur Bundestagswahl 2017. Habecks direkter Konkurrent war dabei Cem Ozdemir, der Bundesvorsitzende seiner Partei, der auf Grund seiner exponierten Position in den Medien als klarer Favorit galt. Am Ende verlor Habeck die Abstimmung mit gerade einmal 75 Stimmen, und dieses gute Ergebnis dürfte dazu beigetragen haben, dass er Anfang 2018 in den Bundesvorstand seiner Partei gewählt wurde.
 
Zum richtigen Zeitpunkt hat Blockhaus also mit der Arbeit an seinem Film begonnen, zu einem Zeitpunkt, als Robert Habeck erst regional bekannt war. Doch im Umgang mit den Medien ist er schon damals ein Profi, fällt nie aus der Rolle, ist stets freundlich und hat kurze, prägnante Statements parat. Ist das nur Fassade oder ist Habeck tatsächlich stets gut gelaunt und bester Dinge? Entlarvende Momente darf man von „Following Habeck“ nicht erwarten, den Menschen hinter dem Politiker zu finden, ist Blockhaus nicht gelungen, wenn das denn überhaupt das Ziel war.
 
Im Ansatz mag der mit kleinen Handkameras gedrehte Film, bei dem Blockhaus in Personalunion viele Rollen einnahm, zwar den Prinzipien des Direct Cinemas entsprechen, dem Versuch, sich praktisch unsichtbar einem Subjekt zu nähern, es zu beobachten und so unauffällig zu agieren, dass tatsächliche wahre, authentische Momente entstehen. Doch das Habeck und Blockhaus mehr als Filmemacher und Subjekt waren, dass sie sich augenscheinlich sympathisch sind, scheint immer wieder durch: „Was brauchst du noch, Malte?“ fragt Habeck da schon mal, man kennt und schätzt sich, auch ein Vertrauen, nicht entlarvt zu werden, dürfte Basis des gemeinsamen Wegs gewesen sein, der diesen Film erst ermöglichte.
 
Man mag diese Nähe unkritisch finden, doch würde dieser Vorwurf den Blick auf das verstellen, was Blockhaus gelungen ist: Einen Blick in das Leben eines Politikers zu werfen, in ein zwar rasantes, aber oft auch banales Leben, das geprägt ist von Hetze und Termindruck, endlosen Auto- und Zugfahrten, bei dem man auch mal von wütenden Bürgern beschimpft wird, bei dem das Privatleben regelmäßig zu kurz kommt. Gerade, dass Robert Habeck so unspektakulär ist, er keine Allüren hat, er offenbar tatsächlich einfach ausgeglichen und sympathisch ist, macht dann auch „Following Habeck“ zu so einem spannenden Blick hinter die Kulissen des Politikbetriebs.
 
Michael Meyns