French Women – Was Frauen wirklich wollen

Voller Esprit inszeniert die französische Actrice Audrey Dana ihre Tour d’Amour durch Paris. In ihrer ersten Regiearbeit versammelt sie für ihre episodenhafte Frauen-Power-Posse mit viel Charme einen glamourösen Cast: Angefangen von Isabelle Adjani über Vanessa Paradis und Laetitia Casta bis hin zu Sylvie Testud. Ihre frivole Liebeskomödie wirkt stellenweise fast wie ein französisches Update zu Pedro Almodovars schrillem Kultfilm „Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs“. Ein überdrehter, trashig-unkorrekter Feminismus-Spaß mit spielfreudigem Ensemble, der mit quirliger Lebendigkeit aufwartet.

Webseite: www.frenchwomen.de

Frankreich 2014
Regie: Audrey Dana
Drehbuch: Audrey Dana, Raphaëlle Desplechin, Murielle Magellan
Darsteller: Isabelle Adjani, Vanessa Paradis, Alice Belaïdi, Laetitia Casta, Audrey Dana, Julie Ferrier, Audrey Fleurot, Marina Hands, Géraldine Nakache, Alice Taglioni, Pascal Elbé, Sylvie Testud, Marc Lavoine, Guillaume Gouix, Alex Lutz.
Länge: 116 Minuten
Verleih: Alpenrepublik, Vertrieb: Tobis
Kinostart: 3. September 2015
 

FILMKRITIK:

Paris im Frühling. In der Seine-Metropole kreuzen sich die Wege von Frauen auf  ihrer Jagd nach Liebe, Glück und Freundschaft. Mütter, Managerinnen, Freundinnen,  Single oder verheiratet,  jede versucht ihren eigenen Lebensentwurf zu verwirklichen.  Die freiheitsliebende Joe (Audrey Dana) etwa, glaubt für eine feste Bindung nicht geschaffen zu sein. Deshalb lässt sie sich nur auf Affären mit verheirateten Männern ein. Ysis (Géraldine Nakache) hingegen ist mit 26 schon vierfache Mutter und erstickt im Alltagstrott. Karrierefrau Rose (Vanessa Pardise) freilich vermisst weder Mann noch Kind und leitet egozentrisch ihr millionenschweres Unternehmen.
 
Erst als ihr Arzt ihr provozierend einen zu hohen Testestoronspiegel attestiert, lässt sich die erfolgsverwöhnte verunsichern.  Die Juristin Agathe (Laetitia Casta) wiederum hofft noch auf die große und einzig wahre Liebe. Auch wenn sie Angst vor ihren eigenen Emotionen hat und ihr stressbedingter nervöser Magen, sie dabei nicht selten in peinliche Situationen bringt. Lily (Isabelle Adjani), die älteste in der Runde, möchte aus Angst vor der Menopause immer noch Party machen, wie ihre 16jährige Tochter. Und die brave Busfahrerin Fanny (Julie Ferrier) verlässt ihren langweiligen Ehemann und überrascht am Ende alle.
 
Ohne Scheuklappen ist der frischgebackenen Regisseurin Audrey Dana vor kräftigen Klischees nicht bange. Die Bilder ihrer aufgekratzten Komödie wirken frisch und zelebrieren streckenweise Weiblichkeit in prallen Farben. Außerdem überzeugen ihre Protagonistinnen mit komischem Potenzial, auch wenn es nicht immer ganz ausgeschöpft wird. Obwohl sie die Frauen nicht dramaturgisch gegeneinander ausspielt, holpert ihr turbulenter Reigen an einigen Stellen. Offensichtlich wollte sie zu viele Ideen unterbringen. Der schnelle Perspektivwechsel unterbricht den Erzählfluss manchmal eher als die Handlung voranzutreiben. Doch an Kreativität mangelt es ihrem Spiel mit weiblichen Rollenbildern samt amouröser Komplikationen ganz sicher nicht.
 
Schließlich entwickelte die Actrice ihr episodenhaftes Drehbuch aus Interviews mit über hundert Geschlechtsgenossinnen, um facettenreich unterschiedliche Frauentypen von heute zu ergründen. Ganz offensichtlich ist, dass sich ihr weibliches Ensemble wohl fühlt und motiviert spielt. Vielleicht auch deshalb, weil keine sich in ein Rollenkorsett gezwängt fühlt, Und so beweist auch Vanessa Pardis, dass sie nach der Trennung von Hollywoods Ober-Piraten als Schauspielerin, Sängerin und Model definitiv zurück ist. Das Lolita-Image legte die Chanel-Muse längst ab. Obwohl die 42jährige  fragile Mädchenfrau mit der berühmten Zahnlücke immer noch cool und zugleich verspielt wirkt. Bereits in der Komödie „Plötzlich Gigolo“ spielte sie die jüdische Witwe Avigal, eine vereinsamte Frau mit einer hauchzart ziselierten Mischung aus Selbstkontrolle und Freiheitssehnsucht, die in jeder Sekunde bewegte.
 
„Sie entflammt die Leinwand“, stammelte einst François Truffaut über seine Entdeckung Isabelle Adjani. Ob Engel oder Mörderin oder beides zugleich: Die Pariserin überzeugte in zahlreichen Rollen, ihr Talent ausspielen konnte die Ikone des französischen Kinos jedoch nur in wenigen. Der scheinbare Widerspruch zwischen klassischer, weiblicher Schönheit und tiefer, innerer Rebellion irritierte immer wieder. Zudem kann man sich die inzwischen 60jährige nicht in den Mutter- oder Großmutterrollen vorstellen, die etwa Diva Catherine Deneuve nun öfter spielt. „Die Rolle ist eine augenzwinkernde Hommage an mich selbst“, verrät die Tochter einer deutschen Mutter und eines algerischen Vaters über ihren Auftritt als Älteste der illustren Frauengruppe. Und auch heute noch findet die unbeugsame Schönheit mit dem porzellanfeinen Gesicht Filme ohne Liebe langweilig.
 
Luitgard Koch