Friendly Fire

„Friendly Fire – Erich Fried“ ist eine Dokumentation nicht nur über den deutschen Dichter, der in London lebte, sondern auch über das 20. Jahrhundert, und darüber, wie sein jüngster Sohn sich ihm nähert, weil er immer das Gefühl hatte, seinen Vater am wenigsten gekannt zu haben. Er ist damit so etwas wie ein intimes Porträt, weil enge Freunde und Familie zu Wort kommen, aber auch ein Kommentar auf die Brüche des 20. Jahrhunderts, illustriert an Erich Fried selbst. 

 

Über den Film

Originaltitel

Friendly Fire

Deutscher Titel

Friendly Fire

Produktionsland

DEU,AUS

Filmdauer

113 min

Produktionsjahr

2025

Regisseur

Fried, Klaus / Albrecht, Julia

Verleih

Film Kino Text – Jürgen Lütz

Starttermin

30.05.2025

 

Der in Wien geborene Dichter floh vor den Nazis, hatte später aber regen Briefkontakt mit Michael Kühnen, einem bekennenden Nazi. Beide schrieben einander sogar Gedichte. Fried schrieb über Israel in seinem Gedicht „Höre Israel“. Darüber, wie aus den Verfolgten Verfolger wurden. Weil er mit den Palästinensern sympathisierte. Er war mit Astrid Proll, einem Mitglied der ersten Generation der RAF, befreundet und schätzte Ulrike Meinhoff, der er – bevor die Bewegung militant wurde – von diesem Weg abriet. Er sprach mit den extremen Rändern, weil Fried immer glaubte, dass Reden für das gegenseitige Verständnis wichtig ist.

 

Darüber hinaus vergaß er mitunter seine eigene Familie, war auf Reisen oder empfing reihenweise Gäste, hatte Affären und erwies sich als wortgewandter Kommentator seiner Zeit. Immer wieder hört man im Film Frieds Gedichte, die von ihm selbst vorgetragen werden. Die Macht seiner Worte erlebt so zusätzliche Bedeutung. Aber man sieht auch seinen Sohn, der versucht, seinen Vater besser zu verstehen. Das zeichnet diese Dokumentation aus, weil sie sowohl intim, als auch groß aufgezogen ist. Sie stellt nach, wie die großen Ereignisse des 20. Jahrhunderts nachwirkten: der Zweite Weltkrieg, Vietnam, die 1968er. Und er stellt die Frage, wie Erich Fried wohl auf die heutige Gesellschaft blicken würde. Darauf, wie gespalten sie ist und wie sehr die politischen Ränder erstarken.

 

Er hätte mit ihnen gesprochen, meint sein Sohn, und hat damit vermutlich auch recht. Unklar ist, ob er an der Welt verzweifelt wäre, scheint sich Geschichte doch zu wiederholen. „Friendly Fire – Erich Fried“ ist eine faszinierende Dokumentation, die es schafft, ein tieferes Verständnis für den 1988 gestorbenen Dichter zu erschaffen. Ein Film, der geradezu dazu einlädt, Frieds Werke wieder zu lesen. 

 

Peter Osteried

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