Fühlen Sie sich manchmal ausgebrannt und leer?

Mit ihren Filmen „Die Libelle und das Nashorn“ und „Die Erfindung der Liebe“ hat sich Lola  Randl einen Namen als originelle Regisseurin gemacht. – Um so enttäuschender ist daher ihr neuer Film „Fühlen Sie sich manchmal ausgebrannt und leer?“, der das Ur-Deutsche Thema Beziehungskomödie in einer im Ansatz originellen Doppelgänger-Konstruktion verhandelt,  aber bald in allzu grobschlächtigen Klamauk abgleitet.

Webseite: www.farbfilm-verleih.de

Deutschland 2016
Regie & Buch: Lola Randl
Darsteller: Lina Beckmann, Charly Hübner, Benno Fürman, Rainer Egger, Traute Hoess, Inga Busch
Länge: 100 Minuten
Verleih: Farbfilm
Kinostart: 19. Oktober 2017

FILMKRITIK:

Seit ewigen Zeiten sind Luisa (Lina Beckmann) und Richard (Charly Hübner) verheiratet, leben in einem poppigbunten Haus, ohne Kinder und zunehmend nebeneinander her. Sie arbeitet als Paartherapeutin, er in gewisser Weise auch: als Makler verkauft er modernistische Häuser, die möglichst trautes Heim für Paare sein sollen. Sein Boss ist Leopold (Benno Fürmann), ein gelackter Schnösel, der seit langen Luisas Liebhaber ist.

Das zunehmende Gefühlschaos, in dem Luisa lebt, führt eines morgens dazu, dass sie neben ihrer Doppelgängerin Ann (ebenfalls Luisa Beckmann) aufwacht. Diese sieht zwar genauso aus wie Luisa, ist emotional aber so offen, ja, naiv, wie es Luisa schon lange nicht mehr ist. Anfangs noch irritiert greift Luisa die Gelegenheit bald am Schopf und setzt Ann auf Richard an. Während Luisa sich mit Leopold vergnügt, verbringen Richard und Ann so vergnügliche Stunden miteinander, wie schon lange nicht mehr. Doch was Richard begeistert, sorgt bald für zusätzliche Probleme in Luisas Welt.

Geradezu psychoanalytisch ist der Ansatz von Lola Randls Film, als Aufspaltung einer Persönlichkeit in ein jetzt und ein früher könnte man den Drehbuchkniff bezeichnen, der Ausgangspunkt einer burlesken Verwechslungskomödie ist. Die eines der typische Themen des deutschen Kinos variiert: Den Beziehungsfilm. Einmal mehr geht es um das langsame Auseinanderleben zweier Menschen in einer langjährigen Beziehung, um all die kleinen, im einzelnen gar nicht mal so großen Veränderungen der Persönlichkeit, die ein anfangs noch symbiotisches Paar, langsam auseinanderdriften lässt.

Wie Lola Randls dieses Thema variiert verspricht dabei einiges, doch die Umsetzung überzeugt weit weniger: Die Probleme beginnen mit dem Schauspiel von Luisa Beckmann, die beide Figuren, die sich eigentlich unterscheiden sollten, auf nahezu identische Weise spielt. Sowohl Luisa als auch Ann wirken so wie überdrehte Frauen, die zur Tollpatschigkeit neigen und weder äußerlich noch emotional zu unterscheiden sind.

Warum Richard sich da bald zu Ann hingezogen fühlt, wo doch der Unterschied zu Luisa kaum wahrnehmbar ist bleibt wie manch anderes Behauptung. Solche Fragen scheint Randl mit besonderem inszenatorischem Elan überspielen zu wollen, doch dabei übertreibt sie immer wieder: Kein Moment, der nicht zum größtmöglichem Klamauk genutzt, kein Fettnäppchen, in das nicht genüsslich hineingetreten wird. Feingeistig ist diese Burleske nie, statt dessen mit gröbstem Strich inszeniert. So bunt und grell die Musterhäuser sind, die Richard und Leopold verkaufen, so ist auch „Fühlen Sie sich manchmal ausgebrannt und leer?“ Was im Ansatz eine spannende Variation des Beziehungsfilms zu werden versprach wird so schon bald zu einer nicht im positiven Sinn überdrehten Komödie, die im Zweifelsfall stets den Weg zum groben Klamauk wählt.
 
Michael Meyns