Geliebte Jane

Die Geschichte einer jungen Frau, die zur großen Schriftstellerin Jane Austen wurde. Eine große, gefühlvolle Romanze mit Anne Hathaway ("Der Teufel trägt Prada") in der Hauptrolle. Großes Kino der Gefühle zwischen "Sinn und Sinnlichkeit" und "Stolz und Vorurteil". 

Webseite: www.bvimovies.com/uk/becoming_jane

OT: Becoming Jane
Großbritannien/USA 2007
Regie: Julian Jarrold
Darsteller: Anne Hathaway, James McAvoy, Julie Walters, James Cromwell, Maggie Smith, Joe Anderson, Lucy Cohu, Laurence Fox
Länge: 120 min.
Verleih: Concorde
Kinostart: 3.10.2007

PRESSESTIMMEN:

sowohl elegantes Ausstattungskino als auch ein einfühlsames Gesellschaftsporträt.
film-dienst

Weitere Pressestimmen bei film-zeit.de hier…

Filmbewertungsstelle Wiesbaden:

1161. FBW-Sitzung vom 1.8.2007 – Originalversion mit deutschen Untertiteln
"Becoming Jane" 
Prädikat: Besonders wertvoll (bei 5 :0 Stimmen)

 
Viel Stolz und Vorurteil und Sinn und Sinnlichkeit. Einer dieser selten-schönen Film für Herz und Geist. Elegant und geschliffen, ein Juwel. Emotionen pur, die auch bei männlichen Kinogängern feuchte Augen verursachen können: Humor, Verzweiflung, Trauer und Wortwitz über das Scheitern einer unmöglichen Liebe. Bestes britisches Erzählkino in schwelgenden Landschafts- und Kostümbildern als Kontrast zu einer prüden vor-viktorianischen Zeit. Ein wundervoller, semibiographischer Film über die britische Literatur-Ikone Jane Austen, die mit ihren Werken ihrer Zeit uneinholbare Lichtjahre voraus war. „Worüber möchten Sie schreiben?“, wird Jane einmal gefragt. „Über das Herz“, gibt sie zur Antwort. Nach Ansicht diesen Films verspürt gewiss ein guter Teil des Publikums Lust, ein Jane-Austen-Buch zu lesen. Die Person, mit der dieser kluge und warmherzige Film uns bekannt macht, möchte man (noch) näher kennenlernen. Ihren Gefühlen und ihrer Feder mag man sich anvertrauen – sie ist überaus sympathisch. Was gibt es Schöneres über die Hauptperson eines Films zu sagen?

Bei diesem bemerkenswerten Film über die Pfarrerstochter Jane Austen (1775 bis 1817) handelt es sich um eine geschickte Kompilation der Austen-Romane. Wie eine Folie sind sie in die Handlung eingezogen, bleiben den Film über immer präsent. Jane Austens Leben wird so erzählt, als hätte sie selbst einen Roman über sich geschrieben. Das ist klug, witzig, reizvoll und wunderschön. Zwar basiert der Film überwiegend auf verbürgte Fakten, aber ein Teil des Drehbuches selbst ist Fiktion, möglicherweise auch Spekulation. Der Geschichte aber tut dies keinen Abbruch, weil die Wahrhaftigkeit, also, dass es so gewesen könnte, in jeder Einstellung frei von Zweifeln ist. Deutliche Bezüge zu „Shakespeare in Love“ sind unübersehbar, wodurch deutlich wird, welche enorme Bedeutung das literarische Werk und auch die Person Jane Austen für die Briten hat.
 
Im Film sagt Jane Austen auf die Frage, wie worauf es in ihren Romanen ankommt: „Meine Figuren bekommen am Ende immer alle, was sie wollen.“ Für die Autorin selbst aber scheint dies nicht zu gelten. Das ist tragisch und lässt die Zuschauer die eine oder andere Träne vergießen.  Sich selbst treu zu bleiben, die eigene Unabhängigkeit zu wahren und allen gesellschaftlichen Widerständen zum Trotz auf Wahrhaftigkeit zu pochen, ist aber ein Wert an sich, der den eingeschlagenen Weg durchaus rechtfertigt. Jane Austen war eine konsequente Person, das ist imponierend.
 
Beeindruckend und den ganzen Film über immer wieder begeisternd ist auch die inszenatorische Leistung. Anne Hathaway wird nun für immer unser „Bild“ von Jane Austen bestimmen, sie spielt mit bewundernswerter Hingabe und Kraft. Ihr zur Seite hervorragende Schauspieler, bis in die Nebenrollen blendend besetzt. Die Ausstattung ist betörend, dennoch ist dies ein Kostümfilm, der nicht „kostümig“ oder plüschig wirkt, sondern modern. Diese Wirkung verdankt sich zu einem guten Teil der hinreißenden und dennoch unaufdringlichen Filmmusik und der erstaunlichen „Schrift“ der Kamera. Traumhaft schöne Landschaftstotalen und dann wieder Detailbeobachtungen setzen eigene dramaturgische Akzente. Aufwendige Kamerafahrten oder auch eine nahe Handkamera erzählen auf je eigene Art. Der visuelle Ausdrucksreichtum korrespondiert auf das Schönste mit der Sorgsamkeit der werdenden Schriftstellerin, die schon gleich in der ersten Szene um die richtigen Worte ringt und skrupulös abwägt.

„Geliebte Jane“ – schöner ist der englische Originaltitel „Becoming Jane“ – glänzt mit einer Filmschrift, die elegant zu nennen ein bescheiden englisches Kompliment wäre. „Geliebte Jane“ ist ein Kinoerlebnis, das die breite Landwand füllt – und jedes Herz, das zu schlagen noch imstande ist.

Das Urteil der FBW-Jury konnte daher nur einstimmig lauten: Besonders wertvoll

Harald Metz