Germaine Acogny – Die Essenz des Tanzes

Die Tänzerin Germaine Acogny ist eine absolute Ausnahmekünstlerin – eine Ikone des Tanzes, vielfach ausgezeichnet und jetzt schon eine Legende, auch weil sie in der Nähe von Dakar/Senegal eine mittlerweile weltberühmte Tanzakademie gründete. Greta-Marie Beckers biographischer Dokumentarfilm über die „Mutter des afrikanischen zeitgenössischen Tanzes“ zeigt aber nicht nur Germaine Acognys tänzerische Ausdruckskraft, sondern auch ihre kraftvolle Persönlichkeit, und er feiert den Tanz und die Bewegung als Ausdruck der Harmonie von Körper und Geist mit einer in jeder Hinsicht außergewöhnlichen Protagonistin.

 

Über den Film

Originaltitel

Germaine Acogny – The Essence of Dance

Deutscher Titel

Germaine Acogny – Die Essenz des Tanzes

Produktionsland

DEU, FRA

Filmdauer

88 min

Produktionsjahr

2025

Regisseur

Becker, Greta-Marie

Verleih

farbfilm verleih GmbH

Starttermin

28.05.2026

 

Dabei ist das Biopic kein klassischer Dokumentarfilm: Es gibt keine durchgängige Handlung, sondern Greta-Marie Becker hat das Porträt der 1944 in Benin geborenen Tänzerin und Choreografin aus vielen Quellen zusammenmontiert: historische und aktuelle Aufnahmen ihrer Auftritte, Interviews mit der Künstlerin selbst und mit ihren Weggefährtinnen und Weggefährten, Schülerinnen und Schüler, auch seltenes Archivmaterial ist dabei. Man sieht Acogny als junge Frau und Tänzerin, da ist sie energetisch und voller Tatendrang, aber ebenso aktiv ist sie als fordernde Mentorin, die mit einer Mischung aus Entschlossenheit und Wärme ihre Eleven antreibt. In intimen Probenmomenten und öffentlichen Auftritten wird spürbar, wie diese Persönlichkeit eine ganze Generation von Tänzerinnen und Tänzern geprägt hat.

Die Karriere von Germaine Acogny ist eng mit der Geschichte Senegals verknüpft. Ihr Aufstieg begann, als Léopold Ségar Senghor, der erste Präsident nach der Unabhängigkeit des Landes, den Senegal zum Zentrum zeitgenössischer afrikanischer Kunst machen wollte und gemeinsam mit dem weltbekannten Choreographen Maurice Béjart das nationale Tanzzentrum Mudra Afrique gründete. Mit Anfang 30 wurde Germaine Acogny zur Leiterin dieses Instituts. Von hier aus startete sie eine Weltkarriere, die sie zu Engagements rund um den Globus führte. 1997 kehrte sie mit ihrem deutschen Ehemann Helmut Vogt in den Senegal zurück und gründete dort eine neue Tanzschule, die „L’École des Sables“, mittlerweile eines der wichtigsten Tanzinstitute weltweit, in dem sich der tänzerische Nachwuchs aus Afrika, Europa und Amerika trifft.

„Beim Tanzen sollte man nicht deinen Körper sehen, sondern deine Seele“, sagt Acogny an einer Stelle des Films, und dieser Satz wird zum Leitmotiv des Films. Germaine Acogny hat aus vielen Einflüssen, zu denen neben der legendären Martha Graham auch die traditionelle afrikanische Bewegungskultur gehört – eine eigene Technik entwickelt, die mittlerweile zum internationalen Tanzkanon gehört und weltweit gelehrt wird. Der Film macht deutlich, wie wichtig für Germaine Acogny auch mit über 80 Jahren der Austausch mit den nachfolgenden Generationen ist. Die Bilder, die von diesen Kontakten erzählen, gehören zu den bewegendsten des Films. Sophie Maintingneuxs Kamera dokumentiert konzentriert und empathisch, wie in Workshops und Begegnungen authentische emotionale und künstlerische Funken überspringen. In jeder Filmminute wird Acognys Haltung deutlich: Sie will Vorbild sein – nicht nur durch tänzerische Klasse, sondern auch durch den Mut, eigene Räume zu schaffen und Widrigkeiten zu überwinden.

Greta-Marie Becker verlässt sich nicht nur auf das Charisma ihrer Protagonistin, obwohl das allein schon wert wäre, den Film zu sehen und zu genießen, sondern sie setzt auf eine klare Bildsprache und lässt über den Schnitt und die Musik einen narrativen Fluss entstehen. Im Mittelpunkt steht dabei stets der Tanz als Ausdruck innerster Überzeugung; es geht aber auch um die Weitergabe von Wissen und um Kunst als Quelle von Identität und Selbstbewusstsein.

„Germaine Acogny – Die Essenz des Tanzes“ ist nicht nur ein mit großer Empathie und Sensibilität erstelltes Porträt einer Ikone des zeitgenössischen Tanzes. Der Film ist auch ein lebendiges Dokument weiblicher Kraft, künstlerischer Innovation und einer Energie, die – auf der Bühne wie im Leben – alle Menschen vereint und inspiriert.

 

Gaby Sikorski

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