Sechs Teenagerinnen, sechs Länder, vier Kontinente, sechs unterschiedliche Schicksale, die sich in Sigrid Klausmanns Dokumentarfilm „Girls Don’t Cry“ zu einem vielstimmigen Porträt vom Aufwachsen in der modernen Welt formen.
Über den Film
Originaltitel
Girls Don’t Cry
Deutscher Titel
Girls Don’t Cry
Produktionsland
DEU
Filmdauer
91 min
Produktionsjahr
2025
Regisseur
Klausmann, Sigrid / Luzyte, Lina
Verleih
farbfilm verleih GmbH
Starttermin
30.04.2026
Seit gut 20 Jahren dreht Sigrid Klausmann Dokumentarfilme in aller Welt, die sich mit unterschiedlichen gesellschaftlichen Fragen und Problemen auseinandersetzen. Vor zehn Jahren entstand dabei der Film „Nicht ohne uns!“, der in über einem Dutzend Ländern Kindern und ihre oft beschwerlichen Wege zu einer Schule beschrieb und in scheinbar ganz verschiedenen Kontexten eine universelle Botschaft fand.
Einer ähnlichen Struktur bedient sich Klausmann nun auch in ihrem neuen Dokumentarfilm „Girls Don’t Cry“, den die Regisseurin als ihren letzten Film angekündigt hat. Dafür hat sie in sechs Ländern auf vier Kontinenten gedreht, Mädchen, junge Frauen zwischen 14 und 16 Jahren vor die Kamera geholt, sie zu Hause und in ihrer täglichen Umgebung beobachtet, sie über ihr bisheriges Leben, vor allem aber auch ihre Zukunftswünsche erzählen lassen.
Nancy im westafrikanischen Tansania etwa, floh schon im jungen Alter aus ihrem Dorf, wo ihr die an sich illegale Genitalverstümmelung drohte, mit der in der immer noch patriarchalischen Gesellschaft ihrer Heimat, Macht über Frauen ausgeübt wird. In einem Schutzhaus der Initiative „Hope for Girls and Women Tanzania“ lebt sie nun, im Wissen, das ihr Verhalten Schande über ihre Familie gebracht hat, aber für ihren eigenen Lebensweg zwingend notwendig war.
Auch Sheelan aus dem Irak hat eine Fluchtgeschichte erlebt. Sie gehört zu der in ihrer Heimat unterdrückten Minderheit der Jesiden, konnte jedoch mit ihrer Mutter nach Deutschland finden, wo sie eine scheinbar sichere Heimat fand. Gut integriert wirkt sie, spricht hervorragend Deutsch, doch die Diskussionen um den rechten Kampfbegriff Remigration gehen auch an ihr nicht spurlos vorbei.
Aus Deutschland abgeschoben lebt die Roma Nina nun wieder in ihrer serbischen Heimat, wo ein restriktives Klima herrscht, ein junges Mädchen wie sie auf der Straße niemals einen Jungen küssen könnte, ohne Probleme zu bekommen. Zudem kommt auch hier die Diskriminierung, die den Roma fast überall entgegenschlägt.
Auch Selenna aus Chile sieht sich oft mit Diskriminierung konfrontiert, sie ist transsexuell, wurde im Körper eines Jungen geboren, fühlte sich schon früh als Mädchen. Von ihrer Familie wird sie zwar unterstützt, doch so progressiv ist die Gesellschaft als Ganzes noch nicht. Inzwischen setzt sich Selenna für die Rechte von Transgender-Personen ein.
In England lebt Paige, die trotzt ihrer erst 16 Jahren schon Mutter eines kleinen Sohnes ist. Sehr jung verliebte sie sich, wurde schwanger, doch während ihr Freund und auch die meisten Erwachsenen sie zu einer Abtreibung drängten, entschied sich Paige, das Kind zu behalten. Nun bestimmt das Baby ihren Alltag, doch immerhin ihre eigene Mutter unterstützt sie wo sie kann.
Und schließlich Sinai aus Südkorea, die nie eine gewöhnliche Schule besucht hat, sondern zu Hause, von ihren Eltern unterrichtet wurde. Dass ermöglichte ihr, eine hervorragende BMX-Fahrerin zu werden, die bald auch an der Weltmeisterschaft teilnehmen will, sorgte aber auch für eine gewisse soziale Isolation. Aber vielleicht entging Sinai dadurch dem in Südkorea allgegenwärtigen Druck, sich Schönheitsoperationen zu unterziehen, um einem konstruierten Ideal zu entsprechen.
Sechs Teenagerinnen, sechs Schicksale, die auf den ersten Blick wenig Gemeinsamkeiten haben. Wie könnte das Leben in einem Frauenhaus in Afrika auch mit dem in einem hochtechnologisierten Industrieland wie Südkorea vergleichbar sein? Doch nach und nach schälen sich in „Girls Don’t Cry“ subtile Parallelen zwischen den Lebenswegen der Protagonistinnen heraus, deutet Sigrid Klausmann mit ihrem zurückhaltenden Blick auf ihre Protagonistinnen Ähnlichkeiten und Verbindungen an.
So entsteht ein interessanter Blick auf eine Welt, in der junge Frauen immer noch allzu häufig nicht die gleichen Möglichkeiten wie gleichaltrige Männer haben. Doch wie der Titel schon andeutet: Weinen hilft nicht, statt dessen ein Aufzeigen und Bekämpfen von Diskriminierung, egal ob sie in Afrika oder Europa stattfindet.
Michael Meyns







