Gold – Du kannst mehr als du denkst

Drei bemerkenswerte Sportler porträtiert Michael Hammon in seiner sehenswerten Dokumentation „Gold – Du kannst mehr als du denkst“ auf dem Weg zu den Paralympics in London 2012. Ihre Gemeinsamkeit: Ihre Behinderung. Dennoch führen sie ein weitestgehend normales Leben, trainieren auf den großen Tag hin und gehen auf unterschiedliche Weise mit ihren Behinderungen um.

Webseite: www.gold-derfilm.de

Deutschland 2012 – Dokumentation
Regie: Michael Hammon
Buch: Andreas F. Schneider, Ronald Kruschak, Marc Brasse
Länge: 110 Minuten
Verleih: NFP
Kinostart: 28. Februar 2013

PRESSESTIMMEN:

"…mitreißender Film… mehr als nur ein Mutmach-Pamphlet: ein sensibles Dreierporträt ungewöhnlicher Menschen."
Zitty Berlin

Am Freitag 15.2.2013 fand im Rahmen der Filmfestspiele Berlin die Weltpremiere von GOLD – DU KANNST MEHR ALS DU DENKST im Haus der Berlinale Festspiele mit Bundespräsident Joachim Gauck, seiner Lebensgefährtin Daniela Schadt, dem GOLD-Filmteam und Festivaldirekor Dieter Kosslick statt. Dazu gibt es jetzt auf YouTube ein Premierenvideo.

FILMKRITIK:

Wenn bei den großen Olympischen Spielen die letzte Medaille verliehen ist, beginnt für sie erst die Aufregung: Die Athletinnen und Athleten, die an den Paralympics teilnehmen, die inzwischen fester Bestandteil der Olympiade geworden sind. Und die durch große Medienpräsenz fast die einzige Möglichkeit ist, auf die erstaunlichen Leistungen von behinderten Sportlern aufmerksam zu machen. Zwar darf man vermuten, dass längst ein Biopic über Oscar Pistorius in Arbeit ist, jener an den Unterschenkeln amputierte Südafrikaner, der dank seiner Karbonprothesen „Blade Runner“ getauft wurde. Doch all die Athleten, die nicht auf so spektakuläre Weise auf sich aufmerksam machen, fristen meist ein unbeachtetes Dasein.

Man darf davon ausgehen, dass es Regisseur Michael Hammon mit seiner Dokumentation „Gold – Du kannst mehr als du denkst“ auch darum ging, diesen Athleten, die trotz ihrer Behinderung Erstaunliches vollbringen, ein Denkmal zu setzen. Drei ganz unterschiedliche Menschen werden porträtiert, drei Schicksale, drei Sportarten, drei Wege mit einer Behinderung umzugehen und ihr gar etwas Positives abzugewinnen.

Die Deutsche Kirsten Bruhn war schon Schwimmerin, als sie mit 21 bei einem Verkehrsunfall verunglückte und querschnittsgelähmt aufwachte. Lange Jahre haderte sie mit ihrem Schicksal, bis sie Anfang der Nuller Jahre ihre paralympische Karriere begann und 2004 zum ersten Mal Gold bei den Paralympics in Athen gewann. Als schönsten Tag ihres Lebens bezeichnet sie diesen Moment, der direkte Folge des schlimmsten war.

Während Bruhn erst als junge Erwachsene die Kontrolle über ihre Beine verlor, hat der Australier Kurt Fearnley nie ein anderes Leben gekannt. Durch einen Geburtsdefekt entwickelten sich seine Beine nicht, die Ärzte gaben ihm keine Überlebenschancen, doch Fearnley bewies ihnen das Gegenteil. Eine eindrucksvolle Figur gibt er ab, mit Schultern, die doppelt so breit sind wie seine Hüfte. Als Rennrollstuhlfahrer hat er große Erfolge gefeiert und gibt nun seine Erfahrungen an junge Athleten weiter.

Ähnlich wie Henry Wanyoike in Kenya, der als blinder Läufer 2000 zu kurzem Internet-Ruhm kam, als er seinen ihm per Armband verbundenen und erschöpft zusammengebrochenem Guide über die Ziellinie des paralympischen 5000 Meter Laufes zog. Durch einem Schlaganfall erblindet, kam Wanyoike erst spät zum Laufen und nutzt inzwischen seine Popularität für vielfältige Hilfsprojekte in seiner Heimat.

Alle drei beobachtet Hammon beim Training und Privatleben mit Eltern und Lebensgefährten. Etwas schematisch werden dabei einzelne Aspekte abgehakt, etwas mehr Einblicke in die jeweiligen Gemütszustände hätte man sich gewünscht, ein Eingehen auf alltägliche Probleme und Sorgen, mögliche Diskriminierungen und nicht zuletzt die Frage, wohin die zunehmende Professionalisierung des Behindertensports noch führt, wenn er sich zunehmend dem Profisport mit all seinen fragwürdigen Aspekten annähert.
Doch „Gold – Du kannst mehr als du denkst“ will vor allem eine Hymne an die Fähigkeit des Einzelnen sein, Grenzen zu überwinden und Dinge zu erreichen, die kaum vorstellbar sind. Solch einen auf Höchstleistung getrimmten Blick muss man akzeptieren – tut man dies, ist Michael Hammon eine sehenswerte Dokumentation über drei bemerkenswerte Menschen gelungen.

Michael Meyns

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