Im Märchen ist es ganz leicht. Der Reiche erlebt, wie es ist, arm zu sein und wird ein besserer Mensch, während der Arme zwar den Luxus genießt, wenn er plötzlich ein reiches Leben lebt, aber natürlich merkt, dass sein eigenes Leben, so hart es auch sein mag, das ist, was er leben muss. Und das alles ist einem Engel zu verdanken, der von sich selbst sagt, dass er nicht die hellste Kerze auf dem Kuchen ist. Willkommen bei „Good Fortune“, einem Film von und mit Komiker Aziz Ansari.
Über den Film
Originaltitel
Good Fortune
Deutscher Titel
Good Fortune – Ein ganz spezieller Schutzengel
Produktionsland
USA
Filmdauer
98 min
Produktionsjahr
2025
Regisseur
Ansari, Aziz
Verleih
Leonine Distribution GmbH
Starttermin
16.10.2025
Arj ist am Ende. Er hat seinen Job verloren und auch sein Appartement. Nun ist er gezwungen, mies bezahlte Gelegenheitsjobs zu übernehmen und im Auto zu schlafen. Gabriel ist ein Schutzengel, der eigentlich nur dazu da ist, Fahrer zu retten, wenn sie am Steuer simsen und den Verkehr nicht mehr wahrnehmen. Aber er will eine verlorene Seele retten und hat sich Arj dazu ausgesucht. Um ihm zu zeigen, dass sein Leben lebenswert ist, lässt er ihn mit dem von Jeff tauschen. Jeff ist reich, arbeitet wenig, macht viel Urlaub und jede Menge Spaß. Wieso eigentlich sollte Arj da noch Lust haben, in sein altes Leben zurückzukehren?
Die Grundidee – ohne Engelseinmischung – ist im Grunde die, die schon in den frühen Achtzigerjahren „Die Glücksritter“ mit Eddie Murphy und Dan Aykroyd ausgezeichnet hat. Damals tauschten der Reiche und der Arme die Leben, weil zwei reiche alte Männer eine Wette laufen hatten. Hier ist es also ein Engel, der mehr sein will, als er ist, und für Chaos sorgt.
„Good Fortune“ ist ein amüsanter Film. Die meisten Gags zünden, vor allem aber ist es das Ensemble, das ihn bei der Stange hält. Ansari spielt Arj, besser ist aber noch Seth Rogen, dessen Jeff nun am eigenen Leib erfahren muss, wie ein armes Leben wirklich aussieht. Keanu Reeves spielt den Engel Gabriel. Er mutet dabei an, wie eine Mixtur aus Ted aus den „Bill und Ted“-Filmen und Nicolas Cage in „Stadt der Engel“ – letzterer Film wird von Ansari auch gerne zitiert.
Dies ist eine harmlose Komödie, bei der letztlich nichts überrascht. Die Geschichte verläuft, wie sie verlaufen muss, mit einem Happyend, das ein klein wenig verlogen, aber moralisch eben aufrecht ist. Rogen spielt eine Figur, wie er das häufig tut, Ansari ist auch dann noch sympathisch, wenn seine Figur absolut egoistisch ist, und Keanu Reeves ist der eigentliche Star des Films. Denn er spielt einen solch herrlich simplen Engel, wie man ihn in der Filmhistorie vielleicht noch nie gesehen hat. Dass er mit Degradierung und Menschwerdung zurechtkommen muss, ist natürlich konventionell, wie Reeves es aber spielt, wenn Gabriel ganz neue Sinneseindrücke erfährt, ist herrlich.
Der Mime, der nicht nur als John Wick ein Mann des Action-Kinos ist, lässt hier seine sensible Seite zum Vorschein treten. Einen besseren Schauspieler hätte man wohl auch nicht dafür finden können, weil mehr oder minder bewusst die Geschichten um Keanu Reeves‘ gute Taten mitschwingen. Es gibt sogar einen Sad-Keanu-Moment, als Gabriel ganz alleine auf einer Bank sitzt und den Kopf hängen lässt.
„Good Fortune“ ist Wohlfühlkino der unschuldigen Art. Eben ein Märchen, in dem am Ende das Gute triumphiert. Sollte er ein großer Erfolg werden, wäre es nicht das Schlechteste, zu sehen, was der Engel Gabriel als nächstes anstellen wird…
Peter Osteried







