„Good Luck, Have Fun, Don’t Die“ ist Gore Verbinskis erster Film in neun Jahren – zuletzt hatte er „A Cure for Wellness“ inszeniert, der an der Kinokasse unterging, aber in einer Beziehung dieselbe Qualität wie Verbinskis neuestes Werk aufweist: Es ist eine originäre Geschichte geboten. Die wurde hier von Matthew Robinson entwickelt, der schon mit „Love & Monsters“ zeigte, dass er unkonventionell erzählen kann. Beim neuesten Film legen Regie und Drehbuch aber noch mal eine Schippe drauf, nutzen Versatzstücke des Genres, sind kritisch in Hinblick auf soziale Medien und erzählen eine Geschichte, die strukturell an „Weapons“ erinnert (aber längst abgedreht war, als „Weapons“ in die Kinos kam).
Über den Film
Originaltitel
Good Luck, Have Fun, Don’t Die
Deutscher Titel
Good Luck, Have Fun, Don’t Die
Produktionsland
DEU, USA
Filmdauer
134 min
Produktionsjahr
2025
Regisseur
Verbinski, Gore
Verleih
Constantin Film Vertriebs GmbH
Starttermin
12.03.2026
Um 22.10 Uhr abends betritt ein Fremder in wundersamer Aufmachung ein Diner. Er sagt, dass dies bereits sein 117. Durchlauf ist, dass er aus einer apokalyptischen Zukunft kommt und dass eine Gruppe an Mitstreitern aus Besuchern dieses Diners vonnöten ist, um die Menschheit zu retten. Es kommt nur auf die richtige Kombination an, die er bis dato nicht gefunden hat, weswegen jeder Versuch, die Zukunft zu verändern, bisher scheiterte. Mit seiner neuen Gruppe ist er aber guter Dinge, denn schnell zeigt sich: Diesmal läuft vieles anders, aber eines ist doch gleich, nämlich, dass es nicht jeder bis zum Schluss schaffen wird…
Die gegenwärtigen Ereignisse finden in Echtzeit statt, unterbrochen von vier Rückblicken. Die ersten drei sind vier Figuren der Gruppe gewidmet, der letzte dem Mann aus der Zukunft. Die Rückblicke sind faszinierend, weil sie mit Sci-Fi- und Horror-Motiven spielen, aber gänzlich eigene Wege beschreiten. Sie muten an, wie Miniversionen einer „Black Mirror“-Folge, eingebettet in eine Handlung, die „Terminator“ und „Matrix“ zitiert, aber sich nicht als Hommage und schon gar nicht als Rip-off versteht. Denn die Grundidee des Mannes aus der Zukunft, der in der Vergangenheit etwas ändern muss, ist zwar bekannt, ebenso die Angst vor der bewusstwerdenden KI, die alles verändert, aber Robinson verpackt das in eine Erzählung, die sich weit von all dem abhebt. Er bringt einerseits Konzepte ein, die sonst nicht in Einklang mit der Grundidee stehen, andererseits schafft er es, eine grimmige Art von Humor mit hoher Dramatik zu verbinden. In der Umsetzung durch Verbinski wird das dann besonders stylisch. Der Film sieht einfach phantastisch aus.
Mit einer Laufzeit von 134 Minuten ist er nicht kurz, aber er braucht jede dieser Minuten und packt in sie so viele Ideen, die für mehrere Filme reichen würden. Auch das trägt dazu bei, dass man „Good Luck, Have Fun, Don’t Die“ am liebsten gleich nochmal sehen möchte, und das umso mehr, wenn man das Ende erreicht hat und in Frage stellt, was zuvorgekommen ist. Der Film findet auf verschiedenen Ebenen statt, er ist rasante Sci-Fi-Action mit skurrilem Witz ebenso wie beißende Satire auf eine Gesellschaft, für die das Smartphone der neue Gott geworden ist. Aufgeladen wird das Ganze durch eine existenzialistische Frage nach der Realität der Dinge – und danach, was wahr ist und was nicht und ob das am Ende nicht einerlei ist.
Und: Es sind die Details, die hier besonders vielsagend sind. Manches mag Bedeutung haben, anderes ist gänzlich für die Interpretation offen. So kommt im Verlauf des Films immer wieder die Zahl 47 vor. Sie hat für die Handlung nicht wirklich eine Bedeutung, ist numerologisch jedoch aufgeladen.
Details wie diese machen ein wiederholtes Sehen fast notwendig, zumal man nichts von dem, was man hier sieht, trauen kann. Es ist oberflächlich eine Geschichte, darunter brodelt jedoch eine andere, immer getragen vom kraftvollen, auch schrägen Spiel von Sam Rockwell, der den Fremden aus der Zukunft spielt. Im übrigen Ensemble finden sich Zazie Beetz, Michael Peña, Juno Temple und vor allem Haley Lu Richardson als technikallergische Prinzessin mit Todeswunsch. Die Figuren passen zur Geschichte, fußen auf einem realistischen Fundament, haben aber dieses Flair des Absurden und Unwirklichen.
„Good Luck, Have Fun, Don’t Die“ ist originelles Kino, das sich etwas traut und damit Erfolg hat. Ein Film der mannigfaltigen Ideen, die sich einem Crescendo gleich immer weiter hochschrauben, bis hin zu einem Ende, das zugleich befriedigend und mit einem Fragezeichen versehen ist. Am Ende denkt man an die denkwürdigste Frage der Sci-Fi-Serie „Westworld“: „Hast du jemals die Natur deiner Realität hinterfragt?“
Peter Osteried







