Große Jungs – Forever young

Nicht nur in amerikanischen Komödien haben Männer des öfteren Probleme, erwachsen zu werden, auch das französische Kino nimmt sich gerne dieses Themas an. So auch Anthony Marcianoa Debütfilm “Grosse Jungs – Forever Young“ in dem sich ein Musiker in den 20ern und sein Schwiegervater in spe erst noch einmal die Hörner abstoßen müssen, bevor das Leben ernst wird.

Webseite: www.nfp.de

Frankreich 2012
Regie: Anthony Marciano
Buch: Anthony Marciano, Max Boublil
Darsteller: Alain Chabat, Max Boublil, Sandrine Kiberlain, Mélanie Bernier, Elisa Sednaoui, Alban Lenoir
Länge: 95 Minuten
Verleih: NFP
Kinostart: 13. März 2014

PRESSESTIMMEN:

FILMKRITIK:

Vom großen Erfolg ist der ambitionierte Musiker Thomas (Max Boublil) noch weit entfernt, und so schlägt er sich mit Gitarre und Wohlfühlliedern als Hochzeitsmusiker durch. Dabei trifft er auf Lola (Mélanie Bernier), die schon fest im Berufsleben steht. Schnell verliebt man sich, zieht zusammen und trifft Lolas Eltern: Das sind Gilbert (Alain Chabat) und Suzanne (Sandrine Kiberlain), die eher abschreckendes Beispiel für das sind, was aus einer Ehe einmal werden kann. Seit er seine Firma verkauft hat, verbringt Gilbert seine Zeit fast ausschließlich vor dem Fernseher, während Suzanne mit Eifer dran geht, die Welt zu retten, was in ihrem Fall hungernde Kinder in Afrika bedeutet.

So verliebt er auch ist, ein wenig skeptisch wird Thomas da doch, erst recht als ihm Gilbert seine Lebensweisheiten einbläut: Unweigerlich werde Lola bald von einem eigenen Haus sprechen, dann kommen Kinder dazu und der Traum, als Musiker Karriere zu machen, ist ausgeträumt.

Wer da wen beeinflusst ist nicht ganz klar, doch Gilbert fast einen Beschluss: Er zieht aus, nimmt sich ein Appartement und versucht, seine wilden Jahren noch einmal aufleben zu lassen. Oft an seiner Seite ist Thomas, der sich für Lola bemüht hatte, ein solides Leben zu führen, doch zunehmend Zweifel am Sinn einer bürgerlichen Existenz hat. Gemeinsam ziehen sie durch das Pariser Nachtleben, Gilbert lacht sich eine sehr junge Freundin an und verschafft Thomas sogar einen Kontakt zu einem Musikproduzenten. Doch spätestens als Lola ihn vor die Tür setzt, beginnt Thomas sich zu fragen, was er wirklich vom Leben erwartet.

Sehr amerikanisch mutet diese französische Komödie an, was man je nach Sichtweise als Kompliment oder Kritik auffassen kann. Ganz dem Muster des Genres folgend, der zumindest auf dem Papier erwachsenen Männern noch einmal die Gelegenheit gibt, sich jung zu fühlen, bevor sie am Ende doch ein bürgerliches Leben eingehen, entwickelt auch Anthony Marciano seinen Film.

Dabei schwankt er zwischen hochnotpeinlichen Szenen, die bezüglich Fäkalhumor und Fremdschämen keinen Vergleich zu Hollywoodfilmen scheuen müssen, und erstaunlich subtilen Momenten. Wenn sich da etwa Thomas und Gilbert im Pyjama auf einer Mottoparty einer Plattenfirma wieder finden, deren größter Star eine unerträgliche, renitente Zwölfjährige ist, ist das ein höchst treffendes Bild für die Infantilisierung weiter Teile der Populärkultur.

Doch mit solchen Feinheiten hält sich „Grosse Jungs – Forever Young“ nicht lange auf. Eher brachial und klamaukig entwickelt sich die Geschichte, die nach zahlreichen Unwägbarkeiten zum beschaulichen Ende führt. Dort hat tatsächlich der legendäre Punkrocker Iggy Pop einen kurzen Auftritt, der zu den merkwürdigeren Momenten in einer Komödie zählt, die zwar nicht besonders tiefsinnig ist (und manchmal auch ziemlich geschmacklos), aber doch unterhalten kann.

Michael Meyns