H wie Habicht

Als junge Queen Elizabeth II. in der Netflix-Hitserie The Crown landete sie den ganz großen Coup. Nun gibt Claire Foy eine beliebte Cambridge-Dozentin, die durch den Tod des Vaters aus der Bahn geworfen wird. Trost sucht Helen in einem neuen Hobby als Falknerin. Die Ablenkung erwächst zur Obsession. Habicht Mabel bestimmt immer mehr das Leben der Professorin, die Job und Familie zunehmend vernachlässigt. Basierend auf einer wahren Geschichte entwickelt sich ein bewegendes Drama über Trauer und Hoffnung. Claire Foy und Brendan Gleeson präsentieren sich in Bestform. Habicht Mabel schießt freilich mit seinen Kunststückchen den Vogel ab. Wie die mit dem Golden Globe und dem Emmy gekrönte Majestät-Mimin Claire Foy das majestätische Raubtier zu zähmen versteht, ist allemal beeindruckend

 

Über den Film

Originaltitel

H is for Hawk

Deutscher Titel

H wie Habicht

Produktionsland

GBR,USA,SGP

Filmdauer

128 min

Produktionsjahr

2025

Regisseur

Lowthorpe, Philippa

Verleih

DCM Film Distribution GmbH

Starttermin

23.07.2026

 

„Wir hätten auch noch Motiv-Särge im Angebot!“, wirbt die geschäftstüchtige Bestatterin bei den trauernden Hinterbliebenen von Fotograf Alisdair (Brendan Gleeson). Da muss sogar seine Tochter Helen (Claire Foy) kurz lachen. Der überraschende Tod des geliebten Vaters hat die Dozentin an der Universität Cambridge gehörig aus der Bahn geworfen. In Rückblenden wird immer wieder gezeigt, wie innig das Verhältnis der beiden gewesen ist. Jetzt fällt Helen in ein emotionales Loch und zieht sich aus ihrer Umwelt zurück. Trost findet sie schließlich in einem neuen Hobby als Falknerin. „Das ist nicht mein Vogel!“, sagt Helen instinktiv, als ein Züchter ihr einen Habicht anbietet. Sie will unbedingt das zweite Tier im Käfig. Und mit Mabel, so nennt sie das Tier, findet die Dozentin eine neue Aufgabe im Leben. Das Training des Vogels wird zur Chance, die Trauer und den Verlust zu überwinden. Doch gleichzeitig vernachlässigt die Dozentin ihren Job und ihre Familie immer mehr.

Nach dem autobiografischen Bestseller von Helen Macdonald erzählt die Britin Philippa Lowthorpe (Die Misswahl) ihr Drama um Trauer, Schmerz und Hoffnung in ruhigem Tempo und mit stimmungsvollen Landschaftsaufnahmen, die in goldschimmerndes Licht getaucht sind. Der Ire Brendan Gleeson (vor drei Jahren für The Banshees of Inisherinoscarnominiert) erweist sich einmal mehr als charismatischer Charme-Koloss, ein verlässlicher Wärme-Fels in jeder emotionalen Brandung. Mit Claire Foy findet sich die perfekte Filmtochter. Das Verhältnis der beiden besticht durch psychologische Plausibilität und Glaubwürdigkeit und kommt ohne viele Worte aus.

Der schwierigere Part für die vielfach prämierte Schauspielerin lag im Zusammenspiel mit ihrem anderen Partner, dem Habicht. Zum einen, weil sie den eigenwilligen Raubvogel vor laufender Kamera glaubhaft unter Kontrolle bringen musste. Zum anderen, weil Tiere und Kinder bekanntlich jedem Schauspieler gerne die Show stehlen. Die gelungenen Sequenzen haben die Regisseurin wohl so begeistert, dass sie ihnen sehr viel Platz einräumt. Fast ein bisschen zu viel Zeit, bisweilen fühlt man sich wie in einer Naturdokumentation. Weniger wäre da vermutlich weitaus mehr gewesen, zumal bei einer Laufzeit von über zwei Stunden. Dasselbe gilt für den Soundtrack, der stellenweise arg aufdringlich ausfällt.

Trotz mancher Mankos präsentiert sich diese wahre Geschichte einer ungewöhnlichen Frau als bewegendes Drama über den Umgang mit Trauer und Verlust. Der visuelle Einfallsreichtum sowie die schauspielerischen Qualitäten trösten über einige Längen hinweg. Mehr Habicht hat man auf der Leinwand vermutlich noch nie gesehen.

 

Dieter Oßwald

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