Haben Sie das von den Morgans gehört?

Selbst an Hugh Grant nagt der Zahn der Zeit. Trotzdem muss der Womanizer sich noch keine neue Standard-Rolle fernab romantischer Komödien suchen. Denn in „Haben Sie das von den Morgans gehört?“ über ein New Yorker Ehepaar, das kurz vor der Scheidung ein Mordfall zu einem gemeinsamen Leben inmitten der Rocky Mountains zwingt, beweist der 49jährige Brite erneut, dass ihm in diesem Genre derzeit keiner das Wasser reichen kann. Mit dem bewährten Konzept des klassischen „Fish-out-of-Water“-Szenarios sorgt Regisseur Marc Lawrence zudem für groteske Situationskomik und erfrischenden Wortwitz. Vor allem durch seine gelungene Besetzung ist der Film unterhaltsam und qualitativ besser als die meisten neueren amerikanischen Komödien.

Webseite: www.morgans-derfilm.de

USA 2009
Regie: Marc Lawrence
Buch: Marc Lawrence
Kamera: Florian Ballhaus
Darsteller: Hugh Grant, Sarah Jessica Parker Mary Steenburgen, Sam Elliott, Elisabeth Michael Kelly, Kim Shaw, Chad Brummett, Henry Herman
Länge: 103 Minuten
Verleih: Sonypictures
Kinostart: . Januar 2010
 

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

„Ich habe das perfekte Geschenk für ihre Frau gefunden“, beruhigt der junge Assistent den New Yorker Geschäftsmann Paul Morgan (Hugh Grant). „Sie können einen Stern kaufen und nach ihr benennen“. Doch der agile Workoholic braucht, um sein schlechtes Gewissen zu beruhigen, etwas Beeindruckenderes. Ihm schwebt da schon eher ein komplettes Sternbild vor. Damit kann sein Assistent jedoch nicht dienen. Sein bizarrer Vorschlag: Vielleicht ein schwarzes Loch aus dem Universum? „Ich weiß nicht“, zweifelt der erfolgreiche Manager, „ob ein schwarzes Loch beim Stand unserer Beziehung die richtige Botschaft wäre?“

Denn seine Frau Meryl (Sarah Jessica Parker) hat sich gerade von ihm getrennt. Wortreich überredet Paul die clevere Wohnungsmaklerin noch zu einem gemeinsamen Abendessen. Auf dem Heimweg jedoch stolpern die beiden über einen Mord. Dadurch stehen sie plötzlich auf der Abschussliste eines Auftragskillers. Das FBI verfrachtet das verkrachte Paar deshalb per Zeugenschutzprogramm in die Einöde Wyomings. Dort auf einer abgelegenen Ranch im Cowboy-Country müssen sich die beiden Großstadtpflanzen, fern von Blackberry, Internet und Laptop, nicht nur mit dem einfachen Leben auf dem Lande, sondern auch mit sich selbst auseinander setzen. In den Rocky Mountains stehen die aufgeklärten Städter bald vor ganz anderen Herausforderungen als im „Big Apple“, hautnahe Begegnungen mit grimmigen Grizzlybären eingeschlossen.

Als notorischer Weiberheld Charles war Hugh Grant vor Jahren in der oscarprämierten Kult-Komödie „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“ noch von der Partnerschaft ohne Trauschein überzeugt. Mittlerweile würden Komödien über Ehen besser zu ihm passen, erklärt der ‘Bridget Jones’-Beau. Und damit hat der smarte Engländer, der bereits auf die 50 zugeht, durchaus recht. Der eingefleischte Junggeselle spielt in seiner neuen romantischen Komödie den untreuen Ehemann, der seine Frau nach einem Seitensprung zurückerobern will, erstaunlich perfekt. Lange genug überzeugte der versierte Kunstsammler schließlich in Rollen als Single mit Bindungsangst.

Mit der Stil-Ikone des 21. Jahrhunderts Sarah Jessica Parker aus der US-Erfolgsserie „Sex and the City“ an seiner Seite scheint die Chemie zu stimmen. Es bleibt trotz allem erstaunlich, wie nahezu genial das Zusammenspiel zwischen Parker und Grant manchmal funktioniert. Das macht beide Rollen und ihre Darsteller sympathisch. Die attraktiven Stars tragen die Handlung mühelos. Erneut punktet der passionierte Golfspieler vor der Kamera mit jenem immer noch jungenhaften, charmanten Lächeln, dem man alles verzeiht. Seine große Stärke liegt nach wie vor darin, treuherzig Figuren zu verkörpern, die trotz Pechsträhnen und Unglück optimistisch bleiben.

In den Nebenrollen glänzt vor allem Mary Steenburgen als patente erdverbundene Westerndiva Emma Wheeler. Ihre Ehefrauen, fragil aber willensstark, zählen zu den bleibenden Rollen der 80er- und 90er-Jahre. Mit schmalem Gesicht unter den meist etwas unordentlichen braunen Locken siegessicher ein selbstbewusstes Lächeln, schuf sie amerikanische Pionierfrauen in der Nachfolge der John-Ford-Ladies. Stets agiert die 56jährige aus Arkansas dabei lässig auf Augenhöhe ihrer Partner. So auch diesmal mit Sam Elliott als Sheriff Clay Wheeler. Der 65jährige aus der Goldgräberstadt Sacramento verkommt trotz seiner markanten Erscheinung nicht zu einer Rednack-Westernparodie, sondern strahlt bodenständig Autorität und Respekt aus.

In seinen besten Momenten erinnert Marc Lawrences an Screwball Comedys – jenem populären Genre der amerikanischen Filmkomödie der 40er Jahre, das geprägt vom furiosen Kampf der Geschlechter, pointierten Dialogen und exzentrischen Charakteren, glänzend zu unterhalten wusste. Furore machte damals die komödiantische, emanzipatorische US-Version der französischen amour fou, die vielzitierte „comedy of remarriage“: Ein Ehepaar will sich scheiden lassen, bevor im letzten Moment klar wird, dass sie zusammen mehr Spaß haben als getrennt. Freilich verfügt in der Filmgeschichte wohl kaum mehr ein Film-Ehepaar je wieder über eine so hoch entwickelte Streitkultur wie das Duo Spencer Tracy und Katherine Hepburn. Dennoch ist „Haben Sie das von den Morgans gehört?“, vor allem auch durch seine gelungene Besetzung, unterhaltsam und qualitativ besser als die meisten neueren amerikanischen Komödien.

Luitgard Koch

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