Hanni und Nanni 3

Ein Feelgood-Movie für Mädchen an der Schwelle zur Pubertät: Im dritten Kino-Teil von Enid Blytons berühmtem Abenteuer-Zwillingspaar geht es um ein bisschen Abenteuer-Spuk im Internat, »Romeo & Julia«-Romantik und softe Flirtversuche mit englischen Austauschschülern. Konstantin Wecker, Katharina Thalbach, Barbara Schöneberger, Justus von Dohnányi und Hannelore Elsner setzen ein paar Lichtblicke für die älteren Zuschauer.

Webseite: www.hanniundnanni-film.de

Deutschland 2013
Regie: Dagmar Seume
Buch: Christoph Silber
Darsteller: Jana Münster, Sophia Münster, Katharina Thalbach, Konstantin Wecker, Hannelore Elsner, Barbara Schöneberger, Justus von Dohnányi
Länge: 90 Minuten
Verleih: Universal
Start: 9.5.2013

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Das Schöne an Kinder- und Jugendfilmen ist ja, dass die Fantasie hier oft über die Logik obsiegt. Handlungsstränge müssen nicht konsequent zu Ende erzählt werden, schon gar nicht in so einer unbeschwerten Mädchen-Komödie, der es weniger um Plot geht, sondern um das Einfangen eines Lebensgefühls kurz vor den emotionalen Wirren der Pubertät. Die Protagonisten dürfen in „Hanni & Nanni 3“ an der ersten Liebe höchstens schnuppern – echte Konflikte, geschweige denn gebrochene Herzen oder Liebeskummer braucht kein Kinozuschauer zu fürchten.

In üppig ausgeleuchteten und warm-weichgezeichneten Bildern wird diesmal auf gleich mehreren Ebenen mit den Stilmitteln der Verwechslungskomödie gearbeitet: Irrtümlicherweise verfährt sich ein Bus mit englischen Austauschschülern in die deutsche Provinz und landet ausgerechnet im Mädchen-Internat auf Schloss Lindenhof. Die Schülerinnen sind natürlich ganz aus dem Häuschen, als die kecken Burschen mit Krawatte und blauen Jacketts aussteigen. Was für ein Zufall, dass gerade für die Theateraufführung von „Romeo & Julia“ geprobt wird – da können die englischen Boys doch gleich mitspielen. Hanni (Jana Münster) und Nanni (Sophia Münster) starten fortan ihre ersten Flirtversuche.

Soweit die Handlung: Eigentlich geht es aber um den Geschwister-Konflikt, wenn sich erstmals im Leben ein Junge und das eigene pochende Herz das vertraute Verhältnis zum Wackeln bringen. Dass der englische Flirt im Film irgendwann ungefragt von der Bildfläche verschwindet, ist etwas unglücklich erzählt, weist aber wohl auf die wertkonservative Moral des Films hin: Die erste Liebe kann gefälligst noch warten, die Kindermädchentraume möchten noch etwas im rosafarbenen Schlafzimmer ausgeträumt werden. Ohnehin ist der Film von Regisseurin Dagmar Seume toll ausgestattet, denn überall leuchtet und glitzert es, nur wenn Konstantin Wecker als Schlossgespenst auftaucht, wird es etwas unheimlich. Ansonsten ist der »Hanni und Nanni«-Film ein bisschen wie »Der große Gatsby« für 12-Jährige: Die letzte große Party und der verträumte Abgesang auf die Traumwelten der Unschuld, bevor die Ungewissheit einer umnebelten Zukunft einen ereilt.

David Siems