Haywire

Seit Monaten kursieren Gerüchte, Regisseur Steven Soderbergh wolle sich aus dem Filmgeschäft zurückziehen, um nur noch zu malen. Oder plant er lediglich ein Jahr Auszeit? Immerhin dreht Soderbergh zwei Filme pro Jahr, sein Katastrophen-Szenario "Contagion" lief erst vor wenigen Monaten in den Kinos. Mit seinem neuen Film widmet sich der Intellektuelle wieder dem Genre-Kino: "Haywire" ist ein lupenreiner Action-Thriller. Und wie immer bei Soderbergh eine Übung in Stil und Reduktion.

Webseite: www.haywire-derfilm.de

USA 2011
Regie: Steven Soderbergh
Buch: Lem Dobbs
Darsteller: Gina Carano, Michael Fassbender, Ewan McGregor, Michael Douglas
Länge: 93 Minuten
Verleih: Concorde
Kinostart: 8. März 2012

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Mallory (Gina Carano) ist Nahkampf-Expertin und arbeitet für die Sicherheitsfirma von Kenneth (Ewan McGregor). Zu deren Auftraggebern zählt regelmäßig die US-Regierung – so wie in Barcelona, wo Mallory und ihr Team einen entführten chinesischen Journalisten befreien. Danach überredet ihr Chef sie zu einem weiteren Job, für den sie sich als Ehefrau des britischen Kollegen Paul (Michael Fassbender) ausgeben soll. Bald merkt Mallory: Ziel dieses Auftrages ist eine Liquidierung – und zwar ihre eigene. Gehetzt von Polizei und Profi-Killern versucht sie, die Hintermänner zur Rechenschaft zu ziehen. Wie es scheint, steckt Kenneth mit ihnen unter einer Decke.

Ohne Frage begeistert "Haywire" mit einzelnen Sequenzen. Vor allem Action-Fans dürften mit der Zunge schnalzen, wenn Mallory aus aussichtsloser Lage aus einem von der Polizei umstellten Hotel flieht – über Dächer kletternd, durch Treppenfluchten hetzend, unterwegs einige bis an die Zähne bewaffnete Spezialkräfte verprügelnd. Vor allem der Nahkampf zwischen Gina Carano und Michael Fassbender bleibt durch seine brachiale Gewalt und Kraft im Gedächtnis. In dieser Sequenz gelingt es dem Film, herkömmliche Action-Ware zu transzendieren und einem Kampf um das nackte Überleben wieder eine existenzielle Dimension zu geben.

Der Rest des Films aber wirkt sehr unausgeglichen. Die unnötig komplizierte Erzählstruktur nimmt der Erzählung Fahrt, die Rahmenhandlung – während einer wilden Flucht im Auto erzählt Mallory einem völlig Fremden ihre Geschichte – wirkt unglaubwürdig. Die prallen Action-Szenen gehen mit diesem Rest des Films keine rechte Verbindung ein, sie bleiben ein Fremdkörper. Dass "Haywire" so unorganisch wirkt, liegt sicher zum Teil an Gina Carano, eine Mixed-Martial-Arts-Kämpferin, die hier ihre erste Hauptrolle spielt. Sie vermag ihrer Figur zwar eine überraschende Wärme und Tiefe zu geben. Hier zahlt sich Soderberghs Erfahrung in der Arbeit mit Laiendarstellerinnen aus – er arbeitete bei seinem Film "The Girfriend Experience" mit der Porno-Darstellerin Sasha Grey. In längeren Dialogszenen stößt Carano dann aber deutlich an ihre Grenzen, denn der Preis für ihr konzentriertes Spiel ist eine gewisse Ungelenkigkeit, die im starken Gegensatz zu ihren körperlichen Fähigkeiten steht. Auch verliert sich Soderberghs Regie in leeren stilistischen Spielereien, vermag es aber nicht, einer schon so oft erzählten Geschichte neue Aspekte abzuringen. Dass hier eine Frau die Heldin ist, erscheint als Innovation dann doch zu dünn – und ein feministischer Rache-Thriller ist "Haywire" nun wirklich nicht.

Oliver Kaever

Mallory Kane (Gina Carano) ist Geheimagentin. In ihrem Beruf ist sie mehr oder minder fürs Grobe da. Die Firma, in der sie arbeitet, hat zwar einen privaten Status, führt aber Aufträge für die Regierung aus. Wie vor kurzem in Barcelona, als die chinesische Geisel Jiang befreit werden musste.

Als sie in einem Café sitzt, will Aaron (Channing Tatum), ebenfalls Agent, sie zwingen, mit ihm zu kommen. Sie wehrt sich, ein Kampf entbrennt. Scott (Michael Angarano) kommt ihr zu Hilfe.

Der Chef ihrer Firma, Kenneth (Ewan McGregor), war ihr früherer Liebhaber. Der hat Kontakt zu dem Regierungsagenten Coblenz (Michael Douglas) und zu dem geheimnisvollen Rodrigo (Antonio Banderas). Kenneth tritt jetzt an Mallory heran und beordert sie nach Dublin. Dort muss sie zum Schein die Ehefrau von Paul (Michael Fassbender) spielen, der sich mit Studer (Mathieu Kassovitz) trifft.

Bald, ein Gespräch zwischen Studer und Paul beobachtend, spürt sie, dass etwas nicht stimmt, vor allem als sie die chinesische Geisel von Barcelona tot findet und kurz darauf von Paul so schwer angegriffen wird, dass sie diesen nur töten kann.

Sie muss nun fliehen, kommt in die Vereinigten Staaten und trifft dort – Scott. Coblenz tut bei Mallory so, als würde er Kenneth verdächtigen, gleichzeitig trägt er diesem aber auf, Mallorys Vater (Bill Paxton) über die Verbrechen seiner Tochter zu informieren. Unterdessen werden Scott und Mallory von der Polizei verfolgt, haben einen Unfall und werden verhaftet. Kenneth kommt mit Killern daher, wieder gibt es einen Kampf. Mallory tötet die Killer und kann wieder entkommen.

Aaron will Kenneth herausfordern, alles aufzudecken, doch Kenneth tötet Aaron. Nun kommt Coblenz mit der Story, er habe in die Wege leiten wollen, dass Mallory Kenneth töten kann.

So geht es weiter. Geheimagentenkuddelmuddel noch und noch, sehr undurchsichtig und in dieser Qualität von Soderbergh eigentlich nicht gewohnt. Da kennt man Interessanteres.

Aber es gibt natürlich auch tolle Sequenzen: die Action des Films nämlich. Die Kämpfe, die Verfolgungsjagden, die Stunts, Gina Caranos geradezu perfekte sportliche Leistung. Welche Beweglichkeit, welche Körperbeherrschung, welche Kraft diese (noch dazu gut aussehende) Frau an den Tag legt, das dürfte ziemlich selten sein. Dazu kommt ja noch das Aufgebot einer ganzen Reihe bekannter und professionell beachtlicher Hollywood-Stars.

Liebhaber dieses Genres kommen in dieser Beziehung voll auf ihre Kosten.

Thomas Engel