Der Sommer der ersten Verliebtheit: Die koreanische Version eines taiwanischen Publikumshits von 2009 erzählt abermals von der Liebe zweier junger Menschen, die sich ganz ohne Worte entfaltet. Denn die Kommunikation erfolgt in Gebärdensprache. „Hear Me: Our Summer“ beweist eindrucksvoll, dass auch ein „stiller Film“ im Kino sehr gut funktionieren und seine Wirkung entfalten kann. Der Mix aus Drama, Komödie und Romanze setzt auf wohl dosierte Sentimentalitäten und verhandelt seine Themen mit entschlossener Sensibilität und Vielschichtigkeit.
Über den Film
Originaltitel
Cheongseol
Deutscher Titel
Hear Me: Our Summer
Produktionsland
KOR
Filmdauer
109 min
Produktionsjahr
2024
Regisseur
Sun-ho Cho
Verleih
Busch Media Group GmbH & Co.KG
Starttermin
09.04.2026
Der verträumte Yong-joon (Hong Kyung) arbeitet im Lunchbox-Laden seiner Eltern und weiß noch nicht so recht, was er nach dem Studium machen soll. Eines Tages trifft er zufällig auf die lebensfrohe Yeo-reum (Roh Yoonseo). Diese widmet sich aufopferungsvoll ihrer gehörlosen Schwester Ga-eul, die Schwimmerin ist und für die Olympischen Spiele trainiert. Schnell entwickelt sich zwischen Yong-joon, der Gebärdensprache beherrscht, und Yeo-reum eine besondere Beziehung. Doch als ein tragischer Zwischenfall Ga-euls sportliche Ziele gefährdet, zieht sich die von Schuldgefühlen geplagte Yeo-reum zurück.
In „Hear Me: Our Summer“ findet die Kommunikation zwischen den Protagonisten fast ausschließlich in Gebärdensprache statt. Allein dieser Umstand hebt den zweiten Spielfilm des südkoreanischen Regisseurs Sun-ho Cho von der Masse inhaltlich ähnlicher Coming-of-Age-Romanzen ab. Die Tatsache, dass der Film selbst ohne Worte nie langweilig oder schwerfällig wirkt, ist der Leistung der beiden Hauptdarsteller zu verdanken.
Die Chemie zwischen Hong Kyung und Roh Yoonseo stimmt vom ersten Moment an, in dem sie sich zufällig in einem Schwimmbad begegnen. Da in den meisten Szenen die Stimme als Vermittler von Emotionen und Stimmungen entfällt, kommen Mimik und Körpersprache besondere Bedeutung zu. Es sind vor allem Blicke, Gesten, (dynamische) Handbewegungen und die Körperhaltung, über die sich die Kommunikation der beiden jungen Menschen entfaltet. Es zeigt sich sehr schnell: Es bedarf keiner Worte, um eine intensive Liebesgeschichte auf der Leinwand zu erzählen.
Für diese Lovestory lässt sich Cho in seinem Remake des taiwanesischen Films „Hear Me“ von 2009 bewusst lange Zeit. Gerade während der Zeit des Kennenlernens passiert nicht wirklich viel, Cho braucht keine dramatischen Zuspitzungen oder überraschende Wendungen. Dieser absichtliche Verzicht auf unnötigen Storyballast rückt die tiefgehende Beziehung zwischen Yong-joon und Yeo-reum in den Mittelpunkt der einfühlsamen Erzählung. Hong und Roh schaffen es, die Unsicherheiten ihrer Figuren und das berauschende Gefühl der ersten Liebe authentisch abzubilden.
„Hear Me: Our Summer“ versteht sich als sommerlicher Wohlfühl-Film, das zeigt sich an den hellen, weichen Farbtönen und der beschwingten Inszenierung, die dem Werk eine gewisse Unbeschwertheit verleiht. Hinzu kommt natürliches Sonnenlicht, das Cho nutzt, um seine mehrheitlich im Freien spielenden Szenen ins „rechte Licht“ zu rücken. Die sommerlichen Temperaturen sind in vielen Momenten für den Zuschauer fast körperlich spürbar. Dennoch ist „Hear Me: Our Summer“ nicht frei von ersten Themen und einer gewissen Nachdenklichkeit. Im Kern geht es um vielseitige, spannende Fragen und Inhalte. Cho verhandelt die Suche nach sich selbst, das Leben als behinderter Mensch in einer Leistungsgesellschaft und die Liebe in allen Facetten und Formen.
Der unerwartete Twist am Ende ist gewagt und wird einigen Zuschauern womöglich nicht gefallen. Der Regisseur entzieht damit der zuvor sorgsam aufgebauten Beziehung zwischen den Liebenden quasi die Grundlage (mach eine/r könnte anführen: die Berechtigung). Andererseits veranschaulicht er mit der Wendung die Herausforderungen und Hürden menschlichen Miteinanders und sozialer Interkation. Und es wird abermals klar, wie anfällig unsere Kommunikation für Missverständnisse ist – unabhängig davon, ob die Handelnden miteinander sprechen oder in Gebärdensprache kommunizieren.
Björn Schneider







