Schon der Ansatz ist kühn. Eine Dokumentation über Afghanistan nach dem Abzug von USA und NATO, einem Land, das wieder ganz und gar unter Kontrolle der Taliban steht und alle Errungenschaften der letzten zwei Jahrzehnte Stück für Stück zurückgeben muss. Es ist ein intimer Blick auf ein Land, über das man nicht viel weiß, und das von einem Künstler mit ägyptischen Wurzeln, der aber aus Berlin kommt und es schaffte, die Taliban-Führung zu überzeugen, den Kommandeur Mawlawi Manour ein Jahr lang mit einer Kamera begleiten zu dürfen. Ibrahim Nash’at gibt mit „Hollywoodgate“ sein Filmdebüt.
Über den Film
Originaltitel
Hollywoodgate
Deutscher Titel
Hollywoodgate
Produktionsland
DEU,USA
Filmdauer
91 min
Produktionsjahr
2024
Produzent
Boris, Shane / Derki, Talal / Rae, Odessa
Regisseur
Nash’at, Ibrahim
Verleih
Cine Global, Daniel Ludwig
Starttermin
14.08.2025
Nash’at war mit einer Kamera und einem Übersetzer ein Jahr lang dabei, auch wenn es aus der Taliban-Führung Vorbehalte gab, ihn so nah heranzulassen, und das bei dem, was als Hollywoodgate bekannt wurde. Das ist der in Kabul gelegene Luftwaffenstützpunkt, den die Amerikaner überhastet verlassen haben. Was man an diesem Ort, der auch als Stützpunkt der CIA gilt, fand, war reichlich zerstörtes Equipment. Nicht nur unbrauchbar gemachte Computer, sondern auch militärische Ausrüstung: zerstörte Black-Hawk-Helikopter und B-35-Bomber sowie jede Menge Waffen. Im Film heißt es, laut dem Pentagon hätten die USA mehr als sieben Millionen Dollar an militärischem Equipment in Afghanistan zurückgelassen.
Für Nash’at war es nicht leicht, seinen Film zu machen. Er hielt sich an die Regeln der Taliban. Wenn sie ihm sagten, er solle die Kamera ausschalten, tat er das auch. Dennoch waren die Taliban misstrauisch. Was Nash’at auch eingefangen hat: Wie der Kommandeur seinen Leuten versichert, dass alles gut wird. Er betont, wenn die Absichten des Fremden schlecht sind, würde er schon bald sterben.
Der Dokumentarfilmer zeigt auch, wie die Ein-Jahres-Feier des Sturzes von Kabul zelebriert wird. Was er nur streifen kann: Wie die Bevölkerung von Afghanistan lebt. Es sind verstohlene Momente, kurze Aufnahmen von der Straße, die Leute beim Betteln oder Frauen totalvermummt zeigen. Er hätte gerne mehr Zugang zur normalen Bevölkerung gehabt, aber das war ihm nicht erlaubt. Dennoch gelingt es ihm, das Bild eines Landes zu zeigen, das wieder auf dem Weg in die Barbarei ist, und das immer nur aus einer Position des Beobachters heraus.
Nash’at lässt so tief wie kaum jemals zuvor den Zuschauer in ein Land blicken, von dem man nicht mehr viel hört. Seinen Film hat er den Taliban wohl nicht gezeigt. Es ist unwahrscheinlich, dass er den Machthabern gefallen würde.
Peter Osteried