Horst Schlämmer sucht das Glück

Nach dem Rücken ist vor dem Rücken. Kaum hat er mit „Extrawurst“ und über 1 Million Besucher seine Beliebtheit unter Beweis gestellt, kommt Hape Kerkeling mit seiner Kultfigur Horst Schlämmer auf die Leinwand. Wie es sich für einen Journalisten alter Schule gehört, will der stellvertretende Chefredakteur des „Grevenbroicher Tagblatts“ den Glücksindex der Republik investigativ erkunden. Filmisch begleitet wird die Mission von der jungen Social-Media-Redakteurin Anna. „Das wird großes Kino. Ganz großes Kino!“ verspricht der nuschelnde Held im Trenchcoat. Ganz listig-lustiges Kino wird es allemal, wenn Horst Schlämmer zur Interview-Audienz auf einen leibhaftigen Kardinal, einen kokettierenden Ministerpräsidenten und sogar den echten (!) Hape Kerkeling trifft. Eine situationskomische Pointen-Parade mit witzigen Horst-Weisheiten à la: „Fischer haben’s nicht leicht. Außer sie heißen Helene.“ Weißte Bescheid!

 

Über den Film

Originaltitel

Horst Schlämmer sucht das Glück

Deutscher Titel

Horst Schlämmer sucht das Glück

Produktionsland

DEU

Filmdauer

93 min

Produktionsjahr

2026

Regisseur

Unterwaldt Jr., Sven

Verleih

Leonine Distribution GmbH

Starttermin

26.03.2026

 

„Das waren noch Zeiten, als ich nur Rücken hatte. Jetzt hat ganz Deutschland Rücken. Und zwar im Gesicht!“, so lautet die bittere Bilanz von Horst Schlämmer. Durch Corona rauschte die chronisch schlechte Stimmung tiefer in den Keller als je zuvor. „Die Masken sind jetzt endlich weg. Aber das Lächeln dahinter ist auch weg!“, beklagt der Grevenbroicher Schnauzbartträger. Mit gewohnter Trotzigkeit stellt er sich der Herausforderung. Durch Deutschland muss ein Ruck gehen. Horst sagt den Miesepetern den Kampf an: Herr Schlämmer sucht das Glück. Dafür reist er quer durch die Republik. Filmisch begleitet wird der Lokaljournalist von einer jungen Kollegin mit der Handy-Kamera. Die Antworten sucht Horst bei Bonzen auf Sylt. Bei Drogenhändlern in Berlin. Bei Krabbenfischern in der Nordsee. Auf Lach-Yoga-Seminaren sowie bei einem Kardinal im Rheinland. Selbst Markus Söder wird zum Zeitzeugen-Schätzelein. „Bei uns kann jeder sein Glück machen. Deswegen ist in Bayern das Glück zu Hause!“, gibt der Ministerpräsident den phrasendreschenden Prahlhans. „Wir sind beides Machtmenschen! Macht Macht glücklich?“ kommt als gekonnter Konter, gefolgt von einem kleinen Idiotentest für den Döner-liebenden TikTok-Creator. Anders als beim schlagfertigen Medienprofi in der Münchner Staatskanzlei fällt das Interview mit dem Kölner Kardinal Wölki eher angestrengt als amüsant aus: Hochwürden wirken etwas überfordert. Dass der offen schwule Künstler Kerkeling den eher homophoben Kirchenmann in seiner Komödie auftreten lässt, ist freilich schon ein kleiner Coup für sich, bei dem eigentlich nur noch das legendäre „Hurz“ als Amen fehlt.

 

Zwischen der knallharten Recherche träumt sich der Reporter regelmäßig in Serien und Seifenopern mit seiner geliebten Gabi Wandel (Tahnee Schaffarczyk), dem Heimatfilmstar aus den 60er Jahren. „Ohne die hätte man die ganze Pandemie lassen können!“ schwärmt Schlämmer über die Trostspenderin. Ob mit „Familie zu verschenken“, „Buschärztin Baum“ oder „Kreuzfahrt unter Palmen“, Gabi Wandel erweist sich stets als zuverlässige Heldin des TV-Eskapismus. Dass Kerkeling sich in diesen Schmonzetten-Schnipseln selbst kleine Kitsch-Rollen schreibt, gehört zum Satire-in-der-Satire-Konzept, ebenso wie sein Auftritt als realer (!) Komiker Kerkeling, der eine Autogrammstunde für sein Buch „Glücklichkeit kennt keine Grenzen“ abhält. Das dabei stattfindende Interview von Horst Schlämmer mit Hape Kerkeling gerät zu einem Fiasko der überaus amüsanten Art.

 

Die situationskomische Pointen-Parade setzt auf witzige Schlämmer-Weisheiten mit Heinz Erhardt-Touch: „Fischer haben’s nicht leicht. Außer sie heißen Helene.“ Oder: „Ich bin ein Mensch wie du und ich. Vor allem wie ich.“ Oder: „Anna, ich frag dich mal direkt: Bist du primär?“. Auf das legendäre „Schätzelein“ muss man freilich 50 Minuten warten. Als Belohnung gibt’s Herr Schlämmer sucht den Sex zu dritt.

 

Nicht alle Episoden spielen in der Loriot-Liga. Die Bahnschaffnerin Mandy als nebenberufliche SM-Domina etwa oder Lach-Yoga-Seminare wirken eher albern als lässig lustig. Macht aber nichts, denn die Gag-Kanonen sind gut geladen. Und, vor allem: Der nuschelnde Tollpatsch im Trenchcoat erweist sich in jeder Szene in Top-Form. Ein leinwandpräsenter Maestro der umwerfenden Komik! Der erste Kinostreich „Horst Schlämmer – Isch kandidiere!“ lockte anno 2009 über 1,3 Millionen Zuschauer. Ein ähnlicher Coup könnte dem Nachfolger gelingen. Immerhin gilt Kerkeling seit Jahrzehnten als einer der populärsten Komiker hierzulande, ein Nationalschätzelein sozusagen. Weißte Bescheid! 

 

Dieter Oßwald

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