I Am Mother

Es ist ein Science-Fiction-Kammerspiel, das Regisseur Grant Sputore mit „I am Mother“ abgeliefert hat. Lange Zeit stehen nur ein Roboter, Mutter, und die allein aufgezogene Tochter im Mittelpunkt. Außerhalb der isolierten Station bedroht ein Virus alles Leben, nur in diesem Habitat hat die Menschheit eine neue Chance. Doch dann taucht eine Fremde auf, die das diffizile Gleichgewicht erschüttert. Herausgekommen ist ein mit moralischen Fragen arbeitender, sein Mysterium sorgfältig aufbauender Film, dessen Auflösung nicht ganz unerwartet kommt, der es aber dennoch versteht, den Zuschauer zu interessieren.

Webseite: www.concorde-movie-lounge.de

I am Mother
USA 2079
Regie: Grant Sputore
Darsteller: Rose Byrne, Hilary Swank, Clara Rugaard
Länge: 113 Minuten
Verleih: Concorde
Kinostart: 22. August 2019

FILMKRITIK:

Die Menschheit wurde ausgelöscht, es gibt aber noch ein hermetisch abgeriegeltes Habitat, in dem zigtausende Embryos darauf warten, die Erde neu zu bevölkern. Vorerst wird nur ein Mädchen von dem Roboter Mutter großgezogen. Weil es dauert, bis man in die Rolle einer Mutter hineinwachsen kann. Doch dann wird das Gleichgewicht dieser Existenz gestört, als von außen eine Überlebende (Hilary Swank) kommt, die in der Tochter (Clara Rugaard) Zweifel über die wahren Absichten ihrer Mutter heraufbeschwört. Könnten Mutters Ziele weit sinisterer sein als gedacht?
 
„I am Mother“ ist intelligente Science Fiction, die sich mit bekannten und vertrauten Genre-Topoi auseinandersetzt, aber weit jenseits von Action-Streifen á la „Terminator“ steht und mehr in der Tradition literarisch angehauchter Genre-Stoffe wie „Moon“ steht. Weil der Film clever gestaltet ist und dem Zuschauer alles an die Hand gibt, was er zur Dechiffrierung der Geschichte benötigt – bis hin zu den Twists. Diese kommen nicht aus dem luftleeren Raum, sondern wurden wohlüberlegt entwickelt, so dass sich eine von Anfang bis Ende runde Geschichte ergibt, die den Zuschauer niemals anlügt, sondern dessen Intelligenz fordert.
 
Technisch ist der Film makellos. Die begrenzte Welt dieser technologisch fortschrittlichen Einrichtung ist beeindruckend weiträumig und überzeugend gestaltet. Auch Mutter erscheint wie ein echtes Wesen, per Motion-Capture von Luke Hawker zum Leben erweckt und im Original von Rose Byrne gesprochen. Es gelingt hier, zugleich eine fürsorgliche, als auch eine bedrohliche Erscheinung zu kreieren, je nachdem, wie sich die Perspektive der Hauptfigur verändert.
 
„I am Mother“ ist Gedanken anregende Science-Fiction, die zwar keine Adaption einer Geschichte von Isaac Asimov ist, aber mit dessen Idee des Zeroth Law spielt. Asimov hat drei Gesetze der Robotik ersonnen, die darauf hinauslaufen, dass ein Roboter einen Menschen nicht verletzen oder durch Untätigkeit zulassen darf, dass er verletzt wird. Später gab es noch dieses weitere Gesetz, das mit der Nummer Null über allen anderen stand und die Regeln weiter aufzog – oder aushebelte. Denn es bezieht sich nicht mehr auf den Menschen als einzelnes konkretes Individuum, sondern auf die Spezies als Ganzes.
 
Das ist auch Teil der DNS von „I am Mother“, der damit faszinierende Gedankenspiele eröffnet, die noch lange nach Einsetzen des Nachspanns nachwirken.
 
Peter Osteried