Im Schatten des Mondes

David Singtons Dokumentarfilm ist die Geschichte eines amerikanischen Mythos von globaler Bedeutung. Neben der ersten Mondlandung stehen auch alle weiteren Expeditionen im Focus der Erzählung, die vor der Kamera alle neun NASA-Astronauten versammelt, welche je die Reise auf den kleinen Erdsatelliten angetreten haben. Produziert von Oscar-Preisträger Ron Howard, entsteht dabei ein geistreicher und emotionaler Film, der mehr durch visuelle Kraft als durch neue Erkenntnisse begeistert.

Webseite: polyband.de

OT: In The Shadow Of The Moon
USA/Großbritannien 2007
Regie: David Sington
Länge: 109 Minuten
Verleih: Polyband
Kinostart: 29.1.2009

PRESSESTIMMEN:

…auf film-zeit.de

FILMKRITIK:

„Ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein großer für die Menschheit“ – es ist eines der beliebtesten und bekanntesten Zitate aus dem 20. Jahrhundert und wird auf ewig mit der ersten Mondlandung am 21. Juli 1969 in Verbindung gebracht werden. Und während die NASA seit Jahrzehnten von einer Expedition zum Mars träumt und unzählige Science-Fiction-Autoren in Büchern, Comics, Hörspielen, Filmen und Serien das Weltall auf ihre Weise erkundet haben, blickt Regisseur David Sington kurz vor dem 40. Jahrestag der ersten Mondlandung noch einmal zurück. 

Sein Dokumentarfilm ist natürlich auch die Geschichte der Astronauten Neil Armstrong, Buzz Aldrin und Mike Collins, die nach der Rückkehr auf die Erde bei einer globalen Jubelfeier über mehrere Wochen von Land zu Land herumgereicht und wie Helden verehrt werden. Es ist damals der geglückte Versuch der amerikanischen Regierung, die Welt von den Missetaten der USA im Vietnamkrieg abzulenken und den Kräftevorsprung gegenüber der Sowjetunion weltweit zu propagieren. Politische Interpretationen und Machtdemonstrationen hin oder her, die Mondlandung elektrisiert damals die gesamte Weltbevölkerung der damals drei Millionen Menschen.

Regisseur David Sington belebt den Mythos noch einmal und zeigt die noch lebenden Apollo-Mitglieder der insgesamt sechs Mondexpeditionen, die sich mit notwendigem Pathos und Begeisterung an das größte Abenteuer ihres Lebens erinnern. In den Kommentaren übertrumpfen sich erwartungsgemäß die Superlative, die aus den Mündern von alten Männern mit leuchtenden Augen kommen. Die Zeitreise wird angereichert durch eine Fülle von Archivmaterial, die sich ausführlich auch der zehnjährigen Vorbereitungsphase widmet, als etwa Alan Shepard im Mai 1961 als erster Amerikaner ins All fliegt (der Russe Juri Gagarin war nur drei Wochen vor ihm der erste Mensch, der die Welt umrundete). Verschwiegen wird ebenso wenig der tödliche Unfall der NASA-Piloten Roger Chaffee, Ed White und Gus Grissom, die 1967 bei einem simuliertem Countdown in ihrem brennenden Raumschiff ums Leben kommen, als auch zahlreiche weitere Komplikationen. Sogar Neil Armstrong stürzte auf dem Testgelände einst mit einem Raumgleiter-Flugzeug ab und konnte sich nur knapp per Fallschirm retten.     
  
Es ist ein Film zum Staunen, angereichert mit einem bombastischem Soundtrack, der ebenso in jeden Science-Fiction-Blockbuster passen würde. Die eigentlich angenehmste Beobachtung ist die Bescheidenheit und die jugendliche Frische der NASA-Piloten, die sich selbst nicht als Helden verklären, sondern von ihren Mondlandungen erzählen, als wären sie just wieder auf der Erde gelandet. Eine packende und zurecht mehrmals prämierte Dokumentation, die ihr Publikum mit auf die Reise zum Mond nimmt. Für die geplante Mars-Expedition verabschieden sich die USA übrigens fürs erste von ihrem Allmachtsanspruch – unlängst hat man China eingeladen sich an dem kostspieleigen Projekt zu beteiligen. 

David Siems

 

In der Raumfahrt kommt der Mond wieder ins Gespräch. Indien oder die USA sprechen davon, Menschen auf dem Mond landen zu lassen – zu welchem Zweck auch immer.

Der vorliegende Dokumentarfilm befasst sich nur bedingt mit der Raumfahrt-Zukunft. Er schildert vor allem, was in den 60er und 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts geschah. Er ist jedoch deshalb nicht uninteressant, denn er fördert eine Menge Erinnerungen und Erkenntnisse zutage: über den diesbezüglichen Wettkampf zwischen den Russen und den Amerikanern während des Kalten Krieges; über die Rede Kennedys, der Anfang der 60er Jahre erklärte, Amerika werde innerhalb des Jahrzehnts eine Mondlandung gelingen; über die wissenschaftliche Forschung vom Bau der Holzmodelle bis zur riesigen Saturn-V-Rakete; über die Tests oder die Rückschläge, bei denen mehrere Astronauten zu Tode kamen; über unveröffentlichtes NASA-Archivmaterial en masse; über die Apollo-Projekte 1-15 und natürlich über das berühmteste, Apollo 11, innerhalb dessen der erste Mensch den Mond betrat.

Zehn damalige Astronauten kommen zu Wort. Sie berichten in emotionaler, geistreicher und auch humorvoller Weise über ihre Arbeit als Testpiloten; darüber, wie sie zu Astronauten berufen wurden; über ihren Stolz, dabei zu sein; über ihre unglaublichen Raumfahrt-Erlebnisse; über ihr immerwährendes Staunen; über heikle Situationen; über ihre religiösen oder philosophischen Empfindungen; über ihr neues Verhältnis zum „Garten Eden Erde“ angesichts der Mondwüste; darüber, wie ihr Dabeisein ihr Leben innerlich und äußerlich für immer veränderte.

Ein Film, der geschichtlich, technisch und persönlich eine Menge hergibt, der außerdem gut recherchiert und professionell gestaltet ist. Seine Faszination hat der Mond ja nie verloren. Er bewegt die Meere, stellt in manchen Kulturen eine Gottheit dar. Die unterschiedlichen Mondphasen beeinflussen die Land- und Forstwirtschaft oder die Navigation der Zugvögel. Und vieles andere mehr. 

Thomas Engel