Im Schatten

Kaum aus dem Knast entlassen, besorgt sich Trojan eine Waffe und sucht nach der passenden Gelegenheit für einen Raubüberfall. Doch so sehr er auch versucht, anonym und professionell zu agieren, seine Vergangenheit wirft lange Schatten, die er nicht los wird. In dem Sumpf aus Misstrauen, Verrat, Beschattung und Gewalt droht Trojan zu versinken. Und so entwickelt sich ein scheinbar sicherer und lukrativer Überfall auf einen Geldtransporter für den Gangster zum tragischen Falle. Thomas Arslan erzählt mit Hilfe seines glänzend eingestellten Ensembles einen fesselnden Krimi, der seine Spannung über die präzise Wiedergabe der äußeren Abläufe bezieht.

Webseite: www.peripherfilm.de

D 2010
Regie und Drehbuch: Thomas Arslan
Darsteller: Misel Maticevic, Karoline Eichhorn, Uwe Bohm, Rainer Bock, David Scheller, Peter Kurth, Hans Zischler
Länge: 85 Min.
Verleih: Peripher
Start: 7. Oktober 2010
 

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Was macht ein Mann wie Trojan (Misel Maticevic), wenn er aus dem Gefängnis entlassen wird? In Thomas Arslans kühlem Krimi ist die Antwort schnell gefunden. Trojan bleibt der einzigen Sache verbunden, die er wirklich beherrscht, dem Verbrechen. Dabei ist der schweigsame Einzelgänger kein dumpfer Schläger oder cholerischer Psychopath, wie so viele andere in seiner Branche. Trojan arbeit mit höchstmöglicher Professionalität. Sein Problem sind zumeist die Anderen, auf deren Kontakte oder Hilfe er sich verlassen muss. Da ist Richard Breuer, der ihm seinen Anteil aus einem früheren Coup verweigert. Breuer rückt nur unter Druck ein Teil der Summe raus, schickt ihm aber prompt seine Leute hinterher, die Trojan aus dem Weg räumen sollen. Die beiden Killer sind nicht die einzigen Personen, die nach ihm suchen. Meyer (Uwe Bohm), ein korrupter, spielsüchtiger Polizist, hat den Ex-Knacki im Visier, weil er ahnt, dass dieser bald schon wieder ein Ding drehen könnte, bei dem auch für ihn etwas herausspringt. Aber Trojan ist vorsichtig. Einen ersten Einbruch lehnt er ab, weil die beiden Partner, die ihm vermittelt werden, unzuverlässig wirken. Stattdessen tut sich über eine Bekannte eine Sache auf, die sicher und lukrativ zu sein scheint. Dora (Karoline Eichhorn), die eigentlich als Pflichtverteidigerin arbeitet, eröffnet ihm die Möglichkeit, einen Geldtransporter zu überfallen, bei dem einer der beiden Fahrer eingeweiht ist.

Thomas Arslans Film funktioniert zuerst einmal als klassischer Genrefilm. Allerdings verzichtet der Regisseur auf jeglichen Glamour und jedwede Mystifizierung des Gangsterdaseins. Arslan schaut seinen Figuren bei der Arbeit zu. Ein Raub wird vorbereitet. Man trifft sich anonym in Hinterzimmern und auf Parkplätzen. Waffen werden besorgt, Fluchtfahrzeuge bereitgestellt. Das alles geschieht mit kühler Präzision und spröder Routine, immer mit dem Wissen, dass jeder Fehler fatale Folgen nach sich zieht. Obwohl der Film seinem Helden dabei einen biographischen Hintergrund verweigert und weitgehend auch auf Psychologie bei den Figuren verzichtet wird, wächst mit der Fortlauf des Geschehens die Identifikation mit dem Helden. Wie bei dem ähnlich gelagerten Film von Benjamin Heisenberg, „Der Räuber“, wird auch bei Thomas Arslan der Protagonist zum Getriebenen, bei dem die Ahnung des Scheiterns ihm eine ungemein menschliche Note verleiht.

Und nicht nur die Anteilnahme mit dem tragischen Gangster wächst, sondern auch die Spannung. Je stärker sich das Netz um den ahnungslosen Profi zuzieht, um so mehr fiebert man im Kino mit, welche der Figuren Fehler macht und wer für sein Handeln büßen muss. Das alles erzählt der Film in einem fließen Rhythmus, bei dem die einzelnen Tätigkeiten wie Choreographien daherkommen. Getragen wird dieser rundherum gelungene Film von einem perfekt eingestellten Ensemble brillanter Schauspieler die punktgenau und ohne Schnörkel ihre jeweilige Rolle glaubwürdig ausfüllen. Wer bislang um die unterkühlten Arbeiten des Autorenfilmer Thomas Arslan einen Bogen gemacht hat, der kann ihn bei diesem großartigen Kinokrimi (neu) entdecken.

Norbert Raffelsiefen

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