It’s Never Over, Jeff Buckley

Die Dokumentarfilmerin Amy Berg, die mit “Janis – Little Girl Blue” auch hierzulande bekannt wurde, nähert sich mit ihrem neuen Film, ebenfalls über ein früh verstorbenes Musikgenie, einer schillernden Künstlerfigur, die bis heute zwischen Genie, Projektion und tragischem Mythos oszilliert. Dabei findet sie auf der Suche nach dem, was ihn angetrieben hat, hinter zahllosen Musikeinblendungen, Interviews und Archivbildern zu einem Ton von bemerkenswerter Zartheit.

 

Über den Film

Originaltitel

It’s Never Over, Jeff Buckley

Deutscher Titel

It’s Never Over, Jeff Buckley

Produktionsland

USA

Filmdauer

110 min

Produktionsjahr

2025

Regisseur

Berg, Amy

Verleih

Verleih N.N.

Starttermin

09.04.2026

 

Der Dokumentarfilm zeichnet das kurze, intensive Leben des US-amerikanischen Sängers und Songwriters Jeff Buckley nach, dessen einziges Studioalbum „Grace“ bis heute als Referenz für emotionale Tiefe und vokale Virtuosität gilt. Es wurde vom Musikmagazin Rolling Stone zu einem der besten Alben aller Zeiten ernannt. Jeff Buckleys legendäre Version von “Hallelujah”, ursprünglich von Leonhard Cohen, hat Kultstatus und zählt zu einem der am meisten gestreamten Titel der Welt. 

Jeff Buckley, Jahrgang 1966, war der einzige Sohn des ebenfalls früh verstorbenen Jazzmusikers und Folksängers Tim Buckley, der Jeffs Mutter, die ihn im Teenageralter geheiratet hatte, bereits vor der Geburt ihres gemeinsamen Kindes verließ. Mary Guibert, seine Mutter, eine ehemalige Pianistin, ist eine der wichtigsten Stimmen in dem Dokumentarfilm über Jeff Buckleys Leben, der prinzipiell die klassische Chronologie einhält. 

Amy Berg verknüpft Archivmaterial, Interviews und private Bild- und Tonaufnahmen zu einem vielschichtigen Porträt, das Buckley nicht nur als Ausnahmekünstler, sondern auch als Suchenden zeigt – unter anderem geprägt von der schwierigen Beziehung zu seinem berühmten Vater Tim Buckley, den er nur ein einziges Mal im Alter von 8 Jahren traf. – Tim Buckley starb 1975 mit 28 Jahren an einer Überdosis Heroin. Jeff Buckleys Neigung zur Musik begann schon als Kleinkind, als er mit dem Radio mitsang. Schon in der Jugend wurde sein ausgeprägter künstlerischer Ehrgeiz und seine geradezu obsessive Hingabe an die Musik sichtbar. Leider spielt Amy Berg nur wenige seiner Songs komplett aus, so dass Jeff Buckleys legendäre, sehr emotionale Gesangsstimme, die mehrere Oktaven umfasste, erst mit den Schlusstiteln so richtig zur Geltung kommt. Er konnte mit seinem Gesang lachen und weinen, zwitschern und klagen – und zudem brachte er mit seiner asketisch melancholischen Ausstrahlung, die auf ihre Art tragisch und sexy zugleich ist, und mit seinem ausdrucksvollen, schönen Gesicht eigentlich alles mit, um in der Musikszene durchzustarten. Gefeiert als großes Talent – der nächste Bob Dylan – begann er von New York aus seine Künstlerkarriere. Dafür blieb ihm allerdings nicht viel Zeit. Der Film thematisiert auch Buckleys frühen Unfalltod 1997, ohne ihn jedoch zu instrumentalisieren oder ihn generell in Frage zu stellen, wie es seinerzeit verschiedentlich geschah.

Besonders überzeugend ist Amy Bergs Gespür für Zwischentöne: Statt den Mythos weiter zu bedienen, entwirft sie das intime Bild eines sensiblen, manchmal widersprüchlichen Menschen, der sich jeder Vereinnahmung entzieht. Die Montage folgt dabei einer emotionalen Logik, die sich an Buckleys Musik orientiert – mal schwebend, mal eruptiv, mit vielen kleinen, psychedelischen Effekten, in denen sich der musikalische Rhythmus der 90er Jahre wiederfindet. 

„It’s Never Over, Jeff Buckley“ ist nicht nur ein gelungenes Künstlerbiopic, sondern erzählt auch viel über den Umgang mit Musik und ihre Wirkung auf die Künstler selbst. Und am Ende bleibt die Frage, wie Jeff Buckley die Musikgeschichte beeinflusst hätte, wenn er weitergelebt hätte – und der dringende Wunsch, immer wieder seine Stimme zu hören.

 

Gaby Sikorski

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