Jack und das Kuckucksuhrherz

Als Vorlage für den animierten Jugendfilm "Jack und das Kuckucksuhrherz" diente nicht nur ein Buch von Co-Regisseur Mathias Malzieu, sondern auch ein Konzept-Album seiner Band Dionysos. So eklektizistisch wie die Vorlagen ist dann auch der Film geraten, der seine tragische Liebesgeschichte aber mit viel Phantasie  und einer an Tim Burton erinnernden märchenhaft-düstern Atmosphäre erzählt.

Webseite: www.universumfilm.de

OT: Jack et la mécanique du coeur
Frankreich 2012 – Animationsfilm
Regie: Mathias Malzieu & Stéphane Berla
Buch: Mathias Malzieu, basierend auf seinem gleichnamigen Buch
Länge: 94 Minuten
Verleih: Universum Film, Vertrieb: Die Filmagentinnen
Kinostart: 3. Juli 2014

FILMKRITIK:

Edinburgh, Ende des 19. Jahrhunderts. Am kältesten Tag seit Menschengedenken wird Jack geboren. So kalt ist es, dass das Herz des Jungen stehenbleibt und nur durch die Erfindungskraft der Hebamme Madeleine gerettet werden kann: Ein Kuckucksuhrherz pflanzt die findige Dame Jack ein, das regelmäßig aufgezogen werden muss. Vor allem aber muss Jack einigen Regeln folgen: Nicht die Zeiger berühren, sich nicht aufregen und am allerwichtigsten – sich nicht verlieben. Das sind die drei Regeln, die Madeleine Jack immer wieder einbläut.

Denn die selbst kinderlose Frau hat Jack adoptiert, nachdem dieser von seiner Mutter verlassen wurde. So wächst Jack einsam und allein in einem Haus oberhalb der Stadt auf, wo nur manch andere Patienten Madeleines auftauchen. Doch eines Tages hat Jack genug und bittet seine Zieh-Mutter, ihn zur Schule gehen zu lassen. Voller Besorgnis willigt Madeleine schließlich ein und das Schicksal nimmt seinen Lauf. In der Schule verliebt sich Jack nämlich nicht nur sofort in die reizende Acacia, sondern wird auch sofort vom Klassenrüpel Joe schikaniert.

Bei einem Streit kommt es schließlich zum Unglück: Der Kuckuck springt aus Jacks Herzuhr und sticht Joe ein Auge aus. Jack muss fliehen und verlässt Schottland, scheinbar für immer. Auf seiner Flucht trifft Jack den Magier George Méliès und schließt sich dem erfindungsreichen Mann an, der bald zu den Vätern des Kinos zählen wird. Als das Duo auf seinen Reisen in Spanien landet, scheint sich Jacks Schicksal endlich zum Guten zu wenden, denn er trifft Acacia wieder. Doch durch ihre extreme Kurzsichtigkeit erkennt sie Jack nicht wieder, und dann taucht auch noch Joe wieder auf.

Vom ersten Bild an fühlt man sich Mathias Malzieus und Stéphane Berlas "Jack und das Kuckucksuhrherz" an Tim Burton und besonders seinen Animationsfilm "Nightmare before Christmas" erinnert: Eine märchenhaft-düstere Atmosphäre, eine gruselig-gotische Geschichte, bizarre Figuren und natürlich viel Musik. Die steuert Malzieu mit seiner Band Dionysos gleich selbst bei, zudem spricht er zumindest in der französischen Originalversion auch die Figur des Jacks selber.

Vielleicht ein bisschen viel für einen Debüt-Regisseur, zumal auch Co-Regisseur Stéphane Berla bislang vor allem Kurzfilme und Musikvideos gedreht hat, aber noch nie eine Geschichte erzählt hat, die über einen 90minütigen Handlungsbogen tragen soll. So überrascht es dann wenig, dass "Jack und das Kuckucksuhrherz" immer wieder in seine Einzelteile zu zerfallen droht, der große Bogen der Geschichte – Jacks Suchen und Finden der Liebe – nicht immer ganz überzeugt.

Doch da diese Einzelteile so phantasievoll sind, die Figuren originell, die visuellen Details reichhaltig und auch die Musik überzeugend, lässt sich diese erzählerische Schwäche verschmerzen. Gerade auch die Einbindung des Filmpioniers George Méliès sorgt für einige schöne Momente und deutet die Magie des Kinos an, die sich auch in diesem sehenswerten Animationsfilm immer wieder entfaltet.
 
Michael Meyns