Planet Deutschland

„Planet Deutschland“ rollt die Entwicklung des Lebens auf der Erde stellvertretend an unserer Heimat auf. Regisseur Stefan Schneider und Produzent Uwe Kersken erzählen die Geschichte Deutschlands von den ersten Amöben bis heute und schaffen damit eine interdisziplinäre Unterrichtsstunde in Geschichte, Biologie und Erkunde. Aber 300 Millionen Jahre Entwicklung in 93 Minuten zu packen, ist dann doch eindeutig zu viel Anspruch…

Webseite: wwww.planetdeutschland-derfilm.de

Deutschland, 2014
Regie: Stefan Schneider
Filmlänge: 93 min.
Verleih: Polyband, Vertrieb: 24 Bilder
Kinostart: 7. August 2014
 

FILMKRITIK:

„Planet Deutschland“ rollt die Entwicklung des Lebens auf der Erde stellvertretend an unserer Heimat auf. Regisseur Stefan Schneider und Produzent Uwe Kersken erzählen die Geschichte Deutschlands von den ersten Amöben bis heute und schaffen damit eine interdisziplinäre Unterrichtsstunde in Geschichte, Biologie und Erkunde. Aber 300 Millionen Jahre Entwicklung in 93 Minuten zu packen, ist dann doch etwas zu viel Anspruch…
 
Wer hätte gedacht, dass Deutschland ursprünglich am Äquator lag oder dass einst Elefanten und Nilpferde durch die Vorläufer des deutschen Waldes spazierten?  In „Planet Deutschland“ nimmt das Team um Regisseur Stefan Schneider den Zuschauer mit auf eine Reise in die Vergangenheit bis hin zu den ersten Lebensformen auf dem Planeten Erde und den Anfängen jenen Gebiets, das wir heute Deutschland nennen. Dabei steht die Entwicklung von Flora und Fauna, später auch die des Menschen, im Fokus der Erzählung.
 
Es herrscht viel Unruhe in „Planet Deutschland“. Während das Land sich geographisch mit den Kontinentalplatten verschiebt, springt der Film stetig zwischen Fossilienfunden des 20. Jahrhunderts und der mehrere Millionen Jahre zurückliegenden Vergangenheit hin und her. Die vielen kleinen Zeitreisen, die der Zuschauer hier vollziehen muss, gestalten sich zunehmend verwirrend und erschweren sowohl die temporäre als auch die geographische Orientierung in der bunt schillernden Bilderflut. Und auch wenn das Voice Over von Max Moor zuweilen an einen Märchenonkel erinnert, richtet sich „Planet Deutschland“ mit seinen durchaus anspruchsvollen Erklärungen und Wortwendungen eindeutig an ein erwachsenes Publikum. Auch dieses muss sich allerdings fragen, um was es sich beispielsweise bei „gegenüberstellbaren Daumen“ handelt.
 
Letztlich droht „Planet Deutschland“ vor allem am eigenen Anspruch zu scheitern, 300 Millionen Jahre Weltgeschichte in 93 Minuten zu verpacken. Die Auswahl jener Arten, die der Film dem Zuschauer näher bringen möchte, wirkt beliebig, bleibt doch stets unklar, auf Grund welcher Kriterien jene erwähnt werden während viele andere unbenannt bleiben. Diese vermeintliche Beliebigkeit wurzelt primär im Fehlen einer klaren Narration. Deutschland bleibt der einzige Protagonist, die einzige Konstante in dieser Filmhandlung, die sich auf verschiedenen Ebenen stetig im Fluss befindet. Aber was ist eigentlich dieses „Deutschland“ von dem immer wieder die Rede ist? „Ein kleines und doch großartiges Land“, ist die schwammige und letztlich unbefriedigende Antwort dieses Films.
 
Damit der Zuschauer trotzdem etwas findet, woran er sich festhalten kann, nimmt „Planet Deutschland“ immer wieder konkrete Regionen in den Blick. Die Alpen, das Ruhrgebiet oder das Wattenmeer werden hier vorübergehend zur Bühne der Weltgeschichte. Und es sind eben diese Landschaften, die am meisten beeindrucken, wohingegen Computeranimationen von Dinosauriern und nachgestellte Szenen aus dem Urmenschen-Alltag eher befremdlich wirken. Besonders originell ist Stefan Schneiders Inszenierung dabei nicht. Tradierte Mittel wie Zeitraffer, Zeitlupen, Close-Ups und ein aufdringlicher Soundtrack kommen zum Einsatz, um dem Zuschauer Ehrfurcht vor dem Altbekannten abzuringen. Manchmal gelingt das. Manchmal aber ist es eben dieser Gegensatz zwischen epischer Inszenierung und gefühlt banalem Inhalt, der Skepsis heraufbeschwört. Ein Flug in Slow-Motion macht aus einer Gebirgsstelze eben noch keinen Paradiesvogel.
 
Es ist gut gemeint, was Stefan Schneider und Produzent Uwe Kersken hier versuchen, doch so richtig mag das Unternehmen, den Zuschauer für Deutschlands prähistorische Geschichte zu begeistern, nicht gelingen. „Planet Deutschland“ bleibt zu sehr Lehrfilm, um sein Publikum für sich einzunehmen. Im Geschichts- oder Biologieunterricht sicher eine gelungene Abwechslung, kann dieser Film das Kinoformat leider kaum ausfüllen.
 
Sophie Charlotte Rieger