Jahreszeiten – Iklimler

Eine Studie über ein Paar in der Krise und die menschliche Unfähigkeit zum Glück, dargestellt vom türkischen Regisseur Nuri Bilge Ceylan und seiner Frau Ebru Ceylan selbst: Der Archäologe Isa und die Fernsehproduzentin Bahar verbringen einen gemeinsamen Sommer-Urlaub. Doch auch die Hitze kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass ihre Beziehung an einem Nullpunkt angekommen ist. In ihre Beziehung ist Sprachlosigkeit eingekehrt, in ihren Gesten liegt Hilflosigkeit. Ein auf mehreren internationalen Festivals ausgezeichnetes Meisterstück des Weltkinos.

Webseite: www.sanartfilm.com

Türkei 2006.
Regie: Nuri Bilge Ceylan.
Mit Nuri Bilge Ceylan, Ebru Ceylan.
97 Min.
Verleih: Sanartfilm
Kinostart: 27.9.2007

PRESSESTIMMEN:

Bestechend fotografiertes und kadriertes Drama in drei Kapiteln, das auf den Spuren des Mannes dessen Lebenslügen und Verdrängungsmechanismen ergründet. Erst vom Ende her enthüllt der äußerst konzentriert inszenierte Film metaphorische Züge, in denen patriarchale Allüren einer selbstbewussten Weiblichkeit weichen. (O.m.d.U.) – Sehenswert.
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FILMKRITIK:

Isa ist dabei, seine Dissertation über Archäologisches zu schreiben, Bahar ist beim Fernsehen künstlerische Leiterin einer Serie. Sie verbringen beide einen Urlaub an der türkischen Küste.

Doch diese Ferien scheinen alles andere als glücklich vonstatten zu gehen. Man spürt es schon in den ersten Szenen: Ihre Liebe neigt sich dem Ende zu. Und tatsächlich kommen die zwei überein, dass es besser wäre, sich zu trennen. Bahar reist ab. Isa braucht nicht sehr lange, bis er sich bei seiner ehemaligen Partnerin Serap meldet. Die Begegnung endet mit einer halben Vergewaltigung.

Bahar wird für ihre Serie mehrere Monate im Osten des Landes beschäftigt sein. Isa findet keine Ruhe, bereut sein früheres Verhalten und fährt Bahar nach. Es kommt zu zwei Begegnungen. Die eine wird von Bahars unpersönlicher Kühle beherrscht, die andere von Isas Abreiseentschluss, obwohl Bahar zu diesem Zeitpunkt längst innerlich wieder umgekehrt ist. Was wird in Zukunft aus dem einstigen Paar?

Beide Treffen wirken so echt, dass es dem Zuschauer kalt den Rücken hinunterläuft. Überhaupt ist der ganze Film so. Es passiert handlungsmäßig fast nichts – und doch so viel. In den Blicken, in den Gesten und insbesondere im naturgetreuen Rhythmus des Ablaufs der Dinge wird alles spürbar: die Trauer über den Verlust der Liebe; das Durchstehen der letzten Phase bis zur Trennung; bei Isa die Erkenntnis, dass die Beendigung der Beziehung ein Fehler war; die Verlegenheit beim Wiedersehen; das wiederholte Aneinander-vorbeifühlen.

Der schmerzliche, tiefe Gehalt dieser Gefühle, die formale filmische Harmonie, die Einbeziehung der zuerst sommerlichen und später winterlichen Landschaft, aber auch das ruhige souveräne Spiel der beiden (verheirateten) türkischen Darsteller Ebru Ceylan (Bahar) und Nuri Bilge Ceylan (Isa – er ist auch der Regisseur) erheben „Jahreszeiten“ zu einem Meisterstück.

Thomas Engel