Jazzy – Chaos im Regenwald

Ein Orang-Utan-Mädchen, das in einer Station für Waisentiere lebt und sich dort zu einer Influencerin entwickelt hat, sucht in der Animationskomödie „Jazzy – Chaos im Regenwald“ nach seinen Eltern und deckt dabei die Machenschaften einer Palmöl erzeugenden, den Dschungel zerstörenden Firma auf. Seine Uraufführung feierte der von Hollywood-Star Leonardo DiCaprio mitproduzierte Film bereits im Jahr 2023. Trotz guter Absichten und einiger lustiger Momente will der Funke nicht richtig überspringen.

 

Über den Film

Originaltitel

Ozi

Deutscher Titel

Jazzy – Chaos im Regenwald

Produktionsland

GBR, USA, FRA

Filmdauer

87 min

Produktionsjahr

2024

Regisseur

Harper, Tim

Verleih

Camino Filmverleih GmbH

Starttermin

16.04.2026

 

Angesichts der zahlreichen Krisen auf der Welt, vor allem den Kriegen im Iran und in der Ukraine, tritt eine der größten Herausforderungen der Menschheit, nämlich der Kampf für den Erhalt unseres Planten, leider immer wieder in den Hintergrund. Erfreulicherweise brach im Animationskino der Anfang März 2026 gestartete Pixar-Streifen „Hoppers“ eine Lanze für den Schutz der Natur. Und auch die auf den deutschen Leinwänden rund anderthalb Monate später anlaufende Familienkomödie „Jazzy – Chaos im Regenwald“ nimmt sich diese Thematik vor. Ihre Premiere hatte die internationale Koproduktion, an der unter anderem Leonardo DiCaprios Firma Appian Way beteiligt war, allerdings schon im Jahr 2023. 

 

Im Mittelpunkt der Geschichte steht das Oran-Utan-Mädchen Jazzy (in der deutschen Synchronfassung gesprochen von Lina Larissa Strahl), die noch als Kind bei einem von Menschenhand verursachten Feuer im Dschungel von ihren Eltern getrennt wird. Die Kleine kommt daraufhin in die Obhut einer Waisenstation für Primaten, deren Betreiber sich liebevoll um ihre Schützlinge kümmern. In dem Wildtierstützpunkt erlernt Jazzy über die Jahre die Zeichensprache und kann mithilfe eines technischen Geräts sogar verbal mit den Zweibeinern kommunizieren. Durch Lehrvideos wird sie zu einer animalischen Influencerin.

 

Als sie eines Tages ein Tablet des Unternehmens Greenzar geschenkt bekommt, wird ihre Welt gehörig auf den Kopf gestellt. Denn in einem von besagter Firma angelegten Reservat leben offenbar ihre Eltern. Kurzerhand beschließt Jazzy, diesen Ort ausfindig zu machen, und erhält dabei Unterstützung von dem im Dickicht bestens erprobten Affen Chance. Unterwegs gabeln die beiden noch die tollpatschige Nashorndame Honkus auf, die die Rolle des komischen Sidekicks übernimmt. Als die kleine Truppe das Reservat erreicht, erwartet sie mehr als eine böse Überraschung.

 

„Jazzy – Chaos im Regenwald“ gehört zu der Sorte Animationsfilm, die im heutigen Familienkino weit verbreitet ist: Das Publikum soll für eine löbliche Botschaft sensibilisiert werden, transportiert wird diese aber mit dem Holzhammer, ohne Gespür für erzählerische Feinheiten oder eine aufregende Figurenzeichnung. Die Rodung des Urwalds mit dem Ziel, gigantische Palmölplantagen zu errichten, ist ein gravierendes reales Problem, aus dem sich eine spannende, konfliktreiche Geschichte hätte entwickeln lassen. Dass Leonardo DiCaprio der Schutz der Umwelt am Herzen liegt, ist bekannt. Und doch fehlt dem von ihm mit auf den Weg gebrachten Dschungelabenteuer echte Leidenschaft, der nötige Ideenreichtum, um aus der Masse an Unterhaltungsproduktionen für Groß und Klein herauszustechen.

 

Jazzys Reise setzt sich aus bekannten Zutaten zusammen: Gefahren und Hindernisse ziehen actionreiche Momente nach sich. Immer wieder werden Slapstick-Einlagen eingestreut. Und gelegentlich deutet der Film emotionale Ruhepausen an. All das wird allerdings mit wenig Charme, wenig aufrichtigem Interesse für die Charaktere und ihre Empfindungen verbunden. Grundsätzlich ist Jazzy eine Heldin mit ausreichend Identifikationspotenzial. Dennoch stellt sich die Frage: Muss man aus ihr gleich eine Art Influencerin machen und diese Eigenschaft dann plump ausschlachten, um die Handlung zu einem guten Ende zu bringen? Außerdem: Braucht es ein optisch klar auf Bösewicht getrimmtes Krokodil als antagonistische Kraft, wenn doch schon der ausbeuterische Greenzar-Konzern eine Bedrohung für die Regenwaldtiere darstellt? Anstatt sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, macht die Abenteuerkomödie hier einen neuen Schauplatz auf. Diese Beliebigkeit ist allemal bedauerlicher als die etwas klobige, nicht gerade vor Detailreichtum strotzende Gestaltung der animierten Bilder.

 

Christopher Diekhaus

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