Jerry Cotton

Seit Mitte der 50er Jahre zählen die Abenteuer des FBI-Agenten Jerry Cotton zu den erfolgreichsten Groschenheften. Schon in den 60er Jahren gab es erste Verfilmungen. Nun also eine Neuauflage, der man anmerkt, dass sie vom Regieduo stammt, das auch „Neues vom Wixxer“ drehte. Mehr als eine Krimi-Geschichte steht hier dementsprechend der Klamauk im Vordergrund, wirklich ernst wird die Figur des Jerry Cotton nicht genommen.

Webseite: www.jerrycotton.film.de

Deutschland 2009
Regie, Drehbuch: Cyrill Boss & Philipp Stennert
Musik: Helmut Zerlett, Christoph Zirngibl
Darsteller: Christian Tramitz, Christian Ulmen, Christiane Paul, Moritz Bleibtreu, Monica Cruz, Heino Ferch, Jürgen Tarrach
Verleih: Constantin
95 Minuten
Kinostart: 11. März
 

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

„Mordnacht in Manhattan“, “Schüsse aus dem Geigenkasten“ oder „Todesschüsse am Broadway.“ So hießen Mitte der 60er Jahre drei der insgesamt acht Jerry Cotton-Filme, in denen der amerikanische Schauspieler George Nader den unbesiegbaren FBI-Agenten spielte und Heinz Weiss den Mann an seiner Seite: Phil Decker. Es waren ernsthafte, harte Krimis, die dem deutschen Nachkriegspublikum das Bild eines verruchten, aber auch aufregenden New York boten. Doch ähnlich wie die zur gleichen Zeit entstandenen Edgar Wallace-Verfilmungen, wirken die damals völlig ironiefrei gedrehten Filme heutzutage zum Teil unfreiwillig komisch, was ihre Qualitäten als Genrefilme allzu oft überschattet. So ist es wohl nur konsequent, dass sich nun mit Cyrill Boss und Philipp Stennert das Regieduo an eine Neuverfilmung gewagt hat, die schon mit „Neues vom Wixxer“ ihr Faible für Humor der rustikaleren Sorte bewiesen haben. Diesmal haben sie auch das Drehbuch selbst verfasst und sich eine gar nicht mal so schlechte Geschichte ausgedacht: Es beginnt mit dem Tod von Sammy Serrano (Moritz Bleibtreu), genannt der Puppenspieler und gleichzeitig Jerry Cottons Erzrivale. Der gerät selbst in Verdacht sich dem einzigen Gangster, den er nicht hinter Gitter bringen konnte, entledigt zu haben. Die Dienstaufsichtsbehörde in Gestalt von Daryl D. Zanuck (Christiane Paul) heftet sich Jerry an die Fersen. Ebenso sein neuer Partner Phil Decker (Christian Ulmen), frisch von der Polizeischule und zunächst mehr als überfordert von seinem Job und der Verehrung für den legendären Jerry Cotton. Gemeinsam beschatten die von Klaus Schmidt (Heino Ferch) geleitete Bande, die einen Coup plant, der Cotton direkt auf die Spur des großen Unbekannten führen soll.

Wirklich ernst nimmt der Film seine Geschichte allerdings nicht. Die verwickelte Konstruktion wird eher pflichtschuldig abgehakt und dient in erster Linie der Möglichkeit, sich über alles und jeden lustig zu machen. Bisweilen funktioniert das gut, wenn etwa jeder FBI-Agent aus einer Tasse mit dem Aufdruck „FBI“ trinkt; oft aber ist das nicht mehr als alberner Klamauk. Christian Ulmen darf wie immer in vielfältigen, bemüht stereotypen Kostümierungen auftreten. Als Gangsterliebchen Malena sind Monica Cruz Formen zu bewundern, die denen ihrer Schwester Penelope wenig nachstehen. Vor allem die Gastauftritte sind der Rede wert: Vom alten Fassbinder-Schauspieler Günther Kaufmann, bis hin zu Bastian Pastewka als Baron Münchhausen. Die Krönung ist allerdings Moritz Bleibtreu als schleimiger Gangster Sammy Serrano, der sichtlich viel Spaß an seiner überzeichneten Rolle hat, die leider viel zu kurz ausfällt. Darüber hinaus ist vor allem der Look des Films bemerkenswert, dem man kaum ansieht, dass er bis auf wenige Tage im tatsächlichen New York, komplett in Berlin und Hamburg gedreht wurde. Auch wenn die Qualität des Drehbuchs dem nicht immer nachkommt, ist „Jerry Cotton“ ein amüsanter Film, mit etlichen ausgesprochen gelungenen Momenten.

Michael Meyns

Schon Generationen haben die Jerry-Cotton-„Literatur“ in Form von Romanheftchen, Comics oder Fernsehsendungen in sich aufgesogen. Hier nun eine neue Fassung, und zwar als Film-Parodie.

Jerry Cotton findet, nachdem er ein entführtes Mädchen gerettet hat, den Gangster Serrano, der einst 300 Millionen Dollar raubte, tot auf seinem Wasserbett. Er würde in dem Fall gerne allein – mit seiner Pistole – ermitteln, muss sich aber von dem eher ungeschickten Kollegen Phil Decker begleiten lassen. Der hat den Posten bekommen, weil er der Sohn eines bekannten Senators ist.

Cotton begegnet in der Rotlichtbar Cristallo der schönen Tänzerin Malena. Er schleicht sich bei den dortigen Ganoven ein und übernimmt Aufträge. Doch gleich der erste ist eine Falle. Von nun an gilt jedenfalls Jerry als der Mörder von Serrano und wird deshalb vom FBI, also von den eigenen Leuten gejagt.

Jetzt muss er Phil Deckers Hilfe in Anspruch nehmen.

Die Gangster von der Cristallo-Bar planen einen Coup. Ziel: die Millionen, die Serrano einst raubte. Deckname: „Unternehmen Baby Jane“.

Jerry, Phil und Malena, die inzwischen die Seiten gewechselt hat, können das Verbrechen vielleicht aufdecken: durch Verkleidung, durch einen fingierten Feueralarm, durch geschickte Funkkontakte, durch das Lahmlegen von Alarmanlagen.

Die Cristallo-Ganoven sind aber auch nur kleine Fische. Hinter ihnen steckt noch ein anscheinend mächtiger Boss. Also muss Jerry Cotton auch gegen diesen bestehen.

Parodistische Krimi-Unterhaltung. Flott durchgezogen. Nichts weiter. Auffällig ist, wie viele bekannte und routinierte deutsche Schauspieler mitgemacht haben: Christian Tramitz (Titelrolle), Christian Ulmen (Phil Decker), Christiane Paul, Heino Ferch, Jürgen Tarrach, Herbert Knaup, Günther Kaufmann, Moritz Bleibtreu – und Monica Cruz (Schwester von Penelope).

Thomas Engel