John Wick

Von Leben und Leid eines Profikillers haben in den letzten Jahren viele Filme erzählt, die Vermenschlichung eines eher, sagen wir mal, ungewöhnlichen Berufsstandes ist spätestens seit Tarantino ein beliebtes Topos. Insofern bewegt sich Chad Stahleski mit seinem Regiedebüt "John Wick" nicht gerade auf Neuland, hat dafür aber mit Keanu Reeves einen souveränen Hauptdarsteller zu bieten und weiß Actionszenen rasant zu inszenieren.

Webseite: www.johnwick.de

USA 2014
Regie: Chad Stahelski
Buch: Derek Kolstad
Darsteller: Keanu Reeves, Michael Nyqvist, Willem Dafoe, Alfie Allen, Dean Winters, Adrianne Palicki
Länge: 101 Minuten
Verleih: Studiocanal
Kinostart: 29. Januar 2015
 

FILMKRITIK:

Jahrelang war John Wick (Keanu Reeves) der beste Auftragskiller der Stadt und half mit seinen Fähigkeiten, den Gangsterboss Viggo Tarasov (Michael Nyqvist) zum gefürchteten Don von New York zu machen. Doch dann hatte John genug vom Töten, heiratete, zog sich quasi aufs Altenteil zurück und genoss das Leben. Doch seit vor einigen Wochen seine geliebte Frau ums Leben kam, wird John seines Lebens nicht mehr froh. Bis ihm eines Tages ein kleiner Hund geliefert wird, ein letztes Geschenk einer verstorbenen Frau, das John wieder Halt gibt. Dummerweise haben ein paar Halbstarke um Iosef (Alfie Allen) ein Auge auf Johns Mustang geworfen, brechen bei ihm ein, prügeln ihn Krankenhausreif und töten seinen Hund. Dass Iosef der Sohn von Viggo ist, ist John egal, er sinnt nach Rache. Auch die Beschwichtigungsversuche seines ehemaligen Bosses halten John nicht von seinem Ziel ab, so dass Viggo neben Dutzenden von Leibwächtern auch andere Profikiller auf John ansetzt, darunter Marcus (Willem Dafoe) und Miss Perkins (Adrianne Palicki), die gemeinsam mit John in einem New Yorker Hotel Quartier bezogen hat. In diesem besonderen Ort gelten eigene Regeln: Kein Mord darf unter dem Dach des Hotels verübt werden, jeder Gangster, der hier übernachtet, bewegt sich auf sicherem Terrain, doch da sich nicht jeder an die Regeln hält, muss John auch diverse Hotelzimmer in Trümmer legen…

Man merkt schon, "John Wick" spielt in einer ganz eigenen Welt, einer Welt, in der es völlig normal ist, wenn sich in einem Club Leichenberge türmen, in der Gangster mit Goldmünzen Zutritt zu geheimen Räumen erhalten und sich unter Kirchen Geldverstecke befinden. Doch so überdreht viele Aspekte von "John Wick" auch sind, so realistisch versucht Debütregisseur Chad Stahelski an anderen Stellen zu inszenieren. Nun ist Keanu Reeves zwar nicht unbedingt ein Schauspieler, der für seine emotionale Bandbreite bekannt ist, doch den Verlust seiner Frau und seines Lebenswillens verleiht seiner Figur ein beachtenswertes Maß an Emotionalität. Die allerdings mit dem Aufhänger der Geschichte auf Kriegsfuß steht, die da lautet "Sie haben mein Auto gestohlen und meinen Hund getötet!" Immer wieder wird dieser Satz wiederholt, so als wollte das von Derek Kolstad geschriebene Buch eher eine Parodie auf Gangster- bzw. Profikillerfilme sein.

Aus diesen Widersprüchen kann sich "John Wick" nicht wirklich befreien und schwankt fortwährend zwischen den Stilen: Mal ernsthaft und emotional, mal albern und überdreht. Eine klare Linie, einen durchgehenden Tonfall findet er nicht. Am besten funktioniert der kaum 100 Minuten lange Film als modernes B-Picture, als reiner Actionfilm, der nicht viel Sinn machen soll (was das oft hanebüchene Drehbuch auch nicht tut), sondern nur kurzweilig unterhalten soll. Und das bedeutet in diesem Fall: möglichst Action-lastig. Hier zahlt sich dann aus, dass sich Stahelski seine Meriten als Stuntman und Action-Choreograph verdient hat. In langen, oft eindrucksvoll gefilmten und choreographierten Einstellungen lässt er Keanu Reeves dutzende Gegner eliminieren, was einem ansonsten oft durchwachsenen Film dann doch zu zahlreichen (filmischen) Höhepunkten verhilft.
 
Michael Meyns