Kabinett des Doktor Parnassus, Das

Der geheimnisvolle Dr. Parnassus reist mit seiner Truppe durch das heutige London. Er verspricht seinem Publikum mittels eines Spiegels in eine Parallelwelt einzutreten. Doch der mangelnde Glaube an Wunder sowie der einst geschlossene Pakt mit dem Teufel, setzen dem Magier mächtig zu. Kinovisionär und Ex-Monty-Python Terry Gilliam liefert ein optisch zum Teil überfrachtetes und inhaltlich streckenweise allzu dünnes Werk ab. Dem verstorbenen Schauspieler Heath Ledger wird hier jedoch ein filmisches Denkmal der besonderen Art gesetzt.

Webseite: www.doctorparnassus.co.uk

Frankreich/Kanada 2009
Originaltitel: The Imaginarium of Doctor Parnassus
Regie: Terry Gilliam
Darsteller: Johnny Depp, Heath Ledger, Jude Law, Colin Farrell, Christopher Plummer, Tom Waits, Lily Cole, Verne Troyer
Laufzeit: 122 Minuten
Verleih: Concorde
Kinostart: 07.01.2010
 

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Ein wahrhaft skurriles Gefährt ebnet sich seinen Weg durch die nächtlichen Straßen von London. Ein Wandertheater wie aus einer anderen Welt. Doch was eigentlich die Blicke auf sich ziehen sollte, wird vom potentiellen Publikum vielmehr verschmäht. Es bedarf der enormen Anstrengung der nicht minder bizarren Schausteller, um die Aufmerksamkeit der zahlenden Gäste auf sich zu ziehen. Dabei verspricht der geheimnisvolle Dr. Parnassus (Christopher Plummer) nicht weniger, als in ein Universum unbegrenzter Fantasien einzutreten. Das Tor zwischen dieser und jener Welt soll ein magischer Spiegel sein.

Doch wer glaubt heutzutage schon noch an Wunder? Und so laufen dann auch die Geschäfte so schlecht, dass die Truppe am Rande der Existenz dahindümpelt. Zu allem Überfluss ist ihnen auch noch der Teufel in Gestalt des Mr. Nick (Tom Waits) auf den Fersen. Mit ihm hat Dr. Parnassus einst einen Pakt geschlossen. Ewiges Leben wurde ihm versprochen, wenn er im Gegenzug seine Tochter freigibt, sobald diese das Alter von 16 Jahren erlange. Dass er noch zu späten Vaterfreuden kommen würde, hatte Parnassus damals nicht erahnt. Nun jedoch ist seine Tochter Valentina (Lily Cole) Teil der Theatertruppe und ihr 16. Geburtstag steht kurz bevor. Glücklicherweise sind jedoch sowohl der Teufel als auch Dr. Parnassus unverbesserliche Spieler. Und so bekommt der alte Magier noch einmal die Chance, seine Tochter vor dem Teufel zu retten.

Wer zuerst fünf Seelen gewinnt, kann die neu geschlossene Wette für sich ausmachen. Leichter gesagt als getan, denn die schlechten Geschäfte machen es schier unmöglich, auch nur eine Seele in die wundervolle Fantasiewelt zu locken. Helfen kann da nur noch Tony (Heath Ledger) – ein Außenseiter, den die Truppe mehr oder weniger zufällig aufliest. Dr. Parnassus glaubt vielmehr an eine schicksalhafte Fügung, Valentina glaubt gar an die Liebe und Tony selbst weiß noch nicht so recht woran er glauben soll. Schließlich ist das Kabinett des Doktor Parnassus doch eher unglaubwürdig. Zumindest solange, bis man es selbst betreten hat.

Mit dem tragischen Tod des im Januar 2008 verstorbenen Heath Ledger (The Dark Knight, Brokeback Mountain), drohte das neue Filmprojekt des Kultregisseurs Terry Gilliam (Brothers Grimm, 12 Monkeys, Brazil) erneut zu scheitern. Erneut, weil Gilliam unter anderem auch bereits das Filmprojekt „The Man Who Killed Don Quixote“ (bislang) nicht beenden konnte. Das ehemalige Mitglied der legendären Monty-Python-Truppe ließ sich jedoch nicht unterkriegen. Aus der Not machte er eine Tugend und nutzte das Thema „Transformation“ ganz einfach als Mittel zum Zweck. Nach Eintritt in die Traumwelt des Kabinetts verändert sich nämlich die Gestalt der betreffenden Person. So konnten kurzerhand keine geringeren Schauspielerkollegen als Johnny Depp, Jude Law und Colin Farrell einspringen und die Rolle des Tony Passagenweise übernehmen. Gilliam gelang mit dieser aus der Not geborenen Lösung nicht nur die Rettung des Filmprojektes sondern schuf er hiermit eines der eigentlichen Highlights des Films. Es ist eine wahre Wonne zu sehen, mit welcher Spielfreude die erwähnten Darsteller die Rolle von Heath Ledger fortführen.

Überdies ist Gilliams neuer Wurf allemal gewöhnungsbedürftig. Ein Film, auf den man sich voll und ganz einlassen muss. Insbesondere das von ihm und den CGI-Experten geschaffene Fantasiereich ist in seiner stilistischen Darstellung teilweise allzu extrem geraten. Eine kunterbunte Animationswelt, die nur bedingt zu faszinieren vermag. Überzeugender hingegen ist die Umsetzung der Passagen, die außerhalb dieser Parallelwelt spielen. Hier zeigt sich wenigstens optisch der unverkennbare Stil eines durchaus genialen Terry Gilliam. Doch was hier mit viel Liebe zum Detail gezeigt wird, offenbart auch eine inhaltlich eher dünne Story, der das eine oder andere Mal gar die Luft auszugehen droht. Was unter dem Strich bleibt, ist ein Wiedersehen mit Heath Ledger, dem hier postum eine filmische Ehrung der besonderen Art zuteil kommt. Was außerdem bleibt, ist der leider nur teilweise überzeugende Film eines Ausnahmeregisseurs, der wie nur wenige außer ihm in der Lage ist, wahrlich fantastische Geschichte auf die Leinwand zu bringen.

Gary Rohweder

London. Dr. Parnassus betreibt eine wandernde Kuriositätenshow. Der Höhepunkt des Ganzen: Die Leute aus der Menschenmenge, die sich bereit erklären, daran teilzunehmen, gelangen durch einen Zauberspiegel schreitend in eine absolut phantastische Traumwelt, in der sie Schönes erleben und sich glücklich fühlen.

Parnassus selbst ist derzeit weniger glücklich. Denn seine Tochter Valentina wird in Kürze 16 Jahre alt. An sich etwas Gutes, jedoch nicht für Parnassus. Der, alterslos oder vielleicht schon 1000 Jahre alt, schloss einst mit dem Teufel in Gestalt eines Mr. Nick einen Pakt in Form einer Wette: Unsterblichkeit oder ewiges Glück für eine Gegenleistung, nämlich die, dass Valentina Mr. Nick gehört, wenn sie 16 Jahre alt geworden ist.

Nun ist es so weit. Parnassus, unterstützt von seinem kleinwüchsigen Diener Percy und von Anton, der Valentina liebt – wobei die Rolle des Anton, genannt Tony, unter vier Schauspielern aufgeteilt ist -, muss um jeden Preis für die Rettung seiner Tochter kämpfen.

Kein Geringerer als Christopher Plummer hat den Part des Parnassus übernommen, und für die Rolle des Tony standen Heath Ledger, Johnny Depp, Jude Law und Colin Farrell bereit: erstklassige Adressen, die dem Film schauspielerisches Niveau verleihen. Relativ neu ist die liebliche Lily Cole, die die Valentina verkörpert.

Hauptmacher ist allerdings in diesem Fall der Kultregisseur und Monty-Python-Mitbegründer Terry Gilliam. Was er – in einer sich unnötig lange hinziehenden Handlung – an Traumlandschaften, an Zaubergebilden, an Bizarrformen, an Lichterscheinungen, an Farbensymphonien, an Phantasiewelten, an Fabelwesen virtuell auf die Leinwand gebannt hat, ist schon etwas Besonderes. Was da kreucht und fleucht, leuchtet und glitzert, bedrohend und unheimlich wirkt, kann Fans der surrealen Digitalwelt interessieren oder sogar begeistern.

Die alte Legende vom Pakt mit dem Teufel ist in eine handlungsreiche überflutende Phantasie- und Bilderwelt getaucht.

Thomas Engel