Kofelgschroa. Frei. Sein. Wollen.

Vier junge Burschen aus dem Oberbayerischen machen mit „altmodischen“ Instrumenten wie Tuba, Flügelhorn und Akkordeon Musik, die die Leute nicht nur in ihrer Heimat begeistert. Wohin führt der Erfolg die Band „Kofelgschroa“? Die Regisseurin Barbara Weber hat sie über sechs Jahre begleitet. Ihre Geschichte geht über eine Musik-Doku hinaus. Es geht um vier Originale, die vorsichtig tastend nach ihren eigenen Regeln einen Weg in die Welt finden wollen.

Webseite: www.kofelgschroa-derfilm.de

D 2014 – Dokumentation
Buch und Regie: Barbara Weber
Kamera: Johannes Kaltenhauser
Produzenten: Johannes Kaltenhauser, Patrick Lange
Länge: 91 Minuten
Verleih: Movienet Film
Kinostart: 7. August 2014
 

FILMKRITIK:

Preisträger des „Förderpreises für Musik 2013 der Stadt München“. Die Debüt-Platte 2012 vom „Notwist“-Bassisten Micha Acher produziert. Ausverkaufte Konzerte nicht nur in Bayern, sondern im ganzen Bundesgebiet – obwohl anderswo wohl niemand die stark dialektgeprägten Texte der wild poetischen, zwischen Moll und Dur changierenden Lieder versteht. Dabei wollten Matthias Meichelböck, Martin und Michael von Mücke und Maxi Pongratz doch nur gemeinsam musizieren. Auf Dorffesten zunächst, bei Feiern vor Freunden. Aber aus der traditionellen Volksmusik entwickelte sich etwas Eigenes, Eigensinniges. Die Frage für die Freunde ist nur: Wohin führt der Erfolg?
 
Man würde sich wünschen, die Kandidaten von „Deutschland sucht den Superstar“ sähen diesen Film. Vielleicht verstünden sie dann etwas vom wahren Wert der Musik und von der Leere des Ruhms. Die vier Jungs von Kofelgschroa jedenfalls zieht es nicht des Ruhmes wegen auf die Bühnen. Im Gegenteil: Der macht ihnen eher etwas Angst. Oder sorgt zumindest für Unwohlsein. Auf die Frage, wie das gemeinsame Musikmachen denn angefangen habe, antworten sie etwas ratlos, sie seien einfach immer schon aufgetreten und erzählen lustige Anekdoten von Stehgreif-Konzerten beim Oktoberfest. Barbara Webers Film zeigt also nicht nur den Werdegang einer Band, sondern die Entwicklung einer Freundschaft.
 
Aufgewachsen sind sie in Oberammergau, zumindest einer ist tief gläubig. Alle glauben daran, dass nur ein einfaches, ein selbstbestimmtes Leben einen Sinn macht. „Reicht doch, wenn man genug Geld zum Leben hat. Wofür Reichtümer anhäufen?“, finden sie. Einer kümmert sich hingebungsvoll um seine Schafe, ein anderer arbeitet als Schmied. Die Haare werden im Lauf der Jahre kürzer, einige Bärte verschwinden, aber ihre eigenen Ansichten geben Michael, Martin, Maximilian und Matthias deshalb noch lange nicht auf.
 
Dass die Vier so sehr in sich ruhen, befriedigt am meisten an dieser Doku, die zur hektischen, giggelnden, gierigen Betriebsamkeit mancher Medien einen wunderbar stillen Kontrapunkt setzt. Das heißt nicht, dass Kofelgschroa keine Umwege gehen. Im Gegenteil, der Film erzählt auch von der Ratlosigkeit, die junge Menschen befällt, wenn ihnen plötzlich ein Ziel abhanden kommt. An einer Stelle löst sich die Band gar auf. Dass Barbara Weber auch von diesem Suchen erzählt, dass sie Raum lässt für das Irren und für die Fragen, die die Protagonisten beständig sich selber stellen, macht ihren Film zu einem Erlebnis. Man spürt, wie Band und Filmemacher im Lauf der Jahre zusammenwachsen und wie sich beide Projekte gegenseitig befruchten. Barbara Weber findet die richtige, gleichzeitig nahe und doch bescheidene Bildsprache, die zu Kofelgschroa passt. Ihre Film entstand über Jahr hinweg ohne eigentliches Budget und Auftraggeber, gefilmt wurde mit einer Spiegelreflexkamera. Diese Ausdauer und Leidenschaft spiegelt sich in einem Film, der mit kleinen Mitteln große Fragen stellt.
 
Oliver Kaever