Supermensch – Wer ist Shep Gordon?

Ein Film über einen Künstler-Manager. Kann das interessant sein? Es kann und zwar wenn dieser Manager eine so flamboyante, faszinierende Persönlichkeit ist wie Shep Gordon, dem Mike Myers in seinem Regiedebüt „Supermensch – Wer ist Shep Gordon?“ ein Denkmal setzt. Das ist zwar unkritisch bis zur Heldenverehrung, aber auch unglaublich unterhaltsam.

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USA 2013 – Dokumentation
Regie: Mike Myers, Beth Aala
Länge: 85 Minuten
Verleih: rapid eye movies
Kinostart: 18. September 2014
 

FILMKRITIK:

Es ist eine dieser Geschichten, die man nicht erfinden kann: Gerade mit der Universität fertig, kommt der junge Shep Gordon in den 60er Jahren nach Los Angeles, mietet sich in ein Motel ein und fängt an, mit zwei anderen Bewohnern zu kiffen. Diese Bewohner sind Jimi Hendrix und Janis Joplin, die Gordon kurze Zeit später mit einem aufstrebenden Musiker bekannt machen: Alice Cooper. Ob er Manager sei, wird Gordon gefragt: Natürlich ist die Antwort ja und markiert den Beginn einer erstaunlichen Karriere, wie sie selbst in an erstaunlichen Karrieren reichen Amerika wohl nur in der damaligen Zeit möglich war.
Nachdem Gordon Alice Cooper zum antiautoritären, von Eltern gehassten, von Jugendlichen verehrten Rockstar gemacht hat (und sich selbst zum Millionär), streckt er seine Fühler aus, managt von der seichten Country-Sängerin Anne Murray bis zum übersexualisierten Soul-Sänger Teddy Pendergrass zahllose Musiker, steigt später ins Filmbusiness ein, erfindet das Konzept des Fernseh-Kochs, lernt den Dalai Lama kennen und hat nebenbei unzählige Affären mit den schönsten Frauen des Showgeschäfts.
Doch bei allem Erfolg, all den Drogen, all den Frauen: Shep Gordon bleibt immer ein Mensch, wie im jiddischen eine integre Person bezeichnet wird, die immer für seine Freunde da ist wenn Not am Mann ist. Egal ob es um bloße finanzielle Hilfe geht, die Adoption der Kinder einer verstorbenen Freundin oder die moralische Unterstützung bei Lebenskrisen: So wie Mike Myers ihn porträtiert ist Seph Gordon tatsächlich nicht weniger als der titelgebende Supermensch.
All das schneidet der für seine Komödien „Waynes World“ und „Austin Powers“ bekannte Myers in rasanter Montage nebeneinander, lässt Freunde und Wegbegleiter unglaubliche Episoden zum Besten geben und schafft es tatsächlich sogar, eine tragische Dimension einzubauen: Denn bei allem Erfolg den Seph Gordon beruflich und sexuell hatte: Den Wunsch nach einer Familie hat er sich nie erfüllen können. Allein – allerdings gewiss nicht einsam – lebt er inzwischen in seinem millionenschweren Anwesen auf Maui und genießt den wohlverdienten Ruhestand.
So unterhaltsam ist „Supermensch – Wer ist Shep Gordon?“, so unglaublich wirkt das Leben Gordons, dass man sich manches Mal fragt, ob das denn tatsächlich wahr sein kann oder man es hier doch mit einer Mockumentary, einer fiktiven Dokumentation zu tun hat. Manches deutet darauf hin, zumal Gordon stets im Hintergrund agierte, es somit kaum Spuren über seinen Werdegang gibt.
Doch gerade das überkandidelte, die Aneinanderreihung von einer Affäre mit Sharon Stone und Kochen für den Dalai Lama, von Drogenexzessen und außerordentlicher Wohltätigkeit sind wohl in letzter Instanz vor allem sehr amerikanisch: Seinen Erfolg mit anderen teilen, an die Mitmenschen zurückgeben, dass ist das Prinzip, dass in Amerika viel unmittelbarer gelebt wird als in Europa. Was daher für den eher zurückhaltenden Europäer wie eine kaum glaubliche Zusammenstellung von Extremen ist, muss für den Amerikaner wie ein zwar nicht gerade gewöhnliches Leben wirken, aber doch wie ein erstrebenswertes. Und das hat Shep Gordon in jedem Fall mit größter Intensität getan: Gelebt und dabei alles mitgenommen, was man im Showbusiness mitnehmen kann. Dass 85 Minuten anzusehen ist außerordentlich unterhaltsam.
 
Michael Meyns