Kokowääh

Nach den „Zweiohrküken“ ist vor den „Dreiohrhasen“? Nicht ganz. Vor dem dritten Comedy-Streich, pünktlich für nächste Weihnachten geplant, legt Til Schweiger erst noch eine Vater-Pause ein. Einmal mehr tritt er als Koautor, Regisseur und Hauptdarsteller auf, diesmal unterstützt von Töchterchen Emma. Erzählt wird die Geschichte des chaotischen Henry, der plötzlich mit seinem achtjährigen Kind konfrontiert wird, von dessen Existenz er bislang nichts ahnte. Anders als in den gängigen Hollywood Rom-Coms zum gleichen Thema verzichtet der notorisch unterschätzte Schweiger auf den stereotypen Komödienstadl und bietet reichlich Herzblut und Nachhaltigkeit in seinem durchaus pointenstarken Papi-Lustspiel. Eine sympathisch smarte Komödie mit Wortwitz, Tempo und bewegenden Momenten: „Knockin’ on Daddy’s Door“.

Webseite: www.kokowääh.de

Deutschland 2011
Regie: Til Schweiger
Derhbuch: Béla Jarzyk, Til Schweiger
Darsteller: Til Schweiger, Emma Schweiger, Jasmin Gerat, Samuel Finzi, Meret Becker, Friederike Kempter, Miranda Leonhardt, Anna Julia Kapfelsperger, Jessica Richter, Katharina Thalbach, Ulrich Wickert.
Verleih: Warner
Kinostart: 3.2.2011
 

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

„Kokowas?“ – das fragt nicht nur die kleine Magdalena beim Abendessen, sondern wohl auch so mancher Kinogänger beim Blick auf das Filmplakat. Sonderbare Sprachschöpfungen gehören freilich längst zur Titel-Tradition des Til Schweiger. In diesem Fall stammt die Kreation von Warner-Chef Willi Geike höchstpersönlich. Des Rätsels Lösung ist so schlicht wie lecker: Hinter der Lautschrift verbirgt sich der französische Geflügelklassiker Coq au vin – und geschmortes „Huhn in Wein“ ist das einzige Gericht, das Papa Henry kochen kann. Dass Burgundersoße nicht gerade kindgerecht sein mag, ist durchaus typisch. Denn von Kids hat Frauenheld Henry absolut keine Ahnung – bislang jedenfalls.

Das Lotterleben des chaotischen Drehbuchschreibers ändert sich schlagartig, als unvermittelt ein achtjähriges Mädchen alleine vor seiner Haustür steht. Ein Brief der Mutter erklärt Henry zum leiblichen Vater. Der kann sich an den One-Night-Stand von einst nur dunkel erinnern. Widerwillig nimmt er die Kleine bei sich auf. Denn die Mama ist vorübergehend nach Amerika abgereist, derweil ihr gehörnter Gatte Tristan (Samuel Finzi) tief enttäuscht die Scheidung will. Wütend verlangt der vermögende Kieferorthopäde vom mittellosen Henry eine sechsstellige Nachzahlung der Alimente für das Kuckuckskind. Doch dann erwacht seine Liebe zu Magdalena zu alter Stärke – derweil der leibliche Papa ebenfalls zunehmen heftige Vatergefühle entwickelt. Damit nicht genug, muss Henry dringend sein Drehbuch fertig stellen sowie noch dringender der aktuellen Freundin seine große Liebe beweisen.

Anders als in den üblichen Hollywood Rom-Coms zum gleichen Thema verzichtet der
notorisch unterschätzte Schweiger auf den stereotypen Komödienstadl und bietet reichlich Herzblut und Nachhaltigkeit in seinem pointenstarken Papi-Lustspiel. „Was ist eigentlich ein Vater?“ lässt er seinen emotional verunsicherten Henry besorgt fragen. Bei aller thematischen Ernsthaftigkeit steht klar die Komik im Vordergrund. Da gibt es Slapstick mit altklugem Kindermund-Humor, Eierpampe und spontanem Küchenbrand. Es gibt Anspielungen auf die Eitelkeiten der Filmbranche („Ich mache Filme mit Anspruch, da zählen die Zuschauer doppelt!“ protzt der Regisseur im weißen Helmut Dietl-Outfit). Oder es folgen politisch unkorrekte Erziehungstipps fürs Mobbing im Schulhof: „Böse Kinder, die andere erpressen, die darf man treten. Dafür kommt man sogar in den Himmel.“

Diese Mischung wird mit lässiger Leichtigkeit serviert und mit Akteuren, die die ganze Sache unaufdringlich liebenswert ausfallen lassen. Ob mit Papa Til und Tochter Emma als herzigem Traumpaar. Oder mit „Ergo“-Werbefigur Samuel Finzi als kauzigem Gegenspieler. Visuell wird von Schweigers Hauskameramann Christof Wahl einmal weit mehr als gängiger Genre-Standard geboten, beim gut sortierten Ohrwurm-Soundtrack sowieso. Ein bisschen „Zweiohr“-Einlage gibt’s schließlich doch noch: Statt putzigem Plüschtier wird diesmal ein eigenwilliger Schlafanzug geschneidert. Eine sympathisch smarte Komödie mit Wortwitz, Tempo und bewegenden Momenten: „Knockin’ on Daddy’s Door“.

Dieter Oßwald

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