Kreuzzug in Jeans

Kinderkreuzzüge gab es im frühen Mittelalter tatsächlich. Zeitreisemaschinen sind eine Erfindung. Historisches mit Fiktion zu vermischen, das verspricht Spannung und Abenteuer. Das vom niederländischen Regisseur Ben Sombogaart verfilmte Jugendbuch „Kreuzzug in Jeans“ von Thea Beckman geht das Wagnis ein und erzählt von gleich zwei „unmöglichen“ Reisen – herausgekommen ist ein unterhaltsamer Kinder- und Jugendfilm mit internationaler Besetzung. 

Webseite: www.mfa-film.de

D/NL/UK/BE/LUX;HU 2006
Regie: Ben Sombogaart
Darsteller: Joe Flynn, Stephanie Leonidas, Emily Watson, Michael Culkin, Benno Fürmann, Udo Kier, Herbert Knaup
130 Minuten
FSK ab 12 Jahren, in Begleitung von Eltern ab 6 Jahren
Verleih: MFA (Start: 27.9.2007)

PRESSESTIMMEN:

Aufwändig in Szene gesetzter Abenteuerfilm für Jugendliche; zwar mit einigen Zugeständnissen an den Massengeschmack, zeichnet er gleichwohl spannend und kenntnisreich das Mittelalter der Bauern, Bettler und Waisen nach und lässt dabei auch Fragen nach Werten, Toleranz und Glauben einfließen.
film-dienst

Weitere Pressestimmen auf film-zeit.de hier…

FILMKRITIK:

Der Jugendroman von Thea Beckman ist bereits mehr als 30 Jahre alt, wurde 1976 in Bologna als bestes europäisches Jugendbuch ausgezeichnet und ist bisher in 13 Sprachen übersetzt und in 20 Ländern veröffentlicht. Ein Stoff, der gerade zu nach einer Verfilmung schreit. Mehr noch, als die Thematik der Kinderkreuzzüge nach Jerusalem vor wenigen Jahren erst in weiteren Buchveröffentlichungen wie etwa einem weiteren Roman von Peter Berling („Das Kreuz der Kinder“) oder einem Sachbuch von Thomas Ritter („Im Namen des Herrn. Der Kreuzzug der ungeliebten Kinder“) erneut beschrieben wurde. 

Reizvoll an Beckmans Vorlage war freilich der Gegensatz von Gegenwart und Vergangenheit. Die Geschichte beginnt während eines U17-Länderspiels der Nachwuchsfußballmannschaften zwischen den Niederlanden und Belgien. Nachdem Dolf (Joe Flynn) im Dress des Oranje-Teams glasklare Chancen vermasselt und seine Mannschaft im Viertelfinale ausscheidet, wittert er mit Hilfe einer Zeitmaschine, an der seine Mutter (Emily Watson) in einem Forschungslabor experimentiert, die Chance, zurückzureisen und die verpassten Torgelegenheiten positiv zu beeinflussen. Blöd nur, dass ihm bei der Eingabe der Jahreszahlen ein folgenschwerer  Fehler unterläuft. Dolf landet im Jahr 1212 und sieht sich dort schon nach wenigen Momenten finsteren Typen gegenüber. Die haben’s insbesondere auf seine Tunschuhe abgesehen.

Das 15-jährige Mädchen Jenne (Stephanie Leonidas) rettet Dolf mit einer Steinschleuder, von ihr erfährt er, dass sie zu einem Kinderkreuzzug mit Ziel Jerusalem gehört. Obwohl er sich nicht allzu weit von jenem Punkt, an dem er ins Mittelalter trat, entfernen sollte, folgt Dolf dem Mädchen ins Lager der Pilger. Dort schlägt ihm wegen seines ungewöhnlichen Äußeren erst einmal Misstrauen entgegen. Es wird nicht weniger, als er per Mund-zu-Mund-Beatmung einem Jungen nach einem unfreiwilligen Bad im Fluss das Leben rettet. Dolf kommt dahinter, dass der die Kinder begleitende Priester Anselmus (Michael Culkin) mitunter Entscheidungen trifft, die nicht dem Wohl der Kinder dienen. Mit dem Wissen eines aufgeklärten Erdenbürgers – an Wunder mag er nicht wirklich glauben – hilft er nun nach besten Kräften, und wird so im Mittelalter zu jenem uneigennützigen Teamplayer, der er im Fußballspiel der Gegenwart hätte sein sollen.

Eine Schlüsselrolle in dieser auch um eine erste Liebe kreisenden Zeitreisegeschichte spielt Benno Fürmann. Er ist ein Mönch, der die Ereignisse während des Kinderkreuzzuges dokumentiert und in mittelalterlichen Bildern illustriert. In der Gegenwart helfen seine Aufzeichnungen Dolfs Mutter, ihren Sohn aufgrund der Zeitdokumente zu orten und ihm eine Rückkehr zu ermöglichen. Bis es dazu kommt, vergeht allerdings eine sehr lange Zeit, in der sich viele der bereits ausführlich offengelegten Unterschiede zwischen heutiger und damaliger Lebens- und Denkweise zu wiederholen beginnen. So staunt Dolf einmal über den guten Geschmack von Hühnchen – die er nur als nach Plastik schmeckende Chicken Wings kennt. Seinen mp3-Player preist er hingegen als „Troubadour in einer Schachtel“ an. Bei einer insgesamt eher sanften Art, wie im Film Gefahren aufgezeigt und abgehandelt werden, wirken die wenigen hochexplosiven Szenen zudem eine Spur zu laut und gewollt auf Action setzend – vielleicht ein Tribut an das an Getöse gewohnte heutige junge Publikum.

Insgesamt aber gefällt der unterhaltsam die Lebens- und Denkweisen unterschiedlicher Epochen einander gegenüber stellende Jugendfilm aufgrund seiner Möglichkeit, Historie und Fiktion miteinander zu verbinden. Er beantwortet zwar nicht alle Fragen, regt aber an, sich in vorhandene Literatur einzulesen und selber nachzuforschen. Die Mitwirkung von Darstellergrößen wie Benno Fürmann, Emily Watson, Herbert Knaup und Udo Kier ist für den „Kreuzzug in Jeans“ zwar nicht zwingend, wird der Popularität des Stoffes aber durchaus gerecht.

Thomas Volkmann