Kundschafter des Friedens

Eine Art Altherren-James-Bond ist die vergnügliche, selbstironische Komödie „Kundschafter des Friedens“. Henry Hübchen wird als früherer ostdeutscher Top-Spion aus dem Ruhestand geholt. Gemeinsam mit seinem nicht mehr ganz taufrischen Ex-Team soll er dem BND dabei helfen, einen entführten BND-Mitarbeiter, seinen ehemaligen Gegenspieler, aufzuspüren. Die deutsche Agentenkomödie nimmt sich selbst nicht allzu ernst und funktioniert gerade deshalb wunderbar als selbstironischer, ungezwungener Unterhaltungsfilm. Darüber hinaus verfügt das Werk, das fast schon in Richtung Spionagefilm-Parodie geht, mit Henry Hübchen über einen famosen, ideal besetzten Hauptdarsteller. An seiner Seite eine toughe Antje Traue und alte Haudegen wie Michael Gwisdek, Thomas Thieme und als Spionage-Romeo Winfried Glatzeder ("Die Legende von Paul und Paula"). Ein herzhaftes Vergnügen!

Webseite: www.kundschafterdesfriedens.de

Deutschland 2016
Regie: Robert Thalheim
Drehbuch: Robert Thalheim, Oliver Ziegenbalg
Darsteller: Henry Hübchen, Michael Gwisdek, Antje Traue, Thomas Thieme, Winfried Glatzeder, Jürgen Prochnow
Länge: 90 Minuten
Verleih: Majestic-Filmverleih
Kinostart: 26. Januar 2016

FILMKRITIK:

Für Jochen Falk (Henry Hübchen) ist die Überraschung groß, als eines Tages der BND auf der Matte steht. Falk, Pensionär im verdienten Ruhestand, war früher nämlich Top-Spion der DDR. Bis er 1985 von BND-Mitarbeiter Frank Kern (Jürgen Prochnow) enttarnt wurde. Der aber wurde nun mit dem künftigen Präsidenten von Katschekistan entführt. Das ist auch der Grund, wieso der BND nun Falks Hilfe braucht: er kennt sich in der Region gut aus und soll helfen, die Geiseln zu befreien. Falk stellt die Bedingung, dass er für die Aktion sein altes Team reaktivieren darf. Gesagt, getan. Gemeinsam mit Techniker Jacky (Michael Gwisdek), Organisator Locke (Thomas Thieme) und Frauenheld Harry (Winfried Glatzeder) macht er sich auf den Weg nach Katschekistan. Ihnen zur Seite steht BND-Analytikerin Paula, die die gestandenen Herren  im Auge behalten und für Ordnung sorgen soll.

„Kundschafter des Friedens“ – so nannte die DDR tatsächlich ihre Spione. Die Partei-Diktatur nutzte diesen Euphemismus, um den Eindruck zu vermitteln, dass man ganz besonders für Frieden und die internationale Sicherheit eintrete. Als „Kundschafter“ sind im Film u.a. die deutschen Schauspielgrößen Henry Hübchen („Alles auf Zucker!“) und Michael Gwisdek („Good Bye, Lenin!“) zu sehen. Der Film ist mit Darstellern wie Jürgen Prochnow und Antje Traue aber auch bis in die Nebenrollen hochkarätig besetzt. Inszeniert wurde er vom Berliner Robert Thalheim, der 2011 mit dem Spielfilm „Westwind“ seinen Durchbruch in Deutschland feierte.

Nimmt man die ungezwungene Komödie mit seinen (bewusst eingebauten) historischen Ungenauigkeiten nicht allzu ernst, erlebt man 90 vergnügliche, kurzweilige Minuten. Das liegt auch daran, da „Kundschafter des Friedens“ genüsslich mit Agentenfilm-Klischees und -Stereotypen spielt und diese mit viel Freude aufs Korn nimmt: von skurrilen Abhörmethoden aller Art (Stichwort: Aschenbecher) bis hin zum Macho-Gehabe in die Jahre gekommener Top-Spione (Frauenheld Harry).

Gelungen ist auch, mit wie viel Sprachwitz und Situationskomik hier die modernen, top ausgestatteten BND-Agenten auf die früheren Spione aus dem Arbeiter- und Bauernstaat treffen. So bestehen die „analog“ agierenden Rentner z.B. immer wieder darauf, ohne technischen Firlefanz und nach der eigenen, bewährten  Machart zu agieren. Dabei kommt es oft zu witzigen Zwischenfällen und humorvollen Situationen, wenn die antiquierten Spionage-Methoden (DDR) auf die zeitgemäßen, westlichen Techniken (BRD) treffen.

Dies ist gleich zu Beginn der Fall, wenn der BND Jochen Falk ausfindig macht. Doch dieser lässt sich nicht so einfach „schnappen“, läuft davon und will von einer Brücke auf einen herannahenden Zug springen – eine Szene, die man aus unzähligen James-Bond-Filmen kennt. Doch die typischen körperlichen Gebrechen eines End-Sechzigers machen Falk einen Strich durch die Rechnung. Diese frühe Szene steht exemplarisch für den Humor des Films und gibt seine Stimmung vor: eine selbstironische, sympathische und sich selbst nie zu ernst nehmende Grundstimmung, die den Film von Anfang bis Ende durchweht.

Überzeugend ist zudem die Besetzung. Hier ist in erster Linie Henry Hübchen als originalgetreue, griesgrämige Berliner Schnauze Jochen Falk zu nennen. Falk trauert seinen glorreichen Tagen als gefeierter Geheimdienstler nach, erweist sich trotz seines hohen Alters aber immer noch als gewiefter Fuchs, der das Ein-mal-Eins eines erfolgreichen (Ost-) Agenten beherrscht. Hübchen ist für diese Rolle eine Idealbesetzung. Ähnlich verhält es sich mit den Nebendarstellern. Allen voran kann Michael Gwisdek als unfähiger und tollpatschiger Techniker humoristische Akzente setzen. Lediglich schade ist, dass der Film ein wenig zu schnell zur Sache kommt und sich bei der Einführung und Etablierung von Falks Teamkollegen ruhig ein bisschen mehr Zeit hätte nehmen können.

Björn Schneider