La Palma

Beziehungskomödie um ein junges Pärchen, das im Spanien-Urlaub mit Rollenspielen neuen Schwung in die lau gewordene Liebe bringen möchte. Sanne und Markus machen auf „Alba“ und „Pablo“ – prompt erwacht südländische Leidenschaft beim deutschen Softie-Duo auf La Palma. Selbst die Nachbarn der spontan besetzten Villa fallen auf den Schwindel herein. Doch irgendwann ist Schluss mit lustig, die alten Beziehungsmuster lassen sich auf Dauer nicht überspielen. Amüsante Komödie mit der charmanten Debüt-Energie eines Abschlussfilms. Lässig erzählt, überzeugend gespielt sowie mit reichlich Dialogwitz und Situationskomik der unaufdringlichen Art.

Webseite: www.lapalmafilm.de

D 2019
Regie und Buch: Erec Brehmer
Darsteller: Marleen Lohse, Daniel Sträßer, Michael Tregor, Angelika Bender
Filmlänge: 88 Minuten
Verleih: FOUR GUYS Film Distribution, Vertrieb: Camino
Kinostart neu: 4.6.2020

FILMKRITIK:

Dumm gelaufen: Statt nach „Las Palmas“ auf Gran Canaria hat Markus (Daniel Sträßer) einen Flug nach „La Palma“ gebucht. Freundin Sanne (Marleen Lohse) ist not amused, da hilft der Spruch „Zum Glück sind wir nicht auf Malle gelandet“ nur wenig. Eigentlich soll der Urlaub dem jungen Pärchen helfen, neuen Schwung in die nach drei Jahren etwas schwächelnde Beziehung zu bringen. Doch jetzt steht das Duo erst mal ohne Mietwagen und Hotel da. Für den ewigen Softie Markus immerhin eine gute Gelegenheit, sich endlich einmal als Macho zu präsentieren. Spontan entert er, zum Staunen der Freundin, eine leerstehende Villa. Noch überraschter reagiert Sanne, als sich der Freund fortan Pablo nennt und als Besitzer des Häuschens ausgibt. Trotzig verbringt die Freundin die Nacht lieber im Auto als dem neuen Domizil. Als überraschend die Putzfrau auftaucht, macht Sanne gute Miene zum bösen Spiel. Das Paar gibt sich wortreich als die neu angekommenen Feriengäste aus. Der kleine Schwindel gelingt – und die große Liebe zum Rollenspiel ist geweckt. Was dem einen der Pablo, ist der anderen fortan die Alba: als spanisches Paar wird prompt neue Leidenschaft entfacht, Olè!

Am Morgen danach geht der Schwindel munter weiter. Auch Rüdiger, dem deutschen Nachbarn, wird erfolgreich der spanische Bären aufgebunden. Als Alba wieder zu Sanne wird, um ein wichtiges Skype-Gespräch mit ihrem Chef zu führen, greift Pablo zu leicht radikalen Methoden, um die deutsche Spießigkeit aus dem Garten zu vertreiben. Beim Anblick so viel nackter Tatsachen, ist für den grinsenden Boss das Telefonat schneller erledigt als gedacht. Beim Abendessen mit den Nachbarn ist das Improvisationstalent des Pärchens erneut gefordert. Je mehr Rotwein fließt, desto besser funktioniert das Rollenspiel. Bald wird geflirtet wie in alten Zeiten, sogar philosophische Gespräche über das Leben und die Liebe kommen plötzlich ins Rollen.

Neue Nachbarn sorgen für neue Herausforderungen. Die österreichischen Super-Spießer mit Baby und Vorliebe für Kokoswasser fallen gleichfalls auf den spanischen Schwindel herein, doch lösen sie später am Strand einen großen Streit über Kinderwünsche aus. „Markus, du reichst mir. Ich will nicht noch ein Kind“, schimpft Sanne, worauf der Freund beleidigt baden geht. Die Wogen glätten sich zwar bald, der Anruf einer Ex-Affäre wird die Karten indes neu mischen. Gegen die alten Beziehungsmuster kommen auch die neuen, lustigen Rollenspiele letztlich nicht an.

Am Tag 4 des Urlaubs steuert das Liebesdrama auf kritischen Kurs. Verlorene Schlüssel sind nur die Vorboten des großen Krachs. Geständnisse vom Fremdgehen liegen in der Luft. Ein Trennungs-Tag wird beschlossen, nach gescheiterter Aussprache wird der Frust durch heftiges Flirten mit Fremden verdrängt – da kommt ein spanischer Teenie in der Disco doch wie gerufen.

Regisseur und Autor Erec Brehmer steckt dem uralten Hut Beziehungskomödie mit seinem Abschlussfilm an der HFF ein paar hübsche Federn auf. „Ich bin zu müde zum Streiten!“ – „Ich streite gar nicht. Außerdem hast du angefangen!“ klingen die Dialoge der angenehm unangestrengten Art. Erzählerisch gibt sich das Debüt gleichfalls so lässig wie einfallsreich. Ein bisschen Verwirrung stiften vor dem Vorspann mit einer seltsamen Flirtsequenz (die sich erst viel später aufklären wird). Zum Vorglühen den Softie-Helden als kleinen Tölpel einführen, der das Urlaubsziel verwechselt hat. Der in der Not jedoch schnell mit seinen Aufgaben wächst, gar eine Villa besetzt und in der Rolle des spanischen Liebhabers über sich hinauswächst – wer hätte das gedacht von einem Typen, der seinen Rucksack mit zwei großen Augen beklebt? Die skeptische Freundin findet gleichfalls erstaunlich schnell Gefallen am Abschied vom Gewohnten. Das Kartenhaus des neuen Liebeszaubers ist freilich schneller vom Einsturz bedroht, als das Pärchen ahnt.

Mit Marleen Lohse („Cleo“) und Daniel Sträßer („Egon Schiele: Tod und Mädchen“) finden sich zwei Hauptdarsteller, denen man die Geschichte vom Suchen und Finden der verlorenen Liebe stets abnimmt und die auf ihrer Gefühlsachterbahn ausreichend Empathie-Plätze für das Publikum bieten. Nach sechs Tagen Urlaub gibt’s zum guten Schluss eine charmante Liebeserklärung am Hafen. Ob sie halten wird? Vielleicht sollte Markus gleich schon den nächsten Trip planen – falls das Rückflugticket ihn samt Sanne überhaupt nach Deutschland zurückbringt…

Dieter Oßwald