Larry Crowne

Mit geballter Star-Power bietet die romantische Hollywoodkomödie „Larry Crowne“ in Zeiten von schleichender Wirtschaftskrise und Massenarbeitslosigkeit humorvolle Unterhaltung ohne großes Drama. Die beiden Oscarpreisträger Julia Roberts und Tom Hanks beweisen in dem unbeschwerten Feel-Good-Movie über einen liebenswert biederen Supermarktangestellten, der plötzlich entlassen wird, erneut ihr schauspielerisches Können. Gleichzeitig inszeniert Titelheld Hanks als Regisseur die Story locker und sorgt für groteske Situationskomik. Außerdem stimmt die Chemie zwischen den beiden Schauspiel-Ikonen, die in klassischer Screwball-Manier zueinander finden.

Webseite: www.larrycrowne.de

USA 2011
Regie: Tom Hanks
Buch: Nia Vardalos, Tom Hanks
Darsteller: Tom Hanks, Julia Roberts, Bryan Cranston, Gugu Mbatha-Raw, Cedric the Entertainer, Taraji P. Henson, Wilmer Valderrama, Pam Grier, George Takei
Länge: 99 Minuten
Verleih: Kinowelt
Kinostart: 30. Juni 2011

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

„Larry Crowne“, tönt es verzerrt aus dem Kaufhaus Lautsprecher, „ in den Personalbereich“. Der beflissene Verkäufer (Tom Hanks) kann sein Glück kaum fassen. Glaubt er doch fest daran, dass er auch diesmal wieder zum „Mitarbeiter des Monats“ gewählt wurde. Doch in der Chefetage erwartet den biederen Angestellten ein herber Schock. Er ist gefeuert. Perfider Grund: Sein fehlender Collegeabschluss macht es dem Unternehmen angeblich unmöglich ihn weiter zu befördern. Der geschiedene Single ist am Boden zerstört, denn der Job in der Supermarktfiliale war sein Leben.
In seiner Not wagt der verzweifelte Arbeitslose einen mutigen Schritt: Er entschließt sich noch einmal die Schulbank zu drücken, um seinen Abschluss nachzuholen. Im örtlichen College begegnet der unverbesserliche Optimist Mercedes Tainot (Julia Roberts), einer resignierten Lehrerin. Auch sie steckt in einer ziemlichen Krise. Ihr Mann Dean (Brian Cranston) , ein gescheiterter Schriftsteller, lebt auf ihre Kosten. Während sie den Lebensunterhalt verdient, sitzt er zuhause und sieht sich im Internet Pornos an. Vergeblich versucht die attraktive Ehefrau ihren Kummer mit Alkohol zu betäuben.

„Da sind alle“, stellt die Dozentin bei Semesterbeginn zunächst enttäuscht fest, als sie morgens um acht Uhr den Seminarraum betritt. „Tschuldigung, die Mindestkursteilnehmer sind zehn Studenten“, erklärt die frustrierte Pädagogin, „also findet der Kurs nicht statt“. Sichtlich erleichtert will sie ihren Rhetorik-Kurs absagen. Doch in diesem Moment stolpert der unbeholfene Larry verspätet in seine erste Unterrichtsstunde im Programm für Erwachsenenbildung. Und damit beginnt ein Kurs, der nicht nur sein Leben verändern wird.

Tom Hanks, der sich mittlerweile überwiegend als Produzent betätigt, spielt nicht nur die Titelrolle, sondern führt nach langer Pause wieder Regie. Zusammen mit Nia Vardalos aus dem Überraschungshit „My Big Fat Greek Wedding“ schrieb der 54jährige auch das Drehbuch. „Das Leben hat so manche Überraschungen parat. Es ist wie eine Schachtel Pralinen, man weiß nie, was als nächstes kommt.“ Diese Lebensweisheit aus seiner Oscar prämierten Tragikomödie „Forrest Gump“ dient dem bescheidenen Hollywoodstar scheinbar auch als Leitmotiv seiner neuen charmanten Komödie. Seine große Stärke liegt freilich nach wie vor darin treuherzig Figuren zu verkörpern, die trotz Pechsträhnen und Schicksalsschlägen optimistisch bleiben.

„Forrest Gump“ küsst „Erin Brockovich“ witzelte die US- Presse bereits. Zuletzt standen die Oscar-gekürten Schauspiel-Ikonen der vergangenen beiden Kino-Jahrzehnte in Mike Nichols großartiger Politkomödie „Der Krieg des Charlie Wilson“ gemeinsam vor der Kamera. Und auch auf diesem Set verstand sich das Paar augenscheinlich blendend. Immer noch ist es die Mischung aus entwaffnendem Temperament, zurückhaltender Schüchternheit und ungekünstelter Natürlichkeit, die Julia Roberts nach wie vor anziehend macht. Dieses Erfolgsrezept taugt auch jenseits der vierzig und hat nichts von seiner Magie verloren, mit dem die waschechte Komödiantin vor mehr als zwanzig Jahren als „Pretty Woman“ Filmgeschichte schrieb. Nur bei einer Sache geht sie keine Kompromisse ein: Nacktszenen sind absolut tabu. Für romantische Beziehungsreigen wie diesen kein Problem.

In den Nebenrollen glänzt vor allem das unvergleichliche Original George Takei als exzentrischer asiatischer Wirtschaftsprofessor Ed Matsutani. Seine Auftritte zählen zu den Highlights des Filmes. Aber auch die erfrischende Präsenz der Newcomerin Gugu Mbath-Raw überzeugt. Als temperamentvolle Studentin peppt sie den etwas verstaubten „Oldie“ Larry mit neuen Klamotten und neuer Frisur modisch auf, sodass sogar ihr Freund eifersüchtig wird. Schade jedoch, dass Pam Grier, die unbestrittene Königin des Blaxploitation-Kinos, die mit der Titelrolle in Quentin Tarantinos „Jackie Brown“ ein triumphales Comeback feierte, nur am Rande auftaucht.

Luitgard Koch

Larry Crowne war zwar in dem Supermarkt, in dem er arbeitete, immer einer der besten Verkäufer, doch jetzt wird er entlassen u. a. deshalb, weil er kein College absolvierte und daher karrieremäßig nicht aufsteigen kann.

Nachdem er sich lange vergeblich um einen neuen Job bemüht hat, erfährt er offenbar durch seinen geschäftstüchtigen Nachbarn Lamar von einem Ausbildungsinstitut, in das er sich aufnehmen lässt. Er belegt einen Kurs, in dem er rhetorisch geschult werden soll, außerdem ein Wirtschaftsfach. Im letzteren erfährt er durch den kauzigen Professor Matsutani allerlei ökonomische Tricks, die ihm später helfen, von seinen Schulden loszukommen. Im ersteren ist es die (von Julia Roberts dargestellte) Lehrerin Mercedes Tainot, die ihn fasziniert.

Vor allem diese Unterrichtsstunden sind skurril. Über die abwegigsten Themen muss improvisiert werden – ganz lustig. Auch die Studenten dieses Kurses sind schräg zusammengewürfelt – ebenfalls lustig.

Es dauert seine Zeit, bis Mercedes Tainot und Larry Crowne zusammenkommen. Bis dahin gibt es Motorrollertouren, Streit mit Mercedes’ Ehemann, Gefühlsaufwallungen mit verfrühten Küssen zwischen Larry und Mrs. Tainot und wegen Larry kleinere Eifersuchtsszenen zwischen der quirligen Motorrollerbraut Talia und ihrem Freund.

Larry hat in einem Restaurant einen Nebenjob. Mrs. Tainot räumt mit ihrer verflossenen Ehe auf. Eines Tages erscheint Mercedes mit ihrer Freundin Frances in dem Restaurant. Jetzt ist es soweit. Kurz darauf steht Larrys Herzensdame vor seiner Tür.

Gute, ziemlich witzige Unterhaltung. Pures Hollywood-Amüsement, nicht mehr und nicht weniger. Tom Hanks als Regisseur, der seine Sache einwandfrei macht – bei einem solchen Drehbuch nicht allzu schwer. Und an Geld wird es wohl nicht gefehlt haben. Man sieht es.

Dann Tom Hanks als Larry Crowne. Und Julia Roberts als Mercedes. Die beiden Oscar-Preisträger durchweg gut wie immer. Sie tragen alles. Mehr kann man von diesem angenehmen Genrefilm nicht verlangen.

Thomas Engel