Liebe bringt alles ins Rollen

Ein schöner Mann und eine schöne Frau in einer französischen Sommerkomödie? Das verspricht leichte Kost für laue Abende. Nicht mehr, aber auch nicht weniger bietet Franck Dubosc in seinem Regiedebüt, in dem er selbst die Hauptrolle spielt. Die Story vom egoistischen Pascha, der dank der Liebe zu einer Frau im Rollstuhl zum Softie mutiert, ist schwungvoll, witzig und romantisch, eine verfilmte Boulevardkomödie mit französischem Charme und Esprit – wenn auch nicht besonders originell, aber für gute Laune ist gesorgt

Webseite: www.nfp-md.de

Originaltitel: Tout le monde debout
Frankreich 2018
Regie und Drehbuch: Franck Dubosc
Darsteller: Franck Dubosc, Alexandra Lamy, Gérard Darmon, Elsa Zylberstein
Kamera: Ludovic Colbeau-Justin
Länge: 107 Minuten
Verleih: NFP, Vertrieb: Filmwelt
Kinostart: 5. Juli 2018
 

FILMKRITIK:

Jocelyn hat alles, was ein Mann nach landläufiger Meinung braucht, damit die Frauen ihm zu Füßen liegen: Er sieht gut aus, ist reich, erfolgreich und charmant. Nur schade, dass er seine zahlreichen Freundinnen in etwa so oft wechselt wie seine schicken Maßhemden – mit dem Unterschied, dass er seine Maßhemden deutlich besser behandelt als die Mädchen. Doch auch an Jocelyn gehen die Jahre nicht spurlos vorbei, der alternde Playboy muss immer schwerere Geschütze auffahren, um hübsche Mädchen an Land bzw. ins Bett zu ziehen, und dabei schreckt er nicht einmal vor Lügengeschichten zurück.

Eine dieser Stories bringt ihn in echte Kalamitäten: Als er sich zufällig im Haus seiner verstorbenen Mutter aufhält und in ihrem Rollstuhl sitzt, wird er von der jungen, schönen Nachbarin überrascht, die ihn für behindert hält. Statt das Missverständnis aufzuklären, nutzt Jocelyn die Gelegenheit und spielt ihr den Rollstuhlfahrer vor. Sie fällt prompt darauf rein. Als sie Jocelyn zu ihren Eltern einlädt, wähnt er sich – wie üblich – auf der Gewinnerseite. Aber ach … Julie stellt ihn ihrer Schwester Florence vor, die aufgrund eines Unfalls gelähmt ist und tatsächlich einen Rollstuhl braucht. Jocelyn sucht irgendeine Möglichkeit, um sich mit einer halbwegs vernünftigen Erklärung oder mit der Wahrheit aus der Geschichte zu retten. Doch er verpasst jede Gelegenheit und irgendwann kommt er aus der Sache nicht mehr raus. Strafverschärfend kommt hinzu, dass Jocelyn sich tatsächlich in Florence verliebt. Ihm ist absolut klar, dass sie nichts mehr mit ihm zu tun haben will, wenn sie die Wahrheit erfährt. So beginnt ein Katz-und-Maus-Spiel, bei dem am Ende … wir sind schließlich in Frankreich! … die Liebe gewinnt.

Leicht, locker und luftig ist diese kleine Komödie, und mit viel Schwung schickt Franck Dubosc sich selbst und seine Mitstreiter ins Rennen. Als Autor, Regisseur und Hauptdarsteller zieht er alle Fäden und hat sich für sein Buch ein großes Vorbild ausgesucht, das damals als Renaissance der Screwball Comedy gefeiert wurde: Die Dramaturgie erinnert stark an BETTGEFLÜSTER – seinerzeit war Rock Hudson der gemeingefährliche Weiberheld, der sich Doris Day gegenüber als unbedarfter Texaner ausgibt, um ihr Herz zu gewinnen. Hier spielt Franck Dubosc mit strahlenden Blauaugen, einem sicheren Gespür für Gags und mit erheblichem Charme den attraktiven Schlingel. Alexandra Lamy ist in der Doris-Day-Rolle eine emanzipierte, tatkräftige Frau, die sowohl schön als auch klug ist und mit ihrer Energie dafür sorgt, dass der Macho ordentlich ins Schwitzen kommt.

Wie in einer Boulevardkomödie üblich, jagt auch hier ein Missverständnis das andere, zahllose Fallstricke müssen entknüpft und Hindernisse überwunden werden. Ab und zu wird es ein bisschen albern, manches wirkt gewollt, doch die allgemeine Stimmung bleibt heiter bis sonnig. Genau wie in der Vorlage sind es auch hier die so genannten „Character Actors“, die für weitere Verwicklungen sorgen, die Handlung vorantreiben und zusätzliche Komik ins Spiel bringen. Bei Franck Dubosc sind das seine Sekretärin und sein bester Freund Max, der gleichzeitig sein Arzt ist. Gérard Damon spielt ihn mit hintergründigem Witz und viel Präsenz. Absolut hinreißend ist die wunderbare Elsa Zylberstein. Sie spielt Jocelyns Sekretärin Marie mit sehr viel komischem Talent als Helferin in allen Nöten. Und ebenso wie in BETTGEFLÜSTER gibt es ein paar Überraschungen zum Ende hin … und die sind tatsächlich ziemlich pfiffig.

Gaby Sikorski