Liebe Mauer

20 Jahre liegen die Wende und das damit verbundene Ende der DDR inzwischen zurück. Zu diesem runden Jubiläum startet mit „Liebe Mauer“ nun die passende, romantisch eingefärbte Komödie über eine verbotene Ost-West-Beziehung in unseren Kinos. Komödienspezialist Peter Timm („Go Trabi Go“) begibt sich darin auf die Suche nach deutsch-deutschen Gemeinsamkeiten in den überaus turbulenten Tagen des Mauerfalls. Als Ost-Romeo und West-Julia agieren Maxim Mehmet und Felicitas Woll.

Webseite: www.liebemauer-derfilm.de

D 2009
Regie & Drehbuch: Peter Timm
Produzentin: Heike Wiehle-Timm
Darsteller: Felicitas Woll, Maxim Mehmet, Anna Fischer, Thomas Thieme, Karl Kranzkowski, Margarita Broich, Gisela Trowe
Laufzeit: 107 Minuten
Kinostart: 19.11.2009
Verleih. Warner
 

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

In diesen Herbsttagen können wir Deutsche ein freudiges Jubiläum feiern: 20 Jahre Mauerfall. Auch wenn sich manche Hoffnungen, die an und nach dem 9. November 1989 von der Politik genährt wurden, letztlich nicht erfüllt haben, so überwiegen doch klar die positiven Seiten der ein Jahr später vollzogenen Wiedervereinigung. Schon seit Wochen erinnern zahlreiche Sondersendungen und Reportagen an den Fall der Mauer und die letzten Tage der DDR und auch im Kino ist das Ereignis wieder einmal als Komödienstoff präsent. Dieser trägt den Titel „Liebe Mauer“ erzählt von einer zunächst verbotenen Ost-West-Beziehung, der am Ende die Geschichte unverhofft zur Hilfe kommt.

Den West-Part des jungen Liebespaares verkörpert die lebenslustige Studentin Franzi (Felicitas Woll), die im Herbst 1989 in eine Kreuzberger Altbauwohnung in unmittelbarer Nähe der Mauer zieht. Der Zufall will es, dass sie dort schon bald auf den Grenzsoldaten Sascha (Maxim Mehmet) aufmerksam wird – und er auf sie. Sascha ist jedoch zum Leidwesen seiner Vorgesetzten kein überzeugter, linientreuer Genosse. Seinen Dienst bei der Volksarmee betrachtet er lediglich als ein notwendiges Übel, um später einmal Medizin studieren zu können. Franzis und Saschas heimlichen Treffen – sie besucht ihn nach Dienstschluss in Ost-Berlin – bleiben nicht lange unbeobachtet. Sowohl der übereifrige Stasi-Major Kutzner (Thomas Thieme) als auch die Gegenseite versuchen, aus der systemübergreifenden Romanze ihren Vorteil zu ziehen.

Regisseur Peter Timm, der selber in der DDR geboren und mit Anfang 20 ausgewiesen wurde, nähert sich nicht zum ersten Mal auf komödiantische Weise deutsch-deutschen Befindlichkeiten. Schon sein „Go Trabi Go“ avancierte kurz nach der Wiedervereinigung zum Publikumsliebling. Ob „Liebe Mauer“ diesen Erfolg wiederholen kann, darf zumindest bezweifelt werden. Nach inzwischen zahlreichen Ost-West-Komödien fehlt seinem neuen Film schlichtweg das Alleinstellungsmerkmal. Die Geschichte verläuft jederzeit in den erwarteten Bahnen. Sascha und Franzi lernen sich lieben und doch trennen sie anfangs Welten. Später dann verwandelt sich ihre zarte Romanze und mit ihr Timms Film in eine bisweilen recht alberne Doppelgänger-Klamotte, bei der Stasi, CIA und bundesdeutscher Staatsschutz gemeinschaftlich als Witzfiguren auftreten. Eine Bedrohung geht von ihnen nie wirklich aus.

Der Charme der schüchternen und deshalb so sympathischen Annäherung zwischen Ost und West bleibt unterdessen auf der Strecke. Da können sich Felicitas Woll und ihr Filmpartner Maxim Mehmet anstrengen wie sie wollen, gegen den holprigen Komödienstil eines von Stereotypen wie das des stets leicht dümmlichen Stasi-Spitzels zusammengehaltenen Drehbuchs kommen sie nicht an. Überall trifft man hier auf nicht erst seit „Good Bye, Lenin!“ totgefilmte DDR-Motive. Das muffige Restaurant, in dem sich Sascha und Franzi erstmals näher kommen, ist nur eines, aber eines der besonders abgenutzten. Hierzu passt auch der Rückgriff auf alte Nachrichtenmeldungen und Archivaufnahmen, mit denen Timm sein Werk auffällig unauffällig auskleidet. Was beim Zuschauer Emotionen herauskitzeln soll, bleibt schlussendlich am nachgebauten Mauer-Set aus Pappe kleben.

Marcus Wessel

Herbst 1989. Franzi kommt zum Studium nach Berlin. Weil es direkt an der Mauer billige Wohnungen gibt, quartiert sie sich ganz in der Nähe einer Grenzübergangspostens ein. Sascha, ein DDR-Grenzer, sieht sie regelmäßig an ihrem Fenster. Es dauert nicht lange, bis er sich in Franzi verliebt.

Die geht in Ostberlin einkaufen, da dort alles billiger zu haben ist. Auf dem Rückweg fallen ihr die Tüten aus der Hand. Spontan kommt Sascha ihr zu Hilfe. Weil Franzi schon wieder auf Westgebiet ist, riskiert Sascha als „Republikflüchtling“ sogar sein Leben. Stasi-Major Kutzner erteilt ihm eine strenge Verwarnung.

Franzi und Sascha können sich in Ostberlin zwar ein paar Mal treffen, doch die junge Frau muss jeweils rechtzeitig in den Westteil der Stadt zurück. Da muss eine Lösung gefunden werden. Mit Hilfe von Saschas Jugendfreundin Uschi und einem gewagten Verkleidungsmanöver klappt das.

Viel schlimmer ist, dass Sascha in den Augen von Kutzner als verdächtig gilt und deshalb nicht nur überwacht, sondern sogar erpresst wird. Er soll Franzi, die als mögliche Geheimdienstmitarbeiterin West angesehen wird, ausspionieren.

Franzi geht es auf ähnliche Weise nicht besser. Ihr sind bereits sowohl die West-Nachrichtendienstler als auch die Stasi auf den Fersen. Sascha und Franzi versuchen zwar, dem zu entkommen, für ihre Liebe Raum und Freiheit zu schaffen – doch der Kreis zieht sich immer enger zusammen. Sie stehen kurz vor der Verhaftung.

Aber es ist inzwischen der 9. November 1989 – der Tag der Befreiung für alle.

Peter Timm weiß, wovon er spricht. Mit seinem damaligen Erfolgsfilm „Meier“ schlug er das Thema an und nahm es seither immer wieder auf: Individuen, die sich auf die ausgeklügeltste Weise gegen das SED-Regime und seine Stasi, deren Schikanen, deren diktatorische Gewalt auflehnten. Timm war selbst Betroffener, musste eine leidvolle Vergangenheit durchmachen.

Hier legt er einen historisch-interessant-wichtigen und gleichzeitig ziemlich unterhaltsamen Film vor, der noch 20 Jahre „danach“ ein nötiges, aufklärerisches Licht auf die dramatischen, traurigen und freudigen Geschehnisse von damals werfen kann. Sowohl politisch betrachtet als auch als Unterhaltung braucht man es ganz und gar nicht zu bereuen, diesen gelungenen Film gesehen zu haben.

Ein großes Lob verdienen als Haupthandlungsträger und Liebespaar Felicitas Woll, die liebenswerte Franzi, und Maxim Mehmet, der zwischen „Beruf“ und Privatleben hin und her gerissene Sascha – nicht zu vergessen Thomas Thieme als abgefeimter, obrigkeitshöriger, eine verräterische Sprache gebrauchender Major Kutzner.

Thomas Engel