Lotte im Dorf der Erfinder

KiKa-Star Lotte kann auch in ihrem ersten Kinofilm überzeugen. Die Abenteuer der pfiffigen Hundedame strotzen nur so vor Witz und Fantasie, sind dabei aber immer kindgerecht. Hier wird das kindliche Auge nicht über- und der Verstand nicht unterfordert. Ein fröhlicher Trickfilmspaß für das junge Kinopublikum bis ca. acht Jahren. Wer „Peterson und Findus“ mag, der sollte auch an „Lotte“ seinen Spaß haben.

Webseite: www.mfa-film.de

Estland/Lettland 2006 – Trickfilm
Regie: Janno Põldma & Heiki Ernits.
Kinostart: 22.2.2007
Länge: 81 Minuten
Verleih: MFA

PRESSESTIMMEN:

Ein ebenso kurzweiliger wie humorvoller Zeichentrickfilm, der durch die liebevoll gestalteten Tierfiguren für sich einnimmt und immer wieder mit originellen Einfällen aufwartet. – Ab 8.
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FILMKRITIK:

Lotte lebt in einem beschaulichen Dorf im Baltikum. Das gewitzte Hundemädchen ist Tochter des großen Erfinders Oskar. Wie überhaupt alle im Dorf immer darauf bedacht sind mit Neugierde und Einfaltsreichtum neue, nützliche Dinge zu erfinden. Einmal im Jahr wird dann die beste Erfindung prämiert. Doch es gibt auch Dorfbewohner, die für den ersehnten Preis vom Tugendpfad abweichen, wie Adalbert, der nicht nur versucht Oskar neues Projekt auszuspionieren, sondern auch seine Frau für unlautere Tricks einspannt.

Lotte ist mächtig stolz auf ihren Vater, doch die meiste Zeit verbringt sie mit ihrem Freund Bruno, einem Kater. Schade nur, dass der Junge partout keinen Sport machen darf, weil seine überängstliche Mutter einst den Vater beim Sport verloren hatte, als dieser beim Hammerwerfen mit dem Sportgerät auf Nimmerwiedersehen davonflog. Auch Albert, Adalberts Sohn, wäre gerne Lottes Freund, nur weiß der schüchterne Junge nicht, wie er das anstellen soll.

Hilfe kommt aus Fernost. Die Fliege Susumu, ein Gast aus Japan, bringt die Kinder mit ihren Judokünsten zusammen. Lotte und die beiden Jungs wollen daraufhin als Team an einem Judowettbewerb in Japan teilnehmen und bitten Oskar ihnen ein geeignetes Reisegefährt zu konstruieren. Am Tag des Wettkampfes, harrt das ganze Dorf vor dem Radio, um zu erfahren, ob Lottes Mannschaft gegen die Jugendlichen aus Japan eine Chance hat.

Die episodisch angelegten Abenteuer der kleinen Lotte kreisen um Themen wie Mut, Neugierde, sportlichen Wettkampf und Freundschaft. Dabei spiegelt sich die Welt der Erwachsenen im Spiel der Kinder wider, gleichzeitig halten aber die Kleinen den Großen durch ihre unbekümmerte, direkte Art ihrerseits einen Spiegel vor. Das alles passiert ohne pädagogischen Zeigefinger, dafür mit viel Humor, bei dem auch die Erwachsenen im Kinosaal etwas zu lachen bekommen, etwa wenn Adalbert wie Tom Cruise in „Mission-Impossible“-Manier als Spion an der Decke hängt. Nur das dabei dem unlauteren Kundschafter kein Schweiß, sondern profaner Nasenpopel beinahe zum Verhängnis wird.

Schön auch die Odyssee des Hammerwerfers, der wie das berühmte antike Vorbild bei seiner Reise um die Welt so manche Damenbekanntschaft macht. Wie die Erfindungen ist auch die Weltsicht der Kinderperspektive verpflichtet. So ist es durchaus möglich, quer durch das Erdreich ans andere Ende der Welt zu gelangen, auch wenn in diesem Fall die Reise durch das Heim zweier gediegener Maulwürfe führt.

So einfach die Charaktere in diesem traditionell hergestellten Trickfilm gezeichnet sind, so bunt und liebevoll im Detail wurde die animierte Abenteuerwelt ausgeschmückt. Gerade für die kleineren Kinozuschauer ist dieser Film eine gelungene Alternative zu den dröhnenden Konkurrenten im CGI-Format.

Norbert Raffelsiefen