Love Alien

Wolfram Huke ist Dokumentarfilmer, 30 Jahre alt, und hatte noch nie eine Freundin. In seinem ersten Langfilm erzählt er aus der Perspektive des „Love Alien“, wie er mit dem Alleinsein lebt, was er dagegen unternimmt und wie die wohlmeinenden Ratschläge der besten Freunde sich aus der Perspektive des Betroffenen anhören. Dabei ist ihm ein mutiger, ehrlicher und erstaunlich unterhaltsamer Film gelungen, der zu einer echten Kommunikation zwischen den vermeintlichen Insidern und Outsidern der Liebe anregt.

Webseite: www.love-alien.de

Deutschland 2012
Buch, Regie, Kamera: Wolfram Huke
Musik: Benjamin Hansen, Wolfram Huke
Grafik- & Titeldesign: Anja Telkmann
Verleih: Film Kino Text
Starttermin: 16.5.2013

PRESSESTIMMEN:

„Love Alien folgt der „Erzähl dich selbst“-Maxime einzigartig konsequent und sehr gelungen. […] Der eindrücklichste Film – einer, der idealtypisch zu den Hofer Filmtagen passt.“
Süddeutsche Zeitung

„Es ist eine hochmutige Selbstbeschreibung des Filmemachers Wolfram Huke, der nie die Balance verliert, der an sich zweifelt und doch komische Distanz zu sich bewahrt, der ehrlich mit sich und dem Zuschauer ist – und entdeckt, dass er so alleine gar nicht ist.“
Die Welt

„Love Alien ist unterhaltsam und hat Humor. Mit viel Selbstironie schildert Huke seine Bemühungen, aus der Ein- in die Zweisamkeit zu gelangen.“
Frankenpost

FILMKRITIK:

Mit 30 Jahren ist Wolfram Huke immer noch Single. Schlimmer, er hat überhaupt noch nie eine Freundin gehabt, noch nie Sex gehabt, nicht einmal geknutscht. Auf Partys fühlt er sich als „Alien“, es ist ihm ein Rätsel was bei ihm, der freundlich, interessiert, normal aussehend und auch in Maßen gesellig ist, eigentlich anders läuft als bei den anderen, die Beziehungen haben. Er beschließt dem Phänomen auf den Grund zu gehen. Ein Jahr lang führt er ein Videotagebuch über sein Leben, seine Gefühle und seine Versuche, den quälenden Zustand des Immer-Alleinseins zu ändern.

Er beginnt mit seinen Aufzeichnungen an seinem 30. Geburtstag. Wir sehen den verstrubbelten Filmstudenten in seiner Junggesellenbude vor dem Computer, Ikea-Raumteiler im Rücken, Chaos auf dem Fußboden. Das Telefon klingelt, es sind die Eltern, die zum Geburtstag Glück wünschen und etwas hilflos fragen „Hast Du wenigstens einen schönen Tag gehabt?“, als ob sie das eigentlich gar nicht so genau wissen wollten. Man legt beiderseits schnell wieder auf. Es ist eine lakonische kleine Szene, bitter, amüsant und irgendwie vertraut – man kennt derlei missglückte Familiengespräche, in denen zwischen den Zeilen meilenweite Abgründe klaffen.

Huke ist gut darin, die Abgründe spüren zu lassen, ohne dabei je seinen Humor zu verlieren. Deshalb folgt man ihm ausgesprochen gerne auf seinem mit einfachsten Mitteln inszenierten Selbstversuch, der ihn unter anderem zu einer Freundin in Zagreb führt, in die er ein bisschen verliebt ist, und zu einer Beziehungsberaterin, die ihm nahelegt, dass er Beziehungen selbst aus dem Weg geht. Huke konsultiert Stilberaterinnen, die seine Cargohosen kritisieren, wandert den Jacobsweg entlang und feiert Silvester mit seiner ebenfalls alleinstehenden Freundin Johanna. Immer wieder kommt er auch selbst zu Wort und erzählt der kleinen Kamera, wie es ihm gerade geht und was für Gedanken er sich macht.

LOVE ALIEN ist eher ehrliche Innensicht als schonungslose Selbstentblößung, eher Kaleidoskop der Befindlichkeiten als abgeschlossene Analyse. Wolfram Huke liefert keine Antworten auf sein Dilemma sondern lässt einen an den Fragen teilhaben, die ihn und seine Leidensgefährtinnen bewegen. Damit bringt der Regisseur im Film, aber auch im wirklichen Leben einen Dialog in Gang: zwischen den „Love Aliens“ untereinander aber auch zwischen denjenigen mit und denen ohne Beziehung.

Hendrike Bake

Wolfram Huke wollte ursprünglich einen Film über Menschen drehen, die sich schwer tun, einen Partner zu finden. Doch die Personen, insbesondere die Frauen, mit denen er das zu tun beabsichtigte, wollten sich nicht bloßstellen. Also wich er auf sich selbst aus.
Denn er ist offenbar in derselben Situation. (Andernfalls hätte er wahrscheinlich diese Idee gar nicht aufgegriffen.)

Er war zur Zeit der Entstehung dieses Dokumentarfilms 29 Jahre alt. Ein wenig dicklich, auf jeden Fall übergewichtig, konnte er kaum mit Erfolg bei Damen rechnen, die auf das Äußere sehr viel geben. Seine Suchmethode: „Elite Partner“ und ähnliches im Internet.
Da inserieren Ärztinnen und Architektinnen, Managerinnen und Hausfrauen, junge und alte, Neugierige und Enttäuschte. Zuerst musste Huke Fragebogen ausfüllen. Unglaublich, nach was da alles gefragt wurde und gefragt wird.

Danach begannen die „Dates“, wie das heute heißt. Mit einer sehr sympathischen Magdeburgerin beispielsweise, die jedoch einen nicht so leicht zu erschütternden Charakter hat, die er bereits vier Jahre kennt und die damals als Lebenspartnerin doch nicht in Frage kam. Die Freundschaft ist geblieben. Oder mit einer eher resoluten Kroatin aus Zagreb, mit der das Rendez-vous jedoch auch nicht lange dauerte. Und mit einigen anderen.

Wolfram will abnehmen, führt lange Gespräche mit einer schließlich aufgesuchten Psychologin, versucht Sport zu treiben, geht auf den Jakobsweg, denkt immer wieder über die Möglichkeit, nicht allein sein zu müssen, nach, meditiert, betet – denn er scheint gläubig, ja sogar fromm zu sein.

Warum ist er allein? Ursprünge des Problems scheinen auf. Zum Beispiel das Elternhaus und die Tatsache, dass man dort über pubertäre Erscheinungen offenbar nie ein Wort verlor, um nur einen Fakt zu nennen. Ein Gespräch mit der Mutter lässt auf jeden Fall tief blicken.

Wolfram Huke stellt hier ein kompromissloses Selbstbild vor. Es ist zum ersten eine wohl auch für viele andere geltende aufschlussreiche persönliche Mutprobe, und es zeugt zum zweiten von einer für sein Alter schon fortgeschrittenen menschlichen Reife; zum dritten ist das Dokument ziemlich professionell gestaltet – für einen Regisseur, der vor bestimmt noch nicht langer Zeit sein Studium an der Münchner Filmhochschule abgeschlossen hat, will das schon etwas heißen.

Das konsequente, authentische, selbstironische Bildnis eines Singles, der sich nach Liebe sehnt, der „aus der Einsam- in die Zweisamkeit zu gelangen“ sucht.

Thomas Engel