Love & Dance

Die Sprache des Tanzes ist universell. Genauso universell, wie es Emanzipations- und Coming-of-Age-Geschichten sind. Diese hier handelt von der Selbstfindung eines Jugendlichen, der die Erfahrung der ersten Liebe macht. Die auf zahlreichen Festivals gefeierte israelische Produktion Love & Dance orientiert sich an so bekannten und erfolgreichen Tanzfilmen wie Billy Elliot – I Will Dance und der Dokumentation Mad Hot Ballroom ohne jedoch die kulturelle Identität ihres eigenen Schauplatzes zu vernachlässigen.

Webseite: www.love-and-dance-film.de

Love & Dance
OT: Sipur Hatzi Russi
Israel 2006
Regie & Drehbuch: Eitan Anner
Produktion: Ehud Bleiberg, Koby Gal-Raday, Eylon Ratzkovsky, Yossi Uzrad
Mit Vladimir Volov, Oksana Korostyshevskaya, Talya Raz, Avi Kushnir, Valeria Voevodin
Kinostart: 12.4.07
Verleih: 3L/Filmlichter

PRESSESTIMMEN:

Tief empfunden und trotzdem mit viel Humor inszeniert, nimmt einen dieser kleine Film aus Israel mit ganz besonderem Zauber gefangen.
Brigitte

FILMKRITIK:

Der dreizehnjährige Chen (Vladimir Volov) wächst in Ashdod auf, einer Stadt am Rande der Wüste, in die viele Immigranten aus der ehemaligen Sowjetunion gezogen sind. So auch Chens Mutter Lena (Oksana Korostyshevskaya). Sie ist mit Rami (Avi Kushnir) verheiratet, einem israelischen Fotografen, der die Einsamkeit und Schönheit der Wüste schätzt, aber in seinem Job vor allem junge Brautpaare ablichten muss, worauf er mit Zynismus und Sarkasmus reagiert. Das Verhältnis zwischen seinen Eltern erlebt Chen als äußerst wechselvoll. Lautstarke Auseinandersetzungen wie die an ihrem Hochzeitstag, den Rami wieder einmal vergessen hat, sind keine Seltenheit. Als Chen seine Mutter daraufhin zum Tanzen ausführt, soll sich für ihn alles ändern. Er lernt Natalie (Valeria Voevodin) kennen, ein bildhübsches Mädchen, das sein Herz höher schlagen lässt. Chen ist verliebt. Und weil er immerzu an Natalie denken muss, meldet er sich in ihrem Tanzkurs an. Doch auf das Hochgefühl folgt die Ernüchterung. Denn Natalie hat bereits einen festen Tanzpartner. Statt Natalie wird ihm die bestimmende Sharon (Talya Raz) zugeteilt, mit der er sogar an einem nationalen Tanzwettbewerb teilnehmen soll.  

Es fällt nicht schwer, Gründe dafür zu finden, warum Eitan Anners Film in den zurückliegenden Monaten ein derart gern gesehener Gast auf vielen Festivals wie Rom, Moskau und Wien war. Die Story von der ersten Liebe und dem Gefühlchaos, das sie in einem anrichtet, von kulturellen Barrieren und der ihrerseits wiederum grenzüberschreitenden Kraft des Tanzens und der Musik, wird wohl niemals zu Ende erzählt sein. Jeder kann sich in ihr wiederfinden, jeder kann nachempfinden, was Chen für Enttäuschungen durchleiden muss, weil man an einem anderen Ort und zu einer anderen Zeit wahrscheinlich eine ähnliche Erfahrung gemacht hat. Love & Dance spielt gekonnt auf der Klaviatur seiner eigenen Universalität, wobei Kinder wie Erwachsense gleichsam Gefallen an Anners intimer Coming-of-Age-Geschichte finden dürften.

Dabei trägt nicht zuletzt das jugendliche Ensemble zum Gelingen dieses klassischen „Feel Good-Movies“ bei. Der junge Vladimir Volov wird nicht das letzte Mal vor der Kamera gestanden haben. Gleiches trifft auf seine von Talya Raz dargestellte Tanzpartnerin zu. Erst ihr Zusammenspiel erfüllt den auf dem Papier zugegeben nur bedingt spannend klingenden Plot mit dem notwendigen Charisma und Temperament. Anner muss man für sein glückliches Händchen bei der Wahl der Besetzung einfach gratulieren.

Hinzu kommt, dass er sich nicht damit zufrieden gibt, nur eine weitere Variante einer Geschichte über das Erwachsenwerden zu erzählen. Obwohl die Analogien zu erfolgreichen Produktionen wie Billy Elliot – I Will Dance und Mad Hot Ballroom nicht zu leugnen sind, in denen sich die Protagonisten ihr Selbstbewusstsein über einen organisierten Wettbewerb – in diesem Fall das Tanzen – „antrainieren“, besitzt Love & Dance auch eine eigene Note, die mit dem Schauplatz Israel zusammenhängt. Ein Land, das wir zumeist nur im Zusammenhang mit Terroranschlägen und dem Nahostkonflikt wahrnehmen, portraitiert Anner als vielschichtiges von unterschiedlichen Kulturen geprägter Schmelztiegel inmitten einer kargen und dennoch faszinierenden Natur.

Marcus Wessel

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Nach einem Streit seiner Eltern Lena und Rami wird der etwa 12jährige israelische Junge Chen von seiner Mutter zum Tanzen mitgenommen. Er trifft zum ersten Mal auf dieses Phänomen, das, je nachdem, Sport oder Kunstform ist. Er sieht, wie die kleine Natalie vor dem Spiegel übt und verliebt sich sofort in sie.

Julia und Roman, beide russischer Abstammung, geben den Tanzunterricht. Besonders Julia nimmt sich der Schüler an, während Roman sich lieber mit versuchten Seitensprüngen die Zeit vertreibt.

Chen muss langsam erkennen, dass die Entfremdung zwischen seinen Eltern immer stärker wird; dass auch Julia und Roman sich trennen werden; dass sich in Israel zwischen den Einwanderern verschiedener Herkunft eine Unvereinbarkeit herausstellt, die nicht ab-, sondern zunimmt; dass er Natalie nicht als Tanzpartnerin bekommen kann, weil sie erstens dem Jungen Artur zugeteilt wurde und weil sie zweitens zu einer echten Partnerschaft gar nicht fähig zu sein scheint; dass er mit Sharon vorlieb nehmen muss – mit der er aber nach einer gewissen Zeit bestens auskommt, beim nationalen Wettbewerb wunderbar tanzt und sie schließlich lieben lernt.

Es ist die Geschichte eines Jungen, der seinen eigenen Weg finden muss. Sie ist hier vor allem deshalb eingängig, weil der kleine Wladimir Wolow als Chen die Rolle großartig spielt, Wie beim Tanztraining macht er so auch im Leben langsam Fortschritte.

Um ihn herum die Probleme der kleinen Stadt Ashdod am Rande der Wüste. Sie werden angedeutet, keineswegs erschöpfend behandelt: die Schwierigkeiten gemischtrassiger, bikultureller Ehen; der Streit zwischen den Nationalitäten; die unerfüllten Sehnsüchte mancher Frauen der Stadt, die diese beim Tanzen überwinden möchten; der Weg des kleinen Chen, der durch das hochmütige und gehässige Verhalten von Natalies Tanzpartner Artur sowie den seltsamen, alles nur hinterfragenden Charakter der Natalie auch nur über Enttäuschungen weiter führt.

Einer der wenigen Filme, die aus Israel zu uns kommen. Ein im Zusammenklang seiner Ideen und Handlungselemente nicht gerade vollkommenes Projekt, aber insbesondere durch den kleinen Wladimir Wolow doch anschauliches Bild eines seine Richtung und seinen Platz anstrebenden jungen Lebens.

Thomas Engel