Love Is All You Need

Nach dem moralischen Thriller IN EINER BESSEREN WELT hat Susanne Bier sich jetzt eine romantische Komödie gegönnt. Zwei unterschiedliche und normal dysfunktionale Familien – reich und wortkarg die einen, bodenständig und in Auflösung begriffen die anderen – treffen auf der Hochzeit ihrer Kinder an der idyllischen Amalfiküste zusammen. Dicht inszeniert und mit ausgesprochen liebenswerten Charakteren ausgestattet ist LOVE IS ALL YOU NEED so sonnig und heiter, wie IN EINER BESSEREN WELT düster und spannend war.

Webseite: www.love-is-all-you-need.de

Dänemark/Schweden/Italien/Frankreich/Deutschland 2012
Originaltitel: Den skaldede frisør
Regie: Susanne Bier
Buch: Anders Thomas Jensen
Kamera: Morten Søborg
Musik: Johan Söderqvist
Darsteller: Trine Dyrholm, Paprika Steen, Pierce Brosnan, Kim Bodnia
89 Minuten
Verleih: Prokino
Kinostart: 22.11.2012

PRESSESTIMMEN:

 

Ein höchst anrührender, geistreicher Film mit Witz, eine wunderbare Hommage an die Liebe!
KinoKino, Bayerischer Rundfunk

Souverän spielt Regisseur Susanne Bier mit den Klischees kitschiger Hollywood-Romanzen und bricht sie zu einer reifen, gut gelaunten Liebesgeschichte.
STERN

Ein zauberhafter Film, ein leichter Film, mit sehr komischen und traurigen Momenten. Sehr einnehmend gespielt. Ein Film, der die Liebe wiederentdeckt, da wo sie schon verloren schien.
ARD Titel Thesen Temperamente

FILMKRITIK:

LOVE IS ALL YOU NEED, der neue Film von Susanne Bier, ist – wie es sich für eine ordentliche romantische Komödie gehört – ein einziges sonniges, gutgelauntes Glücksversprechen.

Dabei beginnt alles eher prosaisch. Die Friseurin Ida (Trine Dyrholm), Mitte 40, blond und etwas verhuscht, sitzt ihrer kerngesunden Onkologin gegenüber in einem weißkalten Krankenhauszimmer. Auf die Frage, ob sie nach der Krebs-OP schon über eine künstliche Brust nachgedacht habe, antwortet sie „Nein, Leif stört das nicht. Wahrscheinlich bemerkt er es nicht einmal.“ Sie sagt das nicht zynisch oder traurig, sondern einfach so. Als sie nach Hause kommt, ist besagter Leif (Kim Bodnia) gerade dabei „Tilde aus der Buchhaltung“ auf dem Sofa zu vögeln.

Klar wünscht man Ida da einen anderen Mann, zum Beispiel den hübschen, graumelierten, und in seiner Trauer eingeigelten Geschäftsmann Philip (Pierce Brosnan), den Vater ihres zukünftigen Schwiegersohnes. Die Hochzeit der beiden Kinder an der unfassbar idyllischen Amalfiküste bietet dann auch gleich die Gelegenheit zum näheren Kennenlernen. Bis die Beiden allerdings zueinander finden, bedarf es noch, eine ganze Reihe von Verwicklungen zu überstehen, von der ersten missglückten Begegnung über gegenseitiges Misstrauen, peinliche Verwandte und aggressive Nebenbuhler bis hin zu langsam wachsender Zuneigung.

Auch in LOVE IS ALL YOU NEED zeigt sich wieder, dass Susanne Bier eine begnadete Filmhandwerkerin ist. Souverän hat sie ihre Handlungsfäden und die emotionale Gemengelage von Slapstick bis Rührung im Griff. An keiner Stelle verliert LOVE IS ALL YOU NEED an Schwung. Was den Film aber wirklich auszeichnet, ist die präzise Figurenzeichnung.

Lediglich Leif und Idas Konkurrentin Benedikte, Philips Schwägerin (Paprika Steen) füllen relativ schlicht aber lustig die Rolle der Antagonisten aus. Trine Dyrholms Ida dagegen könnte die Friseurin aus der Nachbarschaft sein. Weit über das Torschlusspanik-Alter hinaus, weder neurotisch noch exzentrisch, und kein bisschen hysterisch verliebt, ist Ida vor allem eine sehr liebenswerte Person, die ihre Kinder beschützt und ihrem Mann etwas zuviel verzeiht. Klug und gar nicht so schüchtern, aber immer freundlich. Die Sorte Frau, die eher selten als Hauptperson einer romantischen Komödie auftaucht, der man ein Happy End aber wirklich von Herzen gönnt.

Hendrike Bake

Die Dänin Ida und ihr Mann haben einen Sohn und eine Tochter. Als die Mutter eines Tages vom Arzt heimkommt – sie hat eine Chemo wegen Brustkrebs hinter sich -, liegt ihr Mann Leif mit seiner neuen Geliebten Tilde im Bett.

Das Entsetzen ist groß, doch die Form muss gewahrt werden, denn Astrid, die Tochter, heiratet in wenigen Tagen in Italien. „Wir sehen uns in Italien“, sagt der Ehemann und haut ab.

Unglücklicherweise manövriert Ida in der Garage falsch und demoliert ein teures Auto. Dieses gehört – wem? Ausgerechnet und zufällig Philipp, dem Vater von Patrick, dem Heiratskandidaten von Astrid. Der Mann ist Obst- und Früchtehändler im großen Stil, es fehlt ihm nicht an Geld, und außerdem sieht er fabelhaft aus.

Die Heiratsvorbereitungen an der Amalfi-Küste haben es in sich. Astrids Vater bringt seine Geliebte mit zur Hochzeit – unerhört. Ida fühlt sich düpiert und allein gelassen. Philipp hat Differenzen mit seinem Sohn. Die unsympathische Schwägerin Benedikte macht sich an Philipp heran. Astrid zweifelt, ob Patrick wirklich der richtige ist. Idas Sohn Kenneth hat sich den Arm gebrochen und hat verständlicherweise Zoff mit seinem Vater. Tilde quasselt einen Haufen dummes Zeug. Ida und Philipp kommen sich näher, werden aber dauernd gestört.

Die Hochzeit selbst findet nicht statt. Astrid und Patrick wissen jetzt, dass ihre Leidenschaft nur eine Scheinleidenschaft war.

Leif will alles wieder gutmachen. Aber: Sind es nicht Ida und Philipp, die zusammengehören?

Susanne Bier ist die Garantin für gute Filme. Sie hatte mit ihrem Drehbuchautor Anders Thomas Jensen auch dieses Mal wieder ein gutes Händchen. Es ist eine romantische Komödie mit einigen Klischees geworden – aber eine wunderbare, absolut sehenswerte Komödie. Sie sticht von der Komödienmassenware meilenweit ab.

Das gilt inszenatorisch, das gilt für die Liebesgeschichten, das gilt für die menschlichen Erkenntnisse, die dahinter stecken, das gilt für die geschickt platzierten Landschaftsbilder in einer für ihre Schönheit bekannten Gegend, und das gilt vor allem auch für die Darsteller. Als Ida konnte die überaus reizvolle und liebenswerte Trine Dyrholm verpflichtet werden, als Philipp der gestandene Mann Pierce Brosnan, der noch dazu schauspielerisch überzeugt.

Thomas Engel