Lurker

Wann wird aus Liebe Obsession? Die Frage stellt Musiker Oliver in einem seiner Songs und hat dabei keine Ahnung, wie prophetisch sie für sein eigenes Leben ist, holt er sich doch jemanden in seinen engeren Kreis, der ein Fan ist, aber auf die Art, die nicht wirklich gut ist. Es geht um das Wechselspiel von Macht und Bewunderung, um die Hierarchie, die in der Entourage eines Künstlers herrscht, der auf dem Sprung ist, ganz groß zu werden, und auch um die Grabenkämpfe, die entstehen, um sich im Licht des Stars zu sonnen. „Lurker“ ist ein Drama, das auch in seiner Bildsprache sehr realistisch bleibt. Nah dran am Geschehen, farblich unterkühlt, das echte Leben abbildend.

 

Über den Film

Originaltitel

Lurker

Deutscher Titel

Lurker

Produktionsland

USA, ITA

Filmdauer

100 min

Produktionsjahr

2025

Regisseur

Russel, Alex (II)

Verleih

Universal Pictures International Germany GmbH

Starttermin

18.12.2025

 

Matty arbeitet in einem Bekleidungsgeschäft, in dem der Sänger Oliver einkauft. Oliver spricht mit ihm, findet ihn auch ganz nett und lädt ihn backstage zu seinem nächsten Konzert ein. Als Matty dort auftaucht und sich Oliver und seiner Entourage gegenübersieht, findet das erste Machtspielchen statt – nicht von Oliver, aber von einem seiner Freunde. Matty lässt sich davon nicht beirren. Er will ganz nah ran an seinen Star, will in dessen Licht erstrahlen, etwas aus seinem Leben machen, indem er Oliver als Trittbrett nutzt. Das gelingt auch, als die Idee aufkommt, eine Dokumentation über Oliver zu drehen, für die Matty verantwortlich ist. Aber immer dann, wenn ein neues Gesicht in der Entourage auftaucht, fahren alle die Krallen aus. Weil niemand sich seinen Platz streitig machen lassen will. Darum muss Matty auf unlautere Mittel zurückgreifen…

Alex Russell, bisher einer der Produzenten der Serien „Beef“ und „The Bear“, gibt mit „Lurker“ sein Regiedebüt nach eigenem Drehbuch. Es war Baz Luhrman, der ihm nach Sichtung des Rohschnitts und noch während der Dreharbeiten riet, sich die Meinung von jedem anzuhören, sich dann in ein stilles Eckchen zurückzuziehen und in sich zu gehen, bis er weiß, was er machen will. Das hat Russell beherzigt, am Ende kam ein Film heraus, der in die Tiefe geht, und das gerade, weil er sich typischen Erzählmustern verweigert.

Es wäre ein Leichtes gewesen, aus dieser Geschichte einen Thriller zu machen, aber Russell setzt auf das Drama des Konflikts, der auch durch Eifersucht und Neid befeuert wird. Es gibt eine Szene, in der es darum geht, dass ein Foto von Oliver für das Cover gemacht werden muss. Zuerst ist Matty dran, dann beginnen andere, mit ihren Ideen das Cover an sich zu reißen. Hier ist die Spannung spürbar – zwischen allen Protagonisten, während Oliver es zu genießen scheint, dass alle um ihn buhlen. Dies ist auch die Szene, in der es zum Bruch kommt. Hier gilt wieder: Der Film hätte nun Thriller-Terrain betreten können, weil es plötzlich um eine Erpressung geht.

Aber Russell führt seine Geschichte in andere Gefilde und läuft dabei zu Hochform auf – und zu einem Ende, das angesichts der Vorgeschichte erstaunt. Weil es zeigt, wie dehnbar Moral ist, aber auch, wie wenig es braucht, damit sich jemand verrenkt. In dem Moment, in dem Oliver erkennt, dass das, was Matty macht, gut ist und ihn gut aussehen lässt, schwenkt er um. Es ist eine Welt der Opportunisten, gestern Freunde, heute Feinde, morgen schon wieder Partner. So ist sie einfach, die Welt des Showbusiness, möchte man meinen.

 

Peter Osteried

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