Mademoiselle Populaire

Die charmante Liebeskomödie „Mademoiselle Populaire“ verzaubert nicht nur durch ihre bis ins kleinste Ausstattungsdetail akkurate Retro-Optik der 1950er Jahre. Das farbenfreudige Regiedebüt von Regis Roinsard ist zudem mit „The Artist“-Star Bérénice Bejo bis in die Nebenrollen bestens besetzt. Die spritzig nostalgische Kinoperle aus Frankreich, in der sich eine junge Sekretärin nach oben tippt, spielt ironisch mit klassischen Hollywoodkomödien wie „Funny Face“ und sorgt für Vergnügen pur. 

www.mademoisellepopulaire.studiocanal.de

Frankreich, 2012
Regie: Regis Roinsard
Kamera: Guillaume Schiffman
Darsteller: Romain Duris, Déborah François, Miou Miou, Féodor Atkine, Mélanie Bernier, Bérénice Bejo, Shaun Benson, Nicolas Bedos, Eddie Mitchell
Länge: 111 Minuten
Verleih: Studiocanal
Kinostart: 11. April 2013

PRESSESTIMMEN:

"Eine zauberhafte Retro-Romanze mit Pfiff in augenschmeichelnden Dekors."
STERN

"Eine hinreißende Liebeskomödie aus Frankreich im allerschönsten Fünfziger-Jahre-Look."
BRIGITTE

FILMKRITIK:

Normandie, Ende der 1950er Jahre, zwischen Bleistiftrock und Petticot, Tütenlampen und Nierentischambiente ändert sich langsam der Zeitgeist. „Sekretärin zu sein ist modern“, weiß die junge Rose Pamphyle (Déborah François) bei ihrem Vorstellungsgespräch „Viele Menschen kennenlernen, in der Welt herumkommen, für große Männer arbeiten“. Ihr zukünftiger Chef Louis Echard (Romain Duris) vom Versicherungsbüro Échard &Sohn, zerstört ihre Illusionen. „Wenn sie für mich arbeiten, kommen sie nur in Lisieux herum“. Doch schon allein diese Vorstellung begeistert die Tochter eines Krämers aus der tiefsten Provinz. Denn die abenteuerlustige 21jährige will weder im Lebensmittelladen des Vaters versauern noch den Sohn des örtlichen Automechanikers heiraten.

„Das einzige worin ich wirklich gut bin, ist auf der Schreibmaschine“, nutzt sie ihre Chance. Dass die kesse Blonde mit dem wippenden Pferdeschwanz in einer wahnwitzigen Geschwindigkeit tippt weckt Louis Sportsgeist. Der kettenrauchende Junggeselle will die flotte junge Frau zur Weltmeisterin im Schnellmaschinenschreiben machen. Und schon bald übt er mit Rose bis zur Erschöpfung das Zehnfingersystem. Dass er sich nach und nach in sein Geschöpf verliebt, verdrängt der launische Geschäftsmann erfolgreich. Erst als beim gemeinsamen Siegeszug der dynamische Chef Gilbert Japy (Nicolas Bedos) der Marke „Populaire“ auftaucht und Rose nach dem Gewinn der nationalen Meisterschaft umgarnt, merkt er wie es um ihn steht.

Die romantische Liebeskomödie besticht durch ihre großartige Farbdramaturgie. Total stylish, bis ins letzte Ausstattungsdetail historisch authentisch betört das burlesk nostalgische Melodram. Nicht umsonst ist Regisseur Régis Roinsard ein Fan der preisgekrönten amerikanischen Kultserie „Mad Men“ Auch seine Protagonisten sind mit präziser Akkuratesse im Schick der frühen 60er-Jahre gekleidet und frisiert, die Sekretärinnen tragen enge Bleistiftröcke, Schmetterlingsbrillen und Petticoat, die Herren maßgeschneiderte Flanellanzüge. Rote Etuis, kleine Silberschälchen und bunte mechanische Döschen, aus denen sich karussellartig Zigaretten herausdrehen, sind im Bild. Denn bei seiner Reise in die Vergangenheit überließ er angefangen von den Kostümen bis zu soziokulturellen Phänomenen nichts dem Zufall, um die Ästhetik der Ära originalgetreu abzubilden.

Schwungvoll spielt die frische Inszenierung des spritzigen Period-Films mit weiblichen Rollenbildern und überholten Klischees, die heute fast verstaubt wirken. Hauptdarstellerin Déborah François wirkt dabei mit ihrem sonnigen Optimismus und ihrer glockenhellen Koketterie wie eine Mischung aus Doris Day, dem Inbegriff der amerikanischen ehrlich natürlichen Kindfrau im Zeitgeist der 1960er Jahre, und der rebellischen Intensität einer Noomi Rapace. Die Chemie zwischen ihr und dem französischen Vollblutschauspieler Roman Duris, der längst bewiesen hat, dass er mehr ist als der nette Junge aus „Auberge espagnole“, stimmt. In den Nebenrollen glänzt zudem „The Artist“-Star Bérénice Bejo. Die intensive Leinwandpräsenz der gebürtigen Argentinierin begeistert erneut.

Luitgard Koch

Filme im Retro-Look sind in Frankreich angesagt. Nach „The Artist“ und seiner Reise in die Stummfilm-Ära führt die Zeitmaschine diesmal nicht ganz so weit in die Vergangenheit: „Mademoiselle Populaire“ spielt in den Fünfziger Jahren. Regisseur Régis Roinsgard legt mit seinem Spielfilm-Debüt ein wunderbares Feelgood-Movie vor. Daran sind die beiden Hauptdarsteller nicht ganz unschuldig: Déborah Francois („Das Mädchen, das die Seiten umblättert“) verströmt französischen Charme, und Roman Duris („So ist Paris“) beiweist einmal mehr, dass er einer der aufregendsten französischen Darsteller der Gegenwart ist.

Frühjahr 1958: Rose (Déborah Francois) stammt aus der Normandie, aber sie hat nicht vor, wie ihre Freundinnen früh zu heiraten und als Verkäuferin im Krämerladen ihres Vaters zu versauern. Also macht sie sich auf nach Paris, wo Rose tatsächlich als Sekretärin bei dem Geschäftsmann Louis (Romain Duris) angestellt wird. Zwar hat sie keine Ahnung, was bei dem Job auf sie zukommt und sorgt anfangs auch für reichlich Durcheinander. Aber ein Talent entgeht Louis nicht: Rose kann schneller auf der Schreibmaschine tippen als er denken. Er entwickelt eine fixe Idee und meldet sie beim regionalen Schnellschreibwettbewerb an. Fortan lebt Rose in seinem riesigen Haus und wird von ihm trainiert. In Wahrheit macht sie die Tortur nur mit, weil sie sich in Louis verliebt hat. Aber dessen Ehrgeiz steht einer echten Beziehung im Weg.

Eine Geschichte wie Zuckerwatte und eine Farbpalette aus Rosé, Pfirsich und Malve: „Mademoiselle Populaire“ lässt das Kino der 50er-Jahre vom ersten Bild an wieder auferstehen. Man meint, jeden Moment Doris Day um die Ecke biegen zu sehen. Eine Fantasiewelt, die vom Traum von der großen Liebe handelt und von der großen weiten Welt, die sich damals langsam auch für die kleinen Leute öffnete. Gefragt, was ihn an dieser Epoche so sehr fasziniert, antwortet Regisseur Roinsgard: „Damals begann sich die Konsumgesellschaft der Teenager zu entwickeln, durch die Geburt des Rock‘n Roll und das Entstehen von Dresscodes“. Insofern wirkt diese Welt heute zwar sehr weit weg, aber sie bietet tatsächlich Anknüpfungspunkte. „Mademoiselle Populaire“ funktioniert zunächst als gar nicht verschämtes romantisches Feelgood-Movie. Das macht Spaß, wirkt aber zu Beginn doch ein wenig wie eine leere Hülle.

Aber Roinsgard versteht es durchaus, seinen Film nicht zu einer reinen Stilübung verkommen zu lassen. In der zweiten Hälfte entwickelt die harmlose Liebes-Komödie ernstere Töne, ohne dabei ihren unbedingten Unterhaltungswillen aufzugeben. Denn die Epoche der Fifties ist rückblickend vor allem interessant als Vorbereitung des revolutionären Gestus der Sixties, die demnächst von einem anderen Franzosen, Olivier Assayas, in seinem Film „Die wilde Zeit“ verhandelt werden. Waren die Sechziger extrovertiert und wild, zeigt „Mademoiselle Populaire“ eine Welt, die sich introveriert in eine Fantasie zurückzieht. In der das Trauma des Zweiten Weltkrieges noch so unmittelbar nachwirkt, dass es den Menschen unmöglich schien, sich mit der Realität auseinanderzusetzen. Roinsgard bringt diesen Aspekt in der Figur des krankhaft ehrgeizigen Louis zur Geltung. Romain Duris spielt ihn in einer wunderbaren Mischung aus sympathischer Verlorenheit und dunklen Schatten. Auch die Frage des reaktionären Frauenbildes der Zeit nimmt Roinsgard auf – der Kampf um die Emanzipation stand damals unmittelbar bevor. Seine Rose will sich selbstbewusst selbst verwirklichen – wenn auch in den engen Grenzen, die ihr eine von Männern dominierte Gesellschaft zugesteht. Ein wenig mehr hätte der Film diese Rollenzuschreibung durchaus hinterfragen dürfen, aber letzlich ist “Mademoiselle Populaire“ eben vor allem ein leichter Unterhaltungsfilm.

Oliver Kaever

Ein Film, der in den 50er Jahren spielt. Und dazu ist anfangs schon einmal zu sagen, dass der große, zeittypische Aufwand sich gelohnt hat. Da stimmt die Epoche, das stimmen die damaligen Farben, die Werbeflächen, die Kleider, da stimmt die gesamte Ausstattung und die Art und Weise, wie die Akteure ihre Rollen spielen.

Rose Pamphyle ist die Tochter eines Drogeristen aus der tiefsten französischen Provinz. Sie möchte aber in die Stadt, am liebsten Sekretärin werden. Und so bewirbt sie sich denn auch. Aus vielen wird sie ausgewählt – weil sie so tut, als könne sie schnell auf der Schreibmaschine tippen. Sie kann alles andere als gut schreiben, doch sie wendet eine gewisse Schläue an, und außerdem sieht sie nett aus.

Ihr neuer Chef ist der Versicherungsmensch Louis Echard, ein gut aussehender aber etwas verklemmter Kerl. In seinem Leben war er immer nur Zweiter, schon in der Schule und beim Sport. Seine große Liebe Marie hat er zudem an seinen amerikanischen Freund Bob verloren. Sein Verhalten ist etwas herrisch – aber eben nur aus diesen Komplexen heraus.

Vielleicht projiziert er seine Sehnsüchte deshalb auf andere. Denn jetzt will er aus Rose, die tüchtig Schreibmaschine übt, eine Meisterin machen. Er weigert sich sie zu lieben, obwohl sie ihm mehr als gut ist. Vielmehr treibt er sie an, trainiert mit ihr, lässt sie immer wieder tippen – wochenlang.

Sie wird richtig gut, gewinnt einen regionalen Schnellschreib-Wettbewerb auf der Maschine, dann einen überregionalen, schließlich den landesweiten französischen. Sie erreicht nahezu 500 Anschläge pro Minute.

Jetzt steht in den USA noch die Weltmeisterschaft an. Auch diese kann Rose gewinnen.

Während dieser Zeit geht es zwischen Louis und Rose emotional hoch her: Liebesszenen, Zögern, Hinhalten, Missverständnisse, Streit, Trennung, deshalb Roses Einsatz für einen Konkurrenten – wehmütiges Gespräch auch zwischen Louis und Marie -, gekünstelter Hochmut von Louis’ Seite, Enttäuschung bei Rose, endlich zwischen beiden die Beziehung und die Liebe, wie sie sein müssen.

Wie gesagt: Epocheschilderung und Aufwand vom Feinsten. Das gilt auch für das Schauspiel: Déborah François, hinter ihrer Gutmensch-Maske eine pfiffige Rose; Romain Duris, Louis, ein komplexbeladener, schließlich bekehrter Schönling; Bérénice Bejo, eine schöne, liebevolle Marie; Shaun Benson, Bob, der sympathische amerikanische Freund von Louis.

Die Schreibmaschinenschnellschreibwettbewerbsidee: na ja. Unterhalten kann man sich gut.

Thomas Engel