Magic in the Moonlight

Woody Allen verzaubert sein Publikum mit einer neuen Komödie voller Romantik, ironischem Witz und lässigem 20er-Jahre-Charme. Vor der betörend schönen Kulisse der sommerlichen Côte d‘Azur entfaltet sich die Geschichte um den professionellen Magier Stanley (Colin Firth) und das Medium Sophie, das Stanley als Schwindlerin entlarven soll.  
So leichtfüßig und übermütig, so fantasievoll und elegant – ein Traum von einem Film, der als Romanze ebenso überzeugt wie als Komödie. Vielleicht und hoffentlich ein Winter-Arthouse-Kinohit!

Webseite: www.magicinthemoonlight.de

USA 2014
Regie und Buch: Woody Allen
Darsteller: Colin Firth, Emma Stone, Marcia Gay Harden, Eileen Atkins, Hamish Linklater, Simon McBurney
Länge: 97 Minuten
Verleih: Warner
Kinostart: 4. Dezember 2014
 

Pressestimmen/Auszeichnungen:

"Einleichtes und spritziges Filmvergnügen, das bis zur letzten Minute zauberhaft unterhält. – Prädikat besonders wertvoll."
FBW

FILMKRITIK:

Ende der 20er Jahre ist Wei Ling Soo einer der größten Magier mit Auftritten rund um die Welt. Kaum jemand weiß, dass sich hinter der Maske des geheimnisvollen Chinesen der Engländer Stanley verbirgt. Stanleys Freund Howard möchte das ausnutzen und bittet ihn um Hilfe: An der Côte d’Azur ist die junge Sophie Baker aufgetaucht, die sich als Hellseherin ausgibt und damit offenbar nicht nur die Herzen, sondern auch die Brieftaschen der reichen Villenbesitzer erobert. Stanleys Aufgabe: Er soll, wie schon so oft, seinen brillanten Verstand und seinen unterkühlten britischen Charme einsetzen, um Sophie Baker als Schwindlerin zu entlarven, so wie er vor ihr schon sämtliche andere angeblichen Hellseher durchschaut hat. Stanley wird als angeblicher Geschäftsmann ins Gesellschaftsleben an der französischen Riviera eingeschleust, wo er schnell die Bekanntschaft von Sophie macht. Doch leider erweist sie sich als harter Brocken: Sophie ist nicht nur wunderhübsch und von entwaffnender Natürlichkeit, sondern auch als Medium so überzeugend, dass Stanley an sich selbst und seiner Skepsis zweifelt. Je mehr Zeit er mit ihr verbringt, desto mehr wächst seine Überzeugung, dass sie möglicherweise wirklich Kontakt zur Geisterwelt aufnehmen kann – damit wäre Stanleys gesamte materialistische und atheistische Grundeinstellung in Frage gestellt. Und nicht nur das: Er fühlt sich auch immer mehr zu ihr hingezogen …
 
So strahlend wie die Sonne am Mittelmeer, so heiter und ausgelassen ist dieser Film, eine flirrende Etüde in unbeschwerter Eleganz. Colin Firth und Emma Stone sind als Paar wunderbar aufeinander eingespielt. Zwischen ihnen fliegen die Dialoge wie hübsche, bunte Schmetterlinge, oft von Colin Firth zusätzlich mit schöner, britischer Ironie serviert, der einen der schnöseligsten, arrogantesten Engländer spielt, den die Leinwand je gesehen hat, während Emma Stone sich als putzmuntere, schlagfertige Partnerin erweist, die gleichzeitig naiv und kokett sein kann. In den Nebenrollen wimmelt es von brillanten Schauspielern, unter denen Eileen Atkins als kauzig liebenswerte Tante Vanessa ebenso herausragt wie der herrlich komische Hamish Linklater, der als Sophies reicher Verlobter Brice verliebt seine Ständchen zur Mandoline jault.
 
Die Handlung wird durch die kriminalistisch angehauchte Story um Stanleys Detektivauftrag zur wirklich spannenden Spurensuche, bei der der Love Interest streckenweise fast zum Nebeneffekt wird. Hier zeigt Woody Allen seine ganze Routine und vor allem seine Raffinesse als Autor: Die Liebesgeschichte kommt als klassische Screwball Comedy daher, die Spannung erwächst aber keinesfalls aus der Frage, ob Sophie und Stanley am Ende zueinanderfinden, sondern daraus, ob Sophie tatsächlich eine Schwindlerin ist, wie Stanley erwartet. Und wenn sie es ist: Wird er dann womöglich für Sophie seine zynische Haltung dem Leben gegenüber aufgeben müssen? Woran kann und soll er glauben, wenn sein Weltbild von der Sinnlosigkeit allen Seins plötzlich durch den Glauben an etwas erschüttert wird?
 
Hinter all dem Flitter und Glamour der dekadenten 20er Jahre-Society mit ihren entzückend schrulligen Protagonisten lauert also doch ein typischer Woody Allen. Ein bisschen Philosophie geht immer, aber selten war sie so hübsch und anspruchsvoll witzig verpackt wie hier. Das Ende soll nicht verraten werden, nur so viel sei gesagt: Wie die verzwickte Story am Ende aufgelöst wird, ist tatsächlich überraschend.
 
Musikalisch greift Woody Allen wieder mal gern zum Charleston, wobei seine Vorliebe für nostalgisch sanfte Klänge hier natürlich perfekt zur Story und zum Setting passt. In den Bildern dominieren ebenfalls weiche, warme Töne, Eleganz herrscht allerorten, und die Damen schillern in allen Farben wie exotische Vögel … Die Kostümabteilung durfte offenbar ebenso aus dem Vollen schöpfen wie die Ausstattung – der Film ist von der ersten Sekunde bis zur letzten eine Augenweide.
 
Ganz anders als zuletzt in „Blue Jasmine“ und doch typisch: Woody Allen hat sich wieder – und hoffentlich nicht zum letzten Mal! – selbst übertroffen und eine wunderschöne Komödie geschaffen, mit der er nicht nur seine treue Fangemeinde erfreuen wird, sondern auch zusätzlich Publikum in die Kinos locken könnte. Sein neuestes Werk ist ein wunderbar komischer Feel-Good-Film für Jung und Alt, nostalgisch schön und so wie guter Champagner: ein erfrischend leichter, zeitlos schöner Genuss.
 
Gaby Sikorski